Lieber mehr Geld als weniger shoppen?

Gestern hatte ich die Frage aufgeworfen, ob wir uns Shoppingdiäten und andere Formen des Konsumverzichts nicht glatt sparen könnten, wenn wir nur mehr Geld hätten.

Sicher, Geld ist nicht der einzige Grund für eine Shoppingdiät. Da gibt es auch noch Ethik, Moral, Ökologie, Platz, Zeit, Zeug, das nervt oder die Einsicht, dass es so nicht weitergeht. Aber machen wir uns nichts vor. Geld spielt eine Rolle. Sogar eine ziemlich große. Viele kommen überhaupt erst zum Thema Shoppingdiät, weil sie finanziell nicht mehr so weitermachen können oder wollen.

Ich habe überhaupt nichts gegen Geld. Es ist eine tolle Sache, die viele Möglichkeiten eröffnet. Und mehr Geld zu haben, ist grundsätzlich schon positiv. Trotzdem behaupte ich, dass mehr Geld einen bewussten, gemäßigten Konsum (oder eben eine Shoppingdiät als Weg dorthin) nicht ersetzen kann.

Mehr Geld ist für Leute mit Hang zum exzessiven Shopping ganz sicher nicht die Lösung. Aus drei wichtigen Gründen. Der erste davon ist:

Erstens braucht Ihr nicht nur ein bisschen, sondern viel MEHR Geld.
Und ist es unwahrscheinlich, dass Ihr so viel MEHR Geld je bekommt.

Ich kenne die Situation aus eigener Erfahrung. Man beginnt irgendwann zu arbeiten und sieht sein Einstiegsgehalt als das, was es ist: Ein Einstieg. Also leistet man sich endlich mal etwas. Sparen und ähnliches, damit beginnt man später. Wenn man mal mehr verdient. Dann kommen die ersten Gehaltserhöhungen. Aber auch die sind ja nur ein Anfang. Der schnell von gestiegenen Ansprüchen aufgefressen wird. Der ernsthafte Umgang mit Geld kommt später. Wenn dann auch mal echt was übrig bleibt. Wenn man dann mal richtig verdient …

Um hier die Perspektive gerade zu rücken, hilft Reality Check #1:

Das Durchschnittsgehalt aller steuerpflichtigen Angestellten in Deutschland beträgt laut FAZ etwa 33.000 Euro (Brutto). Nehmen wir an, Ihr liegt genau im Durchschnitt und bekommt eine schon beachtliche Gehaltserhöhung von 10%. Macht 3.300 EUR im Jahr, also 275 EUR pro Monat. Wovon schätzungsweise 50% netto auf Eurem Konto landen. Macht also etwa 140 EUR pro Monat mehr. Das ist nett, aber nicht das Geld, von dem plötzlich alles geht.

Nur 25% der Steuerpflichtigen beziehen ein Einkommen, das über dem Durchschnitt liegt. Und auch hier tun sich keine Zeichen und Wunder. Kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Klar ist mehr drin. Aber es ist bei entsprechenden Shoppinggewohnheiten genauso schnell wieder draußen. Und da reden wir jetzt nicht über wirklich teure Dinge wie neue Autos, Immobilien, Luxusreisen o.ä.

Wer in Deutschland mehr als 126.000 EUR im Jahr verdient, gehört zur Oberschicht. Die definiert sich als das oberste Prozent der Einkommenspyramide. Und wer glaubt, das wäre es dann jetzt, den muss ich leider auch enttäuschen.

Auch Leute, deren Einkommen sich um diesen Grenzbetrag herum bewegt, können sich längst nicht alles leisten und müssen sich noch überlegen, wofür sie ihr Geld ausgeben. Dafür bekommen sie die Kohle auch nicht geschenkt, arbeiten häufig 60, 70 Stunden die Woche und stehen unter enornem Druck. Ich kenne genug von diesen Leuten persönlich, um zu wissen: Mit denen möchte ich nicht tauschen. Dann verdiene ich lieber erheblich weniger Geld.

Leute, die wirklich am Existenzminimum verdienen, sind mir jetzt wahrscheinlich böse. Aber mir geht es nicht um Mitleid mit Leuten, die „nur“ 126.000 EUR verdienen und dafür auch noch arbeiten müssen.

Es geht um Folgendes:

Hört auf zu träumen.

Lasst Euch die Zahlen nochmal auf der Zunge zergehen: Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr deutlich mehr als 100.000 EUR verdient, liegt bei unter 1%. Und auch da ist noch kein grenzenloses Shopping drin.

Realistisch gesehen, werden die meisten von uns (nämlich mehr als 99%) niemals so viel verdienen, dass man einfach drauflos shoppen kann. Also ist es auch sinnlos, auf die nächste Gehaltserhöhung zu hoffen. Denn die wird’s auch nicht richten. Fangt lieber heute damit an, mit dem was Ihr habt, vernünftig umzugehen.

Wie Ihr seht, ist das Thema Geld umfangreich. Die Gründe 2 + 3 beleuchte ich deshalb in den nächsten Posts. Inzwischen wünsche ich viel Spaß beim Rechnen 😉

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Eine Antwort zu Lieber mehr Geld als weniger shoppen?

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