Prioritäten

Shoppingdiät. Konsumverzicht.

Eigentlich mag ich diese Worte nicht. Sie klingen nach Askese und Freudlosigkeit. Und suggerieren, dass ungezügelter Konsum keinen Verzicht bedeutet. Aber das stimmt nicht. Mit jeder Entscheidung für etwas verzichten wir automatisch auf etwas anderes – ob uns das nun bewusst ist oder nicht.

Ihr könnt Euch natürlich dafür entscheiden, hemmungslos Eurem Appetit zu frönen und jeden Tag Schokolade, Kuchen, Torte bis zum Abwinken zu essen. Kein Maßhalten, keine Einschränkungen an der Essensfront. Damit verzichtet Ihr aber gleichzeitig auf eine schlanke Figur und körperliche Fitness. Es sei denn, Ihr habt einen sehr wundersamen Stoffwechsel.

Kauft Ihr jedes Kleidungsstück, das Euch gerade gefällt, verzichtet Ihr damit zwangsläufig auch auf vieles: Auf Lebenszeit, Energie und vielleicht sogar Gesundheit, die Ihr einsetzen müsst, um all das Geld zu verdienen. Auf die Freizeit, die Ihr braucht, um zu shoppen. Um das ganze Zeug in Ordnung zu halten und am Ende wieder zu entsorgen.

Ihr verzichtet auf Ersparnisse, die eine gewisse Sicherheit bieten. Oder neue Möglichkeiten eröffnen könnten, z.B. als Startkapital für eine Selbstständigkeit oder für die Finanzierung einer Ausbildung.

Ihr verzichtet auf Erlebnisse wie z.B. Reisen, die Ihr Euch wegen Eurer Shoppingorgien nicht mehr leisten könnt. Oder auf andere größere Anschaffungen. Oder auf eine harmonische Beziehung, weil Eure Shoppingsucht zu Streit mit Eurem Partner führt. Oder, oder, oder … die Liste ließe sich ewig fortsetzen.

Es ist nur eine Frage der Prioritäten.

Verzichte ich auf Konsum, gewinne ich dafür etwas anderes: Geld, das ich sparen kann oder gar nicht erst verdienen muß . Zeit. Platz. Freiheit. Ein gutes Gefühl. Einen klaren Kopf. Mehr Kreativität, weil mein Geist nicht permanent mit Shoppingentscheidungen befasst ist.

Eines ist klar: Solange man shoppt wie Teufel, bleibt man auf ewig im Hamsterrad hängen und verzichtet letztlich für Konsum … auf das wahre Leben.

Das Tragische ist, dass viele diese Entscheidung gar nicht bewusst fällen. Sie tun es aus Gewohnheit, weil andere es machen oder weil sie süchtig sind.

Dabei haben wir alle die Wahl.

Wir müssen nur wissen, was uns eigentlich wichtig ist im Leben. Und uns dann bewusst entscheiden. Dann heißt Shoppingdiät zum Beispiel nicht Verzicht. Man entscheidet sich nur für andere Dinge, die wichtiger sind als Klamöttchen-Shoppen – eine Option, die sowieso die Lebensqualität nicht steigert, wenn man bereits mehr als genug zum Anziehen hat.

Alles schön und gut.
Aber würde mehr Geld diese Probleme nicht viel besser lösen?

Dann müsste man keine Shoppingdiät machen. Man könnte sich alles auf einmal leisten: die tollsten Kleider, Reisen, eine schicke Wohnung und dabei auch noch Vermögen aufbauen. Wäre es also nicht viel schlauer, auf mehr Einkommen hinzuarbeiten als eine Shoppingdiät zu machen?

Eine berechtigte Frage. Deren Beantwortung diesen Post allerdings sprengen würde. Deshalb kommt sie morgen dran.

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4 Antworten zu Prioritäten

  1. Mausflaus schreibt:

    toller post!
    ich würde die frage übrigens mit nein beantworten. denn man kann gar nicht genug geld haben. es gibt immer noch was was man haben will… und sobald man mehr gelt hat, steigen die ansprüche und „bedürfnisse“. dann geht es nicht mehr um n eigenes auto, sondern um n eigenes cabrio.
    mal abgesehen davon, dass mehr einkommen meistens auch mehr zeit bedeutet, d.h. man hat weniger zeit das geld auszugeben und spaß an den dingen zu haben, die man sich kaufen kann…. bringt also auch nix.

  2. fraudehnertsallerlei schreibt:

    Deine letzten drei Posts waren echt klasse, sodass ich mich tatsächlich für eine Mini-Shopping-Diät entschlossen hab. Am 01.09. geht´s los, bis zu meinem Geburtstag Ende Oktober. Und ich habe schon jede Menge Ideen, was ich mit dem gesparten Geld anfange, weil es da noch jede Menge DIY-Ideen gibt, die ich bisher noch nicht verwirklichen konnte, weil das Geld immer in Schuhe & Co. geflossen ist… 🙂 Danke für deine tollen Posts! 🙂

    • konsumrebellin schreibt:

      Vielen Dank Dir auch. Ich freue mich wirklich sehr über Deine Feedbacks … und natürlich auch darüber, dass mein Geblogge etwas bewirkt.

      Für Deine Shoppingdiät wünsche ich Dir schon mal maximalen Erfolg. Und versprochen: wenn ich meine ganzen theoretisch-philosophischen Gedanken zum Thema Shoppingdiät losgeworden bin, gibt es auch rechtzeitig noch praktische Tipps 😉

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