Daunenjacken im Hochsommer

Vor kurzem hat Nukimama aus Insidersicht einen launigen Post über den saisonalen Wahnsinn im Modegeschäft geschrieben. Fast können einem Modebranche und Handel ob ihrer Getriebenheit leid tun. Aber nur fast. Denn für den Verbraucher, an dessen Bedürfnissen sich beide ja theoretisch orientieren sollten, ist das Ganze auch extrem ärgerlich.

Es nervt einfach nur, in den Hundstagen bei über 30 Grad Daunenjacken anprobieren zu müssen. Oder im Januar mit käseweißer Haut und Weihnachtsspeck am Bauch in luftige Sommerfetzchen zu steigen. Damit einem die Verkäuferin zum eigentlichen jahreszeitlichen Beginn der Saison nicht mit mitleidiger Miene erklärt, das wäre doch alles längst durch. Wie kann man auch so ein Dussel sein und im Oktober Daunenjacken oder Anfang Mai Sommerkleidchen kaufen wollen?

Meine Hoffnung ist ja, dass die Modebranche noch schneller wird.
Und damit wieder alles in Ordnung kommt.

Wie das? Ganz einfach: Wenn man den Beginn der Sommersaison 2013 auf Anfang November vorziehen würde, könnte man schon im Februar mit dem Sale starten. Anfang März dann flugs Herbst/Winter 2013/2014 in die Läden. Das hätte auch den Vorteil, dass man sich im März im Falle eines langen Winters nochmal ausstatten kann. Im Mai der Herbst/Winter Sale und schon könnte man Ende Mai 2013 pünktlich mit der Sommersaison 2014 starten. Mir persönlich wär’s egal, ob ich die Kollektion aus diesem oder dem nächsten Jahr trage.

Die Sache hat nur einen Haken:

Ob Bedarf, Kaufkraft und Kleiderschränke der Verbraucher vier Kollektionen pro Jahr vertragen, ist doch sehr fraglich. Aber die Branche befindet sich schon auf dem besten Weg. Letztes Jahr flatterte mir doch tatsächlich Ende Oktober eine Einladung zur Eröffnung eines neuen Marc Cain Stores ins Haus, in dem ab Anfang November die ersten Teile der Sommerkollektion 2012 präsentiert wurden.

Aber jetzt mal Spaß beiseite.
Gerade für Leute mit Hang zum Shopping ist diese Entwicklung fatal.

Weil die Sachen der anderen Saison ordentlich weggepackt sind, hat man noch weniger Überblick darüber, was man braucht und was man hat. Im Winter kommt noch etwas dazu: Ich sehne mich spätestens ab Ende Januar nach dem Frühling. Habe richtig Hunger auf Farbe. Stelle mir vor, wie ich die luftige Leinenhose an einem lauen Sommerabend trage. Und kaufe dann Kleidung als Ersatz für Sommer und Sonne. Kleidung, die dann bis zu sechs Monate lang im Schrank liegt, bis ich sie endlich mal tragen kann. Wenn überhaupt.

Im Sommer ist es nicht ganz so schlimm. Sehnsucht nach einem grauen schmuddeligen Novembertag oder einen klirrend kalten Januarmorgen ist doch eher selten. Aber ich habe trotzdem schon mal im Juli bei amtlicher Hitze einen Daunenparka gekauft. Aus Angst, dass er später weg ist. Heute bin ich da cooler. Was daran liegt, dass ich mittlerweile mehrere Daunenparkas meines Lieblingsdesigners Girbaud besitze. Die meisten lustigerweise mitten in der Wintersaison zu einem Bruchteil des Neupreises bei ebay oder im Designer Secondhandshop gekauft.

Also was tun?

Wenn man den Kleiderschrank eh voll hat – was ja auf ziemlich viele zutrifft – kann man dem Wahnsinn eigentlich ganz gelassen begegnen. Einfach abwarten. Den Sommer genießen, solange Sommer ist. Kuschelige Wollpullover kaufen, wenn man den ersten kühlen Hauch des Herbstes spürt. Dann macht es auch wieder Spaß. Außer man hat Shoppingdiät. In diesem Fall befasst man sich mit den kuscheligen Wollpullovern im eigenen Schrank. Macht auch Spaß und kommt billiger.

Wenn tatsächlich mal was ausverkauft ist? So what, wir haben eh mehr als genug. Und falls schon wieder Sale ist, wenn sich jahreszeitlich angemessene Kauflust regt – um so besser. Vielleicht lernen Industrie und Handel ja irgendwann daraus, wenn es nur genug Kunden durchziehen.

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5 Antworten zu Daunenjacken im Hochsommer

  1. fraudehnertsallerlei schreibt:

    Jaaaaa, ich weiß genau, was du meinst! 🙂 Jetzt, wo wirklich überall die neue Herbstkollektion in den Läden hängt, juckt es mich gerade zu in den Fingern, los zu ziehen und Pullover en mass zu kaufen. Ohne zu wissen, ob ich sie wirklich brauche, selbstverständlich. Aber die Herbstfarben sind dieses Jahr so schööööön…und nicht, dass ich mir anhören muss, wer zu spät kommt, verpasst das Beste! 😉

    • konsumrebellin schreibt:

      Ich kann nur empfehlen: Wirf lieber erstmal einen Blick auf Deine Wintersachen. Das kann jede Menge Reue und Zweifel am eigenen Geisteszustand ersparen 😉 Wenn Du dann was kaufst, ist es eher das richtige.

      Und schön cool bleiben. Lass Dich von Verkäuferinnen nicht kirre machen, die so tun, als ob morgen alles ausverkauft wäre. Man kann es auch so sehen: Wer spät kommt (oder kauft), hat den besseren Überblick 😉

      Liebe Grüße!

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