Shoppingdiät Update #5: Erbsenzählerei

Heute gibt es keine großen Gefühle. Keine philosophischen Betrachtungen. Keine Thunderbirds und keine ergreifenden Geschichten von Managerinnen mit Burnout. Es wird nüchtern. Fast schwäbisch-hausfräulich. Aber sehr nützlich.

Mir geht es nämlich immer noch blendend. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen meiner Shoppingdiät. Und manch einer von Euch fragt sich wahrscheinlich inzwischen: Wie kann das sein? Wie kann man einfach so aufhören zu shoppen und dann nicht mal Entzugserscheinungen haben?

Ich denke, ich war einfach reif dafür. Dazu haben natürlich die Erkenntnisse beigetragen, die ich in meinen letzten Posts beschrieben habe. Aber ganz sicher ist auch konsequente Erbsenzählerei daran schuld.

Eigentlich habe ich keine ausgeprägten Controller-Gene. Ich bin eher fürs Kreative und Sinnliche. Deshalb ist mir das Ganze ein wenig peinlich. Aber weil es sich als so nützlich herausgestellt hat, werde ich mein kleines Nerd-Geheimnis mit Euch teilen.

Irgendwann, genauer gesagt vor zwei Jahren, wollte ich es genau wissen. Dass ich zu viel Geld für Kleidung, Schuhe und Accessoires ausgebe, war mir schon lange klar. Ebenso klar war, dass es weniger werden musste.

Aber ZU VIEL und WENIGER sind furchtbar schwammige Begriffe. Sie sind relativ. Nicht greifbar. Knallen nicht ins Gehirn. Alarmieren nicht. Taugen nicht, um Ziele zu setzen. Und Erfolge zu messen.

„Ach, ich habe dieses Jahr schon wieder zu viel Geld für Klamotten ausgegeben. Das muss nächstes Jahr unbedingt weniger werden.“

ist doch echt lahm gegen

”Oh, Shit. Satte 8.000 Euro sind in diesem Jahr für Klamotten draufgegangen! Nächstes Jahr will ich maximal die Hälfte ausgeben.“

Und wenn Ihr dann Ende März des nächsten Jahres feststellt, dass die 4.000 Euro schon rausgeballert sind, ist dringender Handlungsbedarf geboten. Und vermutlich gibt Euch das einen wirkungsvolleren Tritt in den Hintern, als wenn Ihr im Trüben eines vagen ZU VIEL fischt.

Oder wisst Ihr etwa ganz genau, wie viel Ihr im Jahr so für Mode ausgebt?

Ich wollte also konkrete Zahlen. Jeden Tag sehen können, wo ich stehe. Deshalb habe ich vor zwei Jahren begonnen, ALLE meine Einkäufe an Kleidung, Schuhen und Accessoires fein säuberlich in einer Excel-Tabelle zu erfassen. Ganz ohne Schummelei und sehr konsequent. Auch wenn mir nach einem Kaufrausch gerade ein wenig übel zumute war.

Erst einmal passierten natürlich keine Sensationen. Aber ich wusste, wo ich stand. Und nach einem Jahr wusste ich erstmals, was ich in diesem Jahr ausgegeben hatte. Der Schockeffekt war ausdrücklich erwünscht. Denn er ist Veränderungen sehr förderlich.

Natürlich kann man die Summen auch andersrum betrachten: Stellt Euch vor, wie sich diese Summe auf Eurem Konto machen würde. Oder was Ihr Euch damit sonst hättet leisten können! So ganz nebenbei lernt man auch, dass man vielleicht gar nicht so wenig verdient. Sondern nur zu viel ausgegeben hat.

Man kann auch eine Kopie der Datei machen und einfach mal alle Teile rauslöschen, die man aus heutiger Sicht nicht wieder kaufen würde. Auch das ist höchst aufschlussreich. Und beginnt irgendwann auch in der Umkleidekabine zu wirken.

Aber ich wollte nicht nur wissen, wie viel ich ausgegeben habe. Sondern auch, was ich eigentlich davon hatte. Zumindest, soweit man das quantifizieren kann. Also habe ich neben Datum, Bezeichnung des Teils und Preis noch zwei weitere Spalten angelegt.

Aber das sprengt nun schon wieder den Rahmen eines handlichen Posts. Also, falls Ihr von der ganzen Zahlenzauberei nicht schon genug habt, geht es im nächsten Post weiter.

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8 Antworten zu Shoppingdiät Update #5: Erbsenzählerei

  1. nukimama schreibt:

    Was für ein großartiger Cliffhanger – jetzt zappeln wir und warten auf die Fortsetzung 🙂

    Großes Kompliment für die konsequente Buchhaltung. Ich hab nie mitgeschrieben (war sicher auch zum Teil Verdrängung) aber es waren sicher mindestens 150,- bis 200,- die ich pro Monat ausgegeben habe, in manchen Monaten auch mehr. Übrig bleibt das Geld bislang auch jetzt nicht wirklich, aber das was ich früher weggeshoppt habe, ist in den letzten Monaten gezielt in Kunstkurse und -Ausrüstung gewandert, was mich deutlich mehr mit Glück und Zufriedenheit erfüllt, als der 33. Nagellack oder das 127. Shirt…

    Ich bin schon sehr gespannt auf Deine zweite Spalte, denn ich hab da so einen Verdacht… 😉

  2. fraudehnertsallerlei schreibt:

    Genau so wollte ich es eigentlich auch mal machen, aber irgendwann ist mir vor lauter schlechtem Gewissen so dermaßen schlecht geworden, dass ich es wieder aufgegeben habe. Erst heute besitze ich die Reife, die richtige Konsequenz drauß zu ziehen… 😉

  3. Mausflaus schreibt:

    vielleicht ist bloggen ja dein neues shoppen 😉

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