Shoppingdiät Update #9: Ersatzdrogen?

Warum bei einer Shoppingdiät Elefanten so wichtig sind, habe ich in meinem letzten Post erläutert.

Aber was tun, wenn die grünen Elefanten sich nicht so schnell zeigen? Wenn am Anfang der Shoppingdiät der Drang übermächtig wird, in einem Geschäft herumzustöbern? Oder Ihr meistens in der Mittagspause geshoppt habt, um den Kopf frei zu bekommen?

Darf man sich in der ersten Zeit mit „Ersatzdrogen“ helfen?
Und wenn ja, was kann das sein?

Zur ersten Frage: Ich weiß. Das riecht ein bisschen nach Methadon. Nach Hintertürchen und Eintauschen eines Suchtobjekts gegen ein anderes. Schließlich geht es ja generell um weniger shoppen. Und Nicht-Shoppen bei Kleidung, Schuhen und Accessoires sollte man nicht kompensieren, indem man genauso exzessiv etwas anderes shoppt.

Trotzdem denke ich, es ist besser, sich mit „Ersatzdrogen“ über eine gewisse Zeit zu helfen, als die gesamte Shoppingdiät dranzugeben. Man muss sie nur gut auswählen. Und das Ganze mit konsequenter Prokrastination verbinden. Dann wirken die „Ersatzdrogen“ wie langsames Runterschalten. Und es geht sehr schnell ohne.

Um Eure „Ersatzdroge“ richtig auszuwählen, müsst Ihr Euch einer Eigenheit des Modebusiness bewusst sein: Das Angebot wird bewusst verknappt und zeitlich limitiert, um Kaufdruck zu erzeugen. Ich selbst habe bei vielen Teilen auch deshalb zugeschlagen, weil ich Angst hatte, dass sie später nicht mehr verfügbar sind. Nimm’s jetzt oder gar nicht. Und viele Verkäuferinnen tun natürlich alles, um diese Angst zu schüren.

Das darf bei „Ersatzdrogen“ nicht der Fall sein, sonst findet Ihr Euch schnell in derselben Falle wieder wie beim Klamottenshopping. Ideal sind Bücher. Das Angebot ist relativ konstant. Wenn Ihr ein Buch heute nicht kauft, könnt Ihr ziemlich sicher sein, dass es morgen, nächste Woche oder zu Weihnachten immer noch verfügbar ist. Ähnlich gut sind zum Beispiel Kochwerkzeug, Geschirr, DIY-Material, Malutensilien oder ähnliches. Auch Kosmetika – natürlich außer Limited Editions – sind geeignet. Aber passt auf, dass Ihr nicht in der „Dreifelderwirtschaft“ à la Becky Bloomwood, der Schnäppchenjägerin, landet.

Der Witz ist nämlich, sich einfach den Spaß zu gönnen, durch einen Laden zu schlendern. Zu schauen. Und in der Regel wieder rauszugehen. Auch wenn Ihr etwas Nettes seht, den Kauf erst einmal aufzuschieben. Aufschieben, also Prokrastination, ist normalerweise nicht erstrebenswert. Beim Shopping-Cool-Down jedoch ist es äußerst hilfreich. Ihr habt etwas worauf Ihr Euch freuen könnt. Weil Ihr nicht gleich kauft, dauert die Vorfreude viel länger. Sehr häufig kühlt sich auch die Leidenschaft für das Objekt der Begierde mit etwas Zeit von ganz alleine ab. Und Ihr denkt gar nicht mehr ans Kaufen.

Die Methode der Prokrastination funktioniert auch hervorragend, wenn Ihr keine Shoppingdiät macht, aber trotzdem weniger Kleidung kaufen wollt. Dann müsst Ihr natürlich mit der Möglichkeit klarkommen, dass ein Teil tatsächlich weggekauft wird. Aber auch das ist eine heilsame Erfahrung. Entgegen der ursprünglichen Erwartung bricht die Welt nicht zusammen und man hat das „verpasste“ Stück meist schnell vergessen. Wenn Ihr zu nervös seid, lasst Ihr Euch das begehrte Teil halt zurückhängen. Aber bitte nur bei echtem Interesse – aus Respekt vor dem Verkaufspersonal und damit dieser Service nicht irgendwann abgeschafft wird.

Wenn Ihr eine Kleider-Shoppingdiät macht, solltet Ihr der Höhle des Löwen aber lieber fernbleiben. Da fahrt Ihr eindeutig besser mit der Methode „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“ – und weicht bei akutem Shoppingbedarf auf Ersatzdrogen plus Aufschiebetechnik aus.

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4 Antworten zu Shoppingdiät Update #9: Ersatzdrogen?

  1. Mausflaus schreibt:

    ist ein bisschen wie ein Besuch im Museum. Da guckt man sich ja auch einfach nur die Bilder an ohne eins mitzunehmen 🙂

  2. Pingback: Herbstliche Crumbles | KonsumRebellion

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