LIEBER NAH ALS FAIR

Mit Political Correctness habe ich es nicht so. Die ist oft gut gemeint, verstellt aber häufig den freien Blick auf die Dinge. Zum Beispiel bei der ganzen – zweifellos angebrachten – Diskussion um die faire Produktion von Kleidung.

Eines irritiert mich dabei immer ein bisschen: Irgendwie finden es alle ganz normal, dass unsere Kleidung tausende Kilometer entfernt in irgendwelchen Niedriglohnländern zusammengenagelt wird. Da wird ausführlich über Produktionsverhältnisse diskutiert. Aber den ziemlich seltsamen Fakt an sich, hat, wie es scheint, jeder geschluckt. Halleluhja, die Globalisierung ist alternativlos.

Es ist unstrittig, dass die Produktionsverhältnisse häufig menschenunwürdig sind und dringend verbessert gehören. Ich finde es auch gut, dass Berichte darüber immer mal wieder den Konsumenten vor den Latz geknallt werden. Vielleicht setzt es ja beim einen oder anderen ein Umdenken in Gang.

Und natürlich sollten Unternehmen, die in Niedriglohnländern produzieren, ihre Angestellten dort wie menschliche Wesen behandeln und angemessen entlohnen – also das, was dann mit großem CSR-Tam-Tam imagewirksam als „faire Produktion“ verkauft wird.

Klar sind diese Unternehmen besser als andere, die sich gar nicht darum kümmern. Für mich ist das aber trotzdem nur zweite Wahl. Denn letztlich produzieren auch diese „fairen“ Firmen fernab von ihren Märkten, um Kosten zu sparen. Dass dabei Jobs in Europa verloren gehen oder gar nicht erst entstehen, ist denen auch herzlich egal. Irgendjemand wird ihre Produkte schon bezahlen können.

Dabei gab es hier auch mal massig Schneider, die auch für ganz normale Leute genäht haben. Und es gab eine Textilindustrie. Und eine Schuhindustrie. Und hunderttausende Leute, die dort ihr Geld verdient haben. Was die wohl alle machen? Sind die in der Wissensgesellschaft, die ja alles richtet, jetzt Wissenschaftler, Ingenieure, SAP-Spezialisten oder wenigstens Marketingmanager geworden?

Also, faire Kleidungs-Produktion ist natürlich gut. Aber letztlich ist mir NAH noch lieber als FAIR. Nicht nur, weil ich ein Qualitätsfetischist bin. Es gibt in Europa halt keine Produktionsverhältnisse wie in Bangladesh. Damit ist FAIR sowieso schon mal gegeben. Und obendrein hält es die Gesellschaft zusammen, wenn hier auch noch etwas produziert wird.

Vielleicht ist das ein bisschen teurer und man kann sich nicht jede Saison neu einkleiden. Jeans für 19,99 EUR sind dann nicht mehr drin. Aber mal ehrlich: Wäre das so schlimm?

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