Daunenjacken im Sommer – ein Nachtrag

Modehandel-Bashing ist ja schön und gut.
Und in vieler Hinsicht auch berechtigt.

Aber dieses Blog wäre ein schlechtes Blog, wenn es die Dinge nur einseitig betrachtet. Die  Modebranche ist ja kein bösartiges abstraktes Monster, das uns alle nur aussaugen will. Dort tummeln sich Menschen. Die natürlich Geld verdienen wollen bzw. müssen.Wie wir alle. Die wie wir in den Zwängen eines heiß gelaufenen Wirtschaftssystems gefangen sind.

Die aber auch dafür sorgen, dass wir überhaupt gut angezogen sein können.
Dass es Kleidung gibt, die uns toll aussehen lässt. Und mit der wir uns selbst ausdrücken können.

Deshalb lege ich Euch unbedingt ans Herz, diesen Post einer Insiderin  zu lesen, die darin sehr ausführlich auf meinen gestrigen Daunenjacken-Post geantwortet hat.

Natürlich läuft bei dieser ganzen Modekiste so einiges aus dem Ruder. Auf Anbieter- und  auf Konsumentenseite. Deshalb lesen und schreiben wir ja alle diese schönen Blogs.

Aber manchmal tut zur Erdung eine kleine Zeitreise gut.

Wären mir diese Blogs, mein eigener eingeschlossen, vor 23 Jahren oder früher über den Weg gelaufen, hätte ich nur eins gedacht:

Mädels, Eure Probleme möchte ich mal haben. Überangebot. Ständig neue verlockende Sachen in den Läden. Daunenjacken im Sommer. Alle Nase lang ein Sale … Das sind ja echt schlimme Zustände. Da bin ich aber  froh, dass ich in der Mangelwirtschaft der DDR lebe, wo die Läden durch Leere oder ein Angebot zum Weglaufen glänzen. Wo es auch im Winter oder sonstwann keine schicken Daunenjacken gibt. Keine Verlockung. Kein Kaufreiz weit und breit.

Oh. Jetzt bin ich echt schockiert. 23 Jahre. Ist das echt schon so lange her? Für manche von Euch wird sich das lesen wie in grauer Vorzeit.

Aber macht nix. Die Message ist für Twentysomethings genauso gültig:

Ich will die Schattenseiten unserer Konsumgesellschaft nicht wegreden. Ressourcenverschwendung, Kaufsucht, Überschuldung, ausgebrannte Menschen – das sind alles ernste Probleme.

Trotzdem:  Grundsätzlich sollten wir froh sein, dass wir diese Fülle haben.

Wir müssen nur lernen, damit vernunftbegabt umzugehen und nicht alles haben zu müssen, was uns vor die Flinte läuft. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das nicht so einfach ist. Aber allemal angenehmer als in der grauen ausgedörrten Handelswüste einer Mangelwirtschaft um ein passables Aussehen zu kämpfen 😉

Also morgen lieber raus an die Sonne als rein in den Shop. Ich wünsche Euch ein wunderschönes Wochenende.

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5 Antworten zu Daunenjacken im Sommer – ein Nachtrag

  1. fraudehnertsallerlei schreibt:

    Schön. Einfach nur schön! 🙂 Am besten gefällt mir: „Wir müssen nur lernen, damit vernunftbegabt umzugehen und nicht alles haben zu müssen, was uns vor die Flinte läuft.“ Meine neue Einkaufsphilosophie, neu in Worte gekleidet! 🙂
    Liebe Grüße!

    • konsumrebellin schreibt:

      Danke für die Blumen 🙂

      Liebe Grüße und nochmal ganz persönlich: ein schönes, sonniges Wochenende.

      • fraudehnertsallerlei schreibt:

        Dankeschön! 🙂 Du scheinst mehr Sonne zu haben als ich, schick sie doch mal vorbei, wenn du sie siehst! 😉 Dir auch ein ganz, ganz tolles und sonniges Wochenende! 🙂 Liebe Grüße!

  2. nukimama schreibt:

    Liebe Konsumrebellin,
    Danke erstmal natürlich für’s Verlinken – und danke aber auch für Deine klare, rationale Ansicht der Dinge, das finde ich an all Deinen Beiträgen sensationell und immer hochinteressant zu lesen.

    Du hast vollkommen recht – bei all dem, was wir alle so gerne kritisieren, egal, ob es jetzt Daunenjacken, genmanipulierte Lebensmittel oder was auch immer sind, bei all dem müssen wir uns immer selbst bei der Nase nehmen. Letztendlich bedeutet Handel immer, den Menschen etwas anzubieten, was sie haben wollen. Ja, natürlich versucht der gewiefte Händler, den Konsumenten mit mehr oder weniger hinterlistigen Tricks zur Kaufentscheidung zu bringen, vielleicht manchmal auch mit unlauteren Mitteln. Aber letztendlich entscheidet der Konsument aus freien Stücken, wofür er jetzt sein Geld ausgibt. Und bei vielen dieser Kaufentscheidung würde allein der aktive Gebrauch der grauen Masse zwischen den Ohren reichen, unseren weniger bevorzugt geborenen Welt-Mitbürger, unsere Umwelt und letztendlich uns selbst weniger Schaden zuzufügen.

    Mir gefällt sehr gut, dass Du uns auch auf den Boden der Realität zurückholst: wir alle haben echten Mangel nie erlebt, in der „westlichen Welt“ sind wir seit mehreren Jahrzehnten von staatlich gesteuerter Mangelwirtschaft verschont geblieben, wir mussten keinen Krieg überleben und ich gehe davon aus, dass die Mehrheit der Leserschaft von Auszeit-Blogs sich tendenziell eher am eigenen Überfluss sattgefressen hat und nicht zu jenen gehört, die nicht wissen, wie sie die nächste Miete bezahlen sollen. Armut ist nämlich näher an uns dran, als wir alle oft glauben.

    Das sollte uns alle wirklich ganz demütig werden lassen….

    Genießen wir wirklich dieses Wochenende und freuen wir uns, dass es uns so gut geht!
    Viele liebe Grüße

    • konsumrebellin schreibt:

      Lieben Dank – und Deine Komplimente kann ich quasi 1:1 an Dich zurückgeben. Jetzt, wo ich Dein Blog endlich gefunden habe 😉

      Ich wünsche Dir ebenfalls, dass Du ein schönes, sonniges Wochenende genießen kannst.

      Herzliche Grüße

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