Wetten, dass … wir Karl lieber ignorieren sollten?

Eigentlich sollte dieser Post ja nur ein Kommentar zu Katrins Post „Das Geld muss zirkulieren“ sein. Aber für drei knackige Sätze ist dieses Thema zu brisant. Und zu komplex.

Karl Lagerfeld.

Ist ja immer gut für schräge Kommentare. Wie den Spruch „Das Geld muss zirkulieren“ in der neuen ”Wetten, dass …“ Sendung am letzten Samstag. Die ich nur rudimentär gesehen habe. Und die überhaupt nur lief, weil der Liebste HSV-Fan ist und sich so über die van der Vaarts auf dem Sofa gefreut hat.

Jetzt fragt Ihr Euch vielleicht, was an dem Spruch so schräg ist.

Es kann ja sein, dass Lagerfeld selbst auf zu viel Geld sitzt. Oder dass er ein Umsatzproblem hat. Aber ich habe nicht den Eindruck, dass die „normalen“ Leute ihr Geld zu wenig zirkulieren lassen. Ganz im Gegenteil, viele lassen alles zirkulieren, was sie haben – oder sogar noch mehr.

Deshalb frage ich mich, was dieser Spruch bei „Wetten, dass“ soll. Schließlich wird diese Sendung nicht mehrheitlich von Superreichen gesehen, die einen Großteil ihres Geldes bestenfalls im internationalen Finanzcasino zirkulieren lassen, aber nicht in der realen Wirtschaft.

Eigentlich ist gegen das Zirkulieren-Lassen ja nichts einzuwenden. Und klar, die Wirtschaft braucht das. Aber: Viel zirkulieren lassen, heißt nichts zurücklegen. Und in Zeiten, wo weder ein dauerhaft passables Einkommen noch auskömmliche Altersbezüge garantiert sind (außer für Beamte), hängt man da ganz schnell am Fliegenfänger.

Vielleicht habe ich ja was verpasst, aber soviel ich weiß, betreibt Lagerfeld keine gemeinnützige Stiftung für Leute, die wegen zuviel Zirkulation (sprich Konsum) finanziell mit dem Rücken zur Wand stehen. Und „die Wirtschaft“ wird mir auch kein Geld überweisen, wenn ich im Alter trotz heute saftiger Beiträge mit einer Mindestrente als zahnlose Omi hungrig in einer kalten Bude hocke, weil ich keine Rücklagen aufgebaut habe.

Natürlich hat Lagerfeld recht.

Die große Maschine muss durch maximalen Konsum am Laufen gehalten werden. Aber die Frage ist: Wollen wir es zulassen, das unsere Leben, unsere Zukunft, Umwelt, natürliche Ressourcen und alles, was diese Welt lebenswert macht, darin verfeuert werden? Sollen wir noch mehr arbeiten, damit wir noch mehr kaufen können? Nur damit die Maschine läuft.

Statt andere zum Konsum anzustacheln, sollten intelligente Leute (zu denen ich Lagerfeld durchaus zähle), mal lieber darüber nachdenken, wie eine Wirtschaft aussehen kann, die auch mit weniger Konsum und Ressourcenverschwendung und sogar ohne das heilige Wachstum läuft.

Unsere Probleme kommen doch daher, dass wir zumindest im Westen die Grenzen des Wachstums längst erreicht haben und sehr viele Menschen nur noch als Konsumenten, aber nicht als Arbeitskräfte benötigt werden. Was natürlich auch für weniger Kaufkraft sorgt. Mit dem Slogan  „Das Geld muss zirkulieren“, der eigentlich bedeutet „Kauft, Leute kauft“ lassen sich diese Probleme nicht lösen.

Darum sollten wir Lagerfeld  ignorieren … und nur so viel Geld zirkulieren lassen, wie UNS gut tut.

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