Vilfredo P. und noch mehr Erbsen

Ihr habt den ersten Schritt erledigt und Euer Kleiderschrank ist immer noch ziemlich voll? 

Keine Panik. Das ist normal. Das erste grobe Aussortieren ist recht einfach. Schwieriger wird es bei Teilen, die doch eigentlich passen. Die eigentlich ganz nett sind. Bei denen die Entscheidung nicht so klar auf der Hand liegt.

Eure Garderobe auf das Wesentliche zu reduzieren, ist kein Schnellschuss-Job für einen Nachmittag. Es ist ein Prozess. Aber was ist das Wesentliche? Ich verstehe darunter eine überschaubare Auswahl an Teilen, die für Euch hier und jetzt wirklich perfekt sind. Die ihr deshalb oft und gerne tragt. Und die Ihr vermissen würdet, wenn sie nicht mehr da wären.

Es gibt verschiedene Wege, diese wesentlichen Teile herauszufiltern. Einer hat wieder mal was mit Erbsenzählen zu tun. In zweierlei Hinsicht.

Ihr ahnt es schon: Hier kommt die Excel-Tabelle aus dem letzten Post ins Spiel. Als ich vor zwei Jahren begonnen habe, meine Neuerwerbungen zu erfassen, bestand meine Garderobe logischerweise vor allem aus Nicht-Neuem. Und natürlich wollte ich auch dort wissen: Was tummelt sich eigentlich alles in Deinem Schrank? Wie nutzt Du diese Sachen? Was ist top und was kann weg? Um es ganz genau zu sagen: Ich war fasziniert davon, ein Experiment mit dem Pareto-Prinzip zu machen. Und damit das Wesentliche herauszufiltern.

Die meisten von Euch werden dieses Prinzip kennen. Vielleicht nicht als Pareto-Prinizp, aber sicher als 80/20-Verteilung. Wie die Legende berichtet, hat der italienische Ökonom Vilfredo Pareto dieses Prinzip tatsächlich beim Erbsenzählen in seinem Garten entdeckt. Ihm fiel auf, dass 20 Prozent der Erbsenpflanzen für 80 Prozent des Ertrags sorgten. Und später stellte sich heraus, dass diese Verteilung nicht nur in Paretos Gemüsegarten, sondern in vielen Bereichen gültig ist.

Auf unseren (nicht optimierten) Kleiderschrank übertragen, heißt das: 80 Prozent der Zeit tragen wir gerade mal 20 Prozent unseres Kleiderbestandes. Das Verhältnis ist natürlich nicht immer exakt 80:20. Aber sicher bestreitet auch Ihr einen Großteil Eures Alltags mit einer relativen kleinen Auswahl an Klamöttchen. Während der Rest selten genutzt im Kleiderschrank dahin dümpelt. Platz wegnimmt. Für einen Overkill an Optionen oder für schlechtes Gewissen sorgt.

Aber mal ehrlich: Wüsstet Ihr genau, aus welchen Teilen diese berühmten 20 Prozent exakt bestehen? Mit Blick auf meinen eigenen Kleiderschrank hatte ich schon ein paar Top-Kandidaten im Auge. Aber sicher war ich mir nicht. Schon gar nicht so sicher, dass ich mich allein auf dieser Basis von teuren Anschaffungen getrennt hätte.

Also habe ich die im letzten Post beschriebene Ausmist-Aktion gemacht und alles, was wieder in den Schrank zurückwanderte, in der Excel-Tabelle erfasst. Es wanderte übrigens eine Menge zurück. Und damals kam ja auch noch ständig Neues hinzu.

Jedes Mal, wenn ich ein Teil getragen habe, wurde der Zähler eins hochgesetzt. Auch hier gilt übrigens: Steht die Tabelle erst einmal, ist die Aktualisierung Minutensache.

Und was war das Ergebnis?

Es hat sich tatsächlich eine Pareto-ähnliche Verteilung abgezeichnet. Vor allem dort, wo ich sehr viele Teile zur Auswahl hatte – z.B. bei Hosen. Hin und wieder gab es auch ein stärkeres Mittelfeld, aber immer klare Favoriten und ebenso klare Loser.

Und dann habe ich einfach alle Favoriten behalten und mich ganz cool von allen Losern getrennt? Teilweise. Denn mich beschäftigte noch eine Frage:

Sind die am häufigsten getragenen Sachen denn nun wirklich die besten? Und die selten getragenen tatsächlich so schlecht?

Diese Frage war völlig berechtigt. Schließlich bin ich als notorischer Morgenmuffel bei der morgendlichen Kleiderauswahl alles andere geistig fit oder gar kreativ. Da sonst Zugverpassen droht, greife ich schon aus Zeitknappheit meist zu bewährten Outfits.

Fazit also: Erbsenzählen und die Pareto-Verteilung liefern super Anhaltspunkte für das Ausmisten. Aber wenn Ihr wirklich sicher gehen wollt, solltet Ihr Model werden.

Wie Ihr in kürzester Zeit superdünn werdet und sogar der strengen Heidi gefallt, erfahrt Ihr im nächsten Post.

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3 Antworten zu Vilfredo P. und noch mehr Erbsen

  1. Pingback: Shoppingdiät Update #11: Bergfest | KonsumRebellion

  2. rougecoco schreibt:

    zufällig über deinen Blog gestolpert weil ich nach einer Art Berechnung für meinen Kleiderschrank suche ;)) mit den gleichen Hintergedanken , weniger kaufen bis gar nichts , und trennen , leblose gehortete sachen kosten nur Energie . Würdest du einen Screenshot von deinem Excel zeigen , ich scheittere gerade noch an dem System wie ich das alles am besten einteile.

    LG & werde deinen Blog weiterverfolgen

    • konsumrebellin schreibt:

      Gute Idee 🙂
      Ich wollte dir eigentlich gerade meine Blanko Excel-Vorlagen als Anhang schicken, aber das geht mit web.de dummerweise nicht. Mal schauen, ob ich einen anderen Weg finde. Zur Not gibt’s einen neuen Post dazu 😉
      Bis dahin liebe Grüße

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