Genial, aber zeitraubend: das Kleidershooting

Ich gebe es zu: Der letzte Cliffhanger war gemeine Irreführung. Aber das habt Ihr wohl schon geahnt. Ich präsentiere Euch heute natürlich kein Geheimrezept, wie Ihr in einer Woche mühelos superdünn werdet. Weil es keins gibt. Und weil Ihr auch nicht superdünn sein müsst, um Euren Kleiderschrank in Topform zu bringen.

Aber ums Model spielen geht es hier tatsächlich.

Wenn Ihr nicht auf nüchterne Zahlen vertrauen, sondern Eure Outfits qualitativ beurteilen wollt, müsst Ihr sie Euch anschauen. Eins nach dem anderen. Und dann entscheiden, was bleibt und was geht.

Dazu kann man sich einfach vor den Spiegel stellen. Aber das hat gravierende Nachteile. Zum ersten posiert man da gern. Und sieht sich deshalb nur von der Schokoladenseite. Außerdem ist der Eindruck flüchtig. Weg vom Spiegel, ist das Bild schon halb vergessen. Und Ihr könnt keine Side-by-Side Vergleiche machen, um zu entscheiden, in welchen Teilen Ihr am besten ausseht.

Die Lösung dieses Problems ist ein Kleidershooting. Ihr fotografiert Euch in kompletten Outfits mit Schuhen und allen Accessoires. Von vorn. Von der Seite. Und ganz wichtig: auch von hinten. Die Idee stammt übrigens aus dem Buch „Die Kleiderdiät“ von Linda Deslaurier.

Und sie ist genial.

Weil sie die allerbesten Entscheidungsgrundlagen zum Ausmisten liefert. Ihr sortiert ein Teil nicht nur aus, weil Ihr es nie anzieht. Ihr versteht auch, warum das so ist. Das hilft, zukünftige Fehlkäufe zu vermeiden. Und Ihr erkennt Muster, in welchen Schnitten, Farben, Materialien und Stilen Ihr gut ausseht und in welchen weniger.

Technisch ist das Ganze sehr einfach. Ihr braucht dazu nur einen ruhigen Hintergrund, ausreichend Licht, ein Stativ und eine Digitalkamera mit Selbstauslöserfunktion. Alternativ könnt Ihr Euch auch von einer Freundin fotografieren lassen. Macht einfach ein Event draus. Aber schüttet Euch dabei nicht zu viel Prosecco hinter die Binde, sonst kommen am Ende nur Spaßbilder heraus.

Aber die Sache hat einen Haken.

Entweder besitzt Frau Deslaurier einen weniger vollen Kleiderschrank als ich. Oder sie hat viel mehr Zeit. Oder beides. Ich habe die hehre Shootingaktion jedenfalls entnervt auf halber Strecke abgebrochen. Sie frisst einfach zu viel Zeit. Da ich neben meinem Kleiderschrank noch ein bis zwei andere Interessen habe, wollte ich nicht mehrere Wochenenden damit zubringen, mich durch Berge von Klamotten zu wühlen und zu fotografieren. Das ist anfangs ganz witzig, wird aber schnell öde. Und dann zog auch meine Grundmotivation nicht mehr: Jetzt einmal richtig Zeit und Hirnschmalz investieren und später nicht mehr über den ganzen Klamottenkram nachdenken zu müssen.

Also war das Kleidershooting ein Reinfall?

Nein. Ganz und gar nicht. Die Fotos waren eine hervorragende Basis für das weitere Ausmisten. Und auch sonst vielfältig nützlich. Zum Beispiel, wenn mich während einer ebay-Auktion plötzlich Zweifel plagten, ob ich ein Teil wirklich verkaufen soll. Oder wenn im Hochsommer wiedermal Daunenjacken verkauft wurden oder im tiefsten Winter Sommerkleidchen und ich mir meine Bestände ins Gedächtnis rufen musste, um keine überflüssigen Käufe zu tätigen. Oder wenn ich wiedermal nicht wusste, was ich anziehen sollte. Auch da hilft ein schneller Blick auf die Fotos der Lieblingsoutfits.

Fazit: Das Kleidershooting ist ein Zeitfresser, aber trotzdem eine coole Idee.

Es hilft vor allem dabei, die Teile heraus zu sortieren, die „eigentlich ganz ok” sind, aber eben keine Lieblingsteile. Ob etwas grundsätzlich geht oder nicht, kann man schnell vor dem Spiegel feststellen, aber für die Unterscheidung zwischen tragbar und klasse sind Fotos unschlagbar.

Es ist wirklich verblüffend, wie unterschiedlich die Ausstrahlung eines Menschen in verschiedenen Outfits sein kann. Wenn man die Fotos vergleicht, fällt es ganz leicht, Lieblingsoutfits zu erkennen und sich von anderen Sachen schnell zu trennen.

Und das Zeitproblem? Da hilft nur fokussieren und Outfits gezielt auswählen, die Ihr fotografieren wollt. Es sollten aber zum Vergleich immer ein paar echte Lieblingsoutfits dabei sein.

Auch ich werde mir zukünftig mal wieder ein paar Outfits herauspicken und kleine Kleidershootings machen. Aber das ehrgeizige Ziel, meine komplette Garderobe zu fotografieren, habe ich definitiv ad acta gelegt.

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4 Antworten zu Genial, aber zeitraubend: das Kleidershooting

  1. fraudehnertsallerlei schreibt:

    Ein wirklich cooler Tipp, ich werde ihn beizeiten zumindest in Teilen mal ausprobieren! 😉

    • konsumrebellin schreibt:

      Kann ich nur wärmstens empfehlen. Foto-technisch scheinst Du ja bewandert zu sein. Da kann ja nichts schiefgehen 😉

      Liebe Grüße

      • fraudehnertsallerlei schreibt:

        Danke für die Blumen! 😉 Ich werde da tatsächlich einen Mädels-Abend von machen, aber mit weniger Prosecco und mehr ehrlicher Kritik! 😀 Liebe Grüße!

  2. Pingback: Shoppingdiät Update #11: Bergfest | KonsumRebellion

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