Shoppingdiät Update #6: Erbsenzählerei, die Zweite

Wie gesagt: Ich wollte auch wissen, was mir all die Ausgaben bringen.

Wie häufig ich die Sachen anziehe, die ich oft gegen jede Vernunft gekauft habe. Weil ich glaubte, dass sie der ultimative unverzichtbare Kick für meine Garderobe wären.

Deshalb bekam meine Excel-Tabelle neben Kaufdatum, „Artikelbezeichnung“ und Preis zwei weitere Spalten: die Anzahl, wie häufig ich ein Teil getragen habe und die „Costs per Wear“ (CPW). Entschuldigt bitte den Anglizismus, aber alle mir bekannten deutschen Übersetzungen klingen einfach nur gruselig.

Die CPW errechnen sich aus Kaufpreis durch Anzahl des Tragens. Sie sagen aus, wie viel uns das Tragen eines Teils im Durchschnitt kostet. Hört sich trocken an. Ist aber hochinteressant. Denn die CPW zeigen, wie teuer ein Kleidungsstück tatsächlich ist.

Kleines Beispiel aus der aktuellen Winterkollektion gefällig?

Euch lachen ein paar todschicke hohe Plateaustiefeletten an. Wahnsinnig bequem sind sie nicht. Aber sie sehen umwerfend sexy aus und sind mit 129 Euro auch nicht teuer. Meint Ihr. Denn das erste Mal tragen macht so wenig Spaß, dass es das letzte Mal war. Costs per Wear: 129 Euro. Wenn Ihr mich fragt: verdammt teuer!

Alternative: ein Paar flache kniehohe Stiefel, die sowohl zur Hose als auch zum Rock gut aussehen. Schön, aber bequem. Aus tollem Leder. In einer Farbe, die perfekt zu Eurer Garderobe passt. Kaufpreis 300 Euro. Zu teuer? Rechnen wir mal nach. Die „Stiefelsaison“ hat locker 30 Wochen. Wenn Ihr die Stiefel nur zweimal pro Woche tragt, kommt Ihr am Ende auf einen CPW von nur 5,00 Euro. Nach nur einer Saison. Und gute Stiefel halten deutlich länger.

Schön, dann ist ja alles klar.

Man kaufe also nur hochwertige Sachen, deren Design und Verarbeitungsqualität so gut sind, dass man sie oft und lange tragen kann. Das war auch meine Devise – und ich musste mich zumindest teilweise eines Besseren belehren lassen.

Sobald aus dem Credo „Klasse statt Masse“ eher „Klasse in Massen“ wird, funktioniert es nicht mehr. Dann könnt Ihr noch so tolle Sachen gekauft haben. Sofern Ihr nicht zehnmal täglich das Outfit wechselt, kommt Ihr nämlich schlicht nicht dazu, all die schönen Teile zu tragen. Und die CPW bleiben viel zu hoch.

Genauso ging es mir. Und mit den knallharten Zahlen in meinem Excel-Sheet kann ich mir da auch nichts mehr vormachen. Ich habe eine viel genauere Vorstellung davon, wofür es sich lohnt, viel Geld zu investieren und wofür man lieber weniger ausgibt. Wenn man überhaupt etwas ausgibt. Was bei mir auf absehbare Zeit definitiv nicht angesagt ist – nicht nur wegen meiner Shoppingdiät. Die meisten Teile sind ja durchaus schön. Ich habe nur zu viele.

Glaubt mir, es macht einen echten Unterschied, ob Euch solche Gedanken gelegentlich mal durch den Kopf schießen oder ob Ihr täglich konkrete Zahlen zu konkreten Teilen vor Augen habt. Da setzt selbst beim hartnäckigsten Shopaholic ein Lernprozess ein – und eine ganz neue Sicht auf die Dinge. Das Bewusstsein, dass man wirklich mehr als genug hat, dringt irgendwann auch in die letzten Gehirnwindungen ein.

Dann kann man auch ganz easy eine Shoppingdiät durchziehen. Ohne Leiden und Entzugserscheinungen. Und sollten gelegentlich mal Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieser Aktion auftauchen, reicht ein Blick in die Tabelle.

Aber das macht doch alles irre viel Arbeit, oder?

Ich kann Euch beruhigen: Macht es nicht. Das Anlegen des Excel-Sheets dauert keine fünf Minuten. Wie viel Zeit Ihr für das Eintragen Eurer Einkäufe benötigt, hängt ganz von Eurer Shoppinglust ab. Aber selbst die schlimmsten Shopaholics werden ja nicht täglich 20 Teile kaufen.

Dann müsst Ihr nur noch die Tragehäufigkeit eins hochsetzen, wenn Ihr ein Teil getragen habt. Das ist in ein, zwei Minuten erledigt. Es erfordert eher Disziplin als Zeit. Meine Datei ist auf einem USB-Stick gespeichert, den ich immer dabei habe. So kann ich ihn in jeden Rechner stöpseln, schnell meine Updates machen und wieder rausziehen.

Auch wenn der Gedanke an eine Shoppingdiät für Euch noch der blanke Horror ist: Dieser kleine Controlling-Akt ist ein guter erster Schritt, der nachhaltig wirkt. Ihr müsst nichts ändern. Auf nichts verzichten. Nur diese Liste führen. Und natürlich regelmäßig diesen Blog lesen 😉

Es wird wirken. Da bin ich sicher.

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15 Antworten zu Shoppingdiät Update #6: Erbsenzählerei, die Zweite

  1. Mausflaus schreibt:

    was den CPW-Faktor angeht schneiden Tattoos glaub ich unglaublich gut ab ^^

  2. nukimama schreibt:

    Was für ein geniales Konzept. Das werd ich in Zukunft auch machen, gleich mit Foto, dann sehe ich auf einen Blick, dass ich (auch nach Ablauf der Auszeit) keine fünfte beige Hose brauche. Das Beispiel mit den Schuhen kann ich sofort unterschreiben, habe dazu mehrere Beispiele im Schrank. Diese Rechnung führt dazu, dass in Wahrheit meine Tod’s-Ballerina um ehedem wohlfeile (sarkastisch gemeint) € 298.- zu meinen günstigsten Schuhen gehören, weil ich sie seit drei Jahren in der warmen Jahreszeit mindestens ein- bis zweimal pro Woche anhab.

  3. fraudehnertsallerlei schreibt:

    Das CPW ist echt unschlagbar! Das kannte ich noch nicht und find es echt faszinierend! Ich glaube, DAS werde ich tatsächlich einführen! 🙂

    • konsumrebellin schreibt:

      Kann ich nur unbedingt empfehlen. Fühlt sich anfangs manchmal ein bisschen manisch an, ist aber unglaublich hilfreich. Also gleich anfangen – und vor allem dranbleiben!

      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende 🙂

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  8. Evelyn schreibt:

    Ohje, wie bekannt mir das alles doch vorkommt… Klasse in Massen… Jaja… ^^
    Ich trage Übergröße, finde die Zelte bei Ulla & Co fürchterlich, bin aber happy, dass ich vor einigen Jahren ein paar ganz tolle Designer für XXL-Damen entdeckt habe. Klar, das kostet alles das dreifache wie anderswo, doch wenigstens machen die Sachen Spaß und sehen toll aus. Nur – wann soll frau das alles anziehen?! Noch dazu mit Home-Office-Job?? Ja, man sollte irgendwann schlau werden. Ich habs mir für dieses Jahr feste vorgenommen. Und solche Seiten wie Deine, mit den tollen Tipps, dies helfen echt! 🙂

    Bis bald wieder. 😉

    Evelyn

    • konsumrebellin schreibt:

      Danke, ich freue mich riesig, wenn dir meine Tipps was bringen 🙂

      Einen Vorteil hat das „Klasse in Massen“ ja zumindest gehabt: Ich denke, dass meine große 1-Jahres-Shoppingdiät auch deshalb so weitestgehend schmerzfrei war, weil ich genug gute Sachen im Schrank habe. Mit Betonung auf GENUG 😉

      Liebe Grüße
      Jana

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  10. Franka schreibt:

    Auf diesen älteren Artikel wurde ich gerade aufmerksam gemacht … ein Ansatzpunkt, den ich noch gar nicht bedacht hatte. Sehr einleuchtend.

  11. Nice schreibt:

    Cost per wear! Hört sich erstmal schön, aber zu schön. Die Idee dahinter ist gut, nur die heransgehensweiße ist etwa übercandiert.

    Kleines Rechenbeispiel:
    Ein Artikel für 20 Euro zweimal getragen. Ergäben laut deiner Rechnung einen CPW von 10 Euro.
    Ein Artikel für 200 Euro zweimal getragen. Ergäben laut deiner Rechnung eine CPW von 100 Euro.

    Wow 100 Euro weniger klingt toll, trotzdem der Artikel, für 20 Euro hat einen besseren CPW-Wert somit also wesentlich günstiger.

    Ich hoffe du verstehst worauf ich hinaus will. Die Idee ist nicht schlecht, nur die Rechnung beschönigt sehr.
    Bessere Rechnung wäre:

    20 Euro Artikel 20 mal getragen CPW = 20Euro – 20 Euro = 0 Euro
    deine CPW = 200Euro/ 20 = 1 Euro (19 Euro Ersparnis)

    200 Euro Artikel 20 mal getragen CPW = 200Euro – 20 Euro = 180 Euro
    dein CPW = 200Euro/ 20 = 10 Euro (190 Euro Ersparnis)

    190 Euro Ersparnis obwohl der Artikel genauso oft getragen wurden, wie der günstige ist sehr unrealistisch. Hingegen wurde bei meiner (Vorschlags-) Rechnung bei beiden Artikel 20 Euro gespart (abgenutzt), was realistisch ist, da beide Artikel gleich oft genutzt wurden.

    Meine Rechnung ist vielleicht auch nicht so Ideal, vielleicht hat jemand noch eine bessere Idee?

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