Wie meine ungeliebte Nähmaschine mir 100 Euro schenkte.

Mein größtes Problem ist Zeitmangel.

Neben einem Fulltime-Job plus täglich zwei Stunden Pendeln bleibt verdammt wenig Zeit für Familie, Freunde, Haus + Garten, Sport, Schreiben und andere Hobbies. Das nervt. Und ich ertappe mich hin und wieder dabei, auch ganz harmlose Ansinnen meiner Mitmenschen als Zumutung zu betrachten.

So kam zum Beispiel am Samstag mein Liebster mit einem 30 cm langen Riss in seiner Arbeits-Cargohose an. Beförderte meine seit Jahren eher ungeliebte Nähmaschine aus dem süßen Dunkel des Vergessens auf den Esstisch. Und äußerte das Begehren, ich möchte doch bitte den Riss reparieren. Eigentlich nichts Dramatisches. Aber in mir bäumte sich schon fast reflexmäßig etwas auf. Was, in meiner knappen Freizeit soll ich auch noch olle Arbeitshosen flicken? Kaufe Dir doch bitte endlich eine anständige Hose aus den Beständen des amerikanischen Militärs. Die sind unkaputtbar.

Nun, das war leider nicht möglich.

Denn der nächstgelegene Army-Shop leistet sich noch wirtschaftswunderliche Öffnungszeiten und schließt samstags um 14 Uhr. Da ich meinen Liebsten ja nicht in dieser zerrissenen Hose sein Bike reparieren lassen konnte – schon gar nicht bei dem nasskalten Wetter – habe ich mir einen Ruck gegeben. Und den Riss zugenäht. Hat kaum fünf Minuten gedauert und war gar nicht schlimm. Fast wollte ich danach die Maschine schon wieder wegpacken, da fiel mir die Tüte mit den Sachen für die Schneiderin ein.

Um mir mittels Outsourcing etwas mehr Freiraum zu verschaffen, drücke ich nämlich alle Reparaturen und Änderungen einer netten russischen Schneiderin in der Kölner Kettengasse aufs Auge.

Vielleicht lag es an Nunus zahlreichen Posts über ihre Nähmaschine. Vielleicht beginne ich auch gerade, so einiges anders zu sehen. Jedenfalls schnappte ich mir die Tüte und beschloss, es selbst zu machen. Draußen regnete es eh Hunde und Katzen. Zwei Stunden später hatte ich eine Hose repariert sowie eine weitere Hose und zwei Röcke gekürzt.

Wow, was war ich zufrieden.

Und dabei habe ich locker 100 EUR gespart. Die Schneiderin ist eigentlich nicht teuer. Aber es summiert sich eben, alles wegzugeben. Da mein Durchschnitts-Nettogehalt leider weit unter 50 EUR/Stunde liegt und ich gerade mal zwei Stunden investieren musste, war Selbermachen eine wirtschaftlich absolut sinnvolle Entscheidung.

Und die Moral von der Geschichte? Auch bequem eingeschliffene Outsourcing-Entscheidungen gelegentlich mal hinterfragen! Die Lösung des (Zeit-)Problems ist sicher nicht, noch mehr zu arbeiten, damit man noch mehr Aufgaben delegieren kann. Wer möchte schon sein Leben outsourcen? Ich jedenfalls nicht.

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6 Antworten zu Wie meine ungeliebte Nähmaschine mir 100 Euro schenkte.

  1. Mini_Cologne schreibt:

    Ich komme deinem Wunsch gern nach und melde mich hier zu Wort 😉

    Meine liebe Mama hat mir vor einem Monat auch ihren verregneten Sonntag geopfert und einen Stapel Kleidung repariert.

    Herrlich, fühlt sich an als hätte ich was neues 😉

    Liebe Grüße
    Mini

    • konsumrebellin schreibt:

      Ich freu mich auch schon drauf, meine „neuen alten“ Sachen auszuführen.

      Es muss nur endlich mal ein bisschen warm werden 😉

      Liebe Grüße
      Jana

      • Mini_Cologne schreibt:

        Warm…. Da sagst du was….

        Aber heute soll es ja selbst im Kölner Raum wärmer werden 😉 nutzt mir persönlich jetzt nix, weil ich lang arbeite ;-(

  2. fraudehnertsallerlei schreibt:

    Auch wenn ich nicht nähen kann und auch keine Nähmaschine besitze, hat mich dein Post sehr berührt. Gerade die letzten beiden Sätze haben bei mir einen Nerv getroffen. Berührend und motivierend, es selbst auch besser zu machen. Sehr schön! 🙂

    • konsumrebellin schreibt:

      Vielen Dank 🙂 Ich war letzten Samstag selber ziemlich erschüttert darüber, wie reflexartig ich mich zuerst gegen die kleine Nähmaschinenaktion gewehrt habe – und wie stolz und zufrieden ich nachher war.

  3. Pingback: SHOPPINGDIÄT: Update #3 | KonsumRebellion

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