Shoppingdiät Update #12: Bergfest oder doch nicht?

Ich knabbere. Nein, nicht an meinen Fingernägeln. Auch nicht an leckeren Keksen. Ich will doch keine Krümel in der Tastatur. Und fett werden will ich schon gar nicht. So nebenher Kekse knabbern ist ein sehr erfolgversprechender Weg zur Anhäufung von Hüftgold.

Aber zurück zum Thema. Woran ich tatsächlich schon seit einigen Tagen knabbere, ist die Frage:

Hatte ich nun am 1. Oktober Bergfest oder habe ich es erst am Neujahrstag?

Oder etwas klarer ausgedrückt: Soll ich meine Shoppingdiät um ein halbes Jahr verlängern?

Es gäbe durchaus einige Gründe für eine Verlängerung:

Der erste Grund ist etwas kindisch, aber hat eindeutig was: Ein ganzes Jahr Shoppingdiät klingt natürlich viel cooler und heroischer an als ein halbes. Aber da spricht die reine Eitelkeit. Wobei diese erstaunlich viel Zugkraft entfalten kann.

Ob die Fixierung auf Außenwirkung wirklich so schlau ist, bezweifle ich allerdings. Ich habe mal aus diesem Grund das Vordiplom in Informatik gemacht. Obwohl ich das Studium schon im ersten Semester gehasst habe. Einfach so zwischendrin abbrechen sah mir zu sehr nach Nicht-Schaffen aus. Rückblickend hätte ich die Zeit mal lieber anders nutzen sollen. Schließlich lebt man nicht ewig.

Zweitens wäre bei einem ganzen Jahr Shoppingdiät der positive finanzielle Impact natürlich noch größer. Nicht shoppen bedeutet eben keine Ausgaben. Wenig shoppen kann, je nach persönlichen Vorlieben, auch schon teuer werden.

Drittens  ist die Shoppingdiät so schön bequem und einfach. Ich muss mir keine Gedanken machen, ob ich kaufe, was ich kaufe, wie viel Geld ich ausgeben will. Gar nichts kaufen ist eine klare Ansage. Da gibt es keinen Deutungsspielraum. Das klingt nach Einschränkung. Aber in Wirklichkeit befreit es. Sehr sogar.

Der vierte Grund wackelt schon ein wenig. Natürlich scheint es logisch, dass zwölf Monate Shoppingdiät wirksamer für eine dauerhafte Verhaltensänderung sind als sechs. In der längeren Zeit kann sich die Gewohnheit des Nicht-Shoppens tiefer verankern. Denke ich. Aber vielleicht reichen sechs Monate ja auch?

Fünftens habe ich ein bisschen Schiss.

Nicht davor, dass ich die Shoppingdiät nicht durchhalten würde. Das ist eigentlich keine Option. Auch wenn ich als anonyme Bloggerin keine öffentliche Schmach befürchten muss, würde ich mir das Aufgeben selber nie verzeihen. Aber an so einen kritischen Punkt bin ich bisher bei meiner Shoppingdiät gar nicht gekommen.

Das bisschen Schiss habe ich vor dem, was danach kommt.

Werde ich mich wirklich ausreichend verändert haben, um nicht mehr in alte Muster zurückzufallen?

Mir ist in den letzten Tagen klargeworden: Die nächste wirklich spannende Phase ist NACH der Shoppingdiät. Und genau das ist der einzige gute Grund, die Shoppingdiät nicht zu verlängern: Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Und Geduld gehört nicht zu meinen Stärken.

Schließlich brauche ich einen Weg, der dauerhaft funktioniert. Und die nächsten zehn Jahre Shoppingdiät zu machen, ist keine Lösung. Shoppingdiät hat etwas von einer Klausur in einem Kloster oder einem geschützten Raum. Aber darin kann man nicht ewig leben.

Es reizt mich schon, das „neue Leben“ nach der Shoppingdiät baldmöglichst auszuprobieren. Aber ganz unvorbereitet sollte ich mich da nicht reinstürzen. Shoppingdiät nicht verlängern heißt, sich bald Gedanken machen, wie es danach weitergehen soll. Und diese Gedanken sollten ganz sicher nicht darin bestehen, was ich alles kaufe, wenn ich wieder darf.

Aber habe ich darauf schon Lust?  

Ihr seht, ich bin noch hin und her gerissen. Und selber gespannt, wie sie denn nun ausgeht – die Knabberei an der Bergfest-Frage.

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9 Antworten zu Shoppingdiät Update #12: Bergfest oder doch nicht?

  1. nukimama schreibt:

    Komm, halt’ma noch durch!! Ich hab mir die gleichen Fragen auch gestellt. Das Teufelchen sitzt mir noch dazu oft gegenüber, hat blonde Haare und ist dreizehn Jahre alt. „Jetzt kauf’s dir halt, hast eh schon so lang nix mehr gekauft, Mama!“, wenn ich grad wieder mit einem Seufzer schwarzen Boots oder dem sehr netten Johnnie Boden- Katalog nachtrauere. Neeee. Ich seh es so, dass ich dann per Ende März eine komplette Sommersaison und eine komplette Wintersaison durch hab. Bedeutet: dann hab ich auch meine Wintersachen zu Gänze auf Herz und Nieren durchgetestet. Dann weiß ich auch da, was sich bewährt hat und wovon ich zukünftig endgültig die Finger lasse.

    Von meinem „Leben danach“ hab ich eine ziemlich konkrete Vision. Nachdem ja „bei mir“ Selbermachen erlaubt ist, wird so alle paar Wochen einmal ein Stückl fertig. Das macht Spaß und hält sich wegen eines übervollen Terminkalenders in äußerst vernünftigen Grenzen. Im Moment überwiegt die „sportliche Herausforderung“, ob ich es technisch hinkriege sogar noch vor der Lust auf ein neues Kleidungsstück. Ab April erlaube ich mir dann einfach das Zukaufen von jenen Dingen, die ich selbst nicht herstellen kann. Schuhe zum Beispiel.

  2. shoppingdiaet schreibt:

    Mach ein Jahr draus! Im zweiten Halbjahr passiert noch mal sooo viel und außerdem hast du dann auch tatsächlich allen Kollektionswechseln widerstanden. Du hast natürlich vollkommen Recht mit dem Leben danach, damit beschäftige ich mich auch gerade sehr, denn ich bin ja schon in Q4. Aber nach einem Jahr wird das noch spannender als nach 6 Monaten, ganz bestimmt!

    • konsumrebellin schreibt:

      Ich habe mich ja schon fast so weit 😉

      Denn die richtig große Versuchung kommt eigentlich erst in den Monaten Januar bis März. Zumindestens habe ich da bisher immer das meiste Geld ausgegeben. Hat wohl was damit zu tun, das einem der Winter dann mächtig auf den Geist geht und man sich einfach nach Neuem sehnt.

      Ich hoffe, du bloggst ab Januar auch noch ein bisschen über das Leben danach 😉

  3. kommentar schreibt:

    Wenn du laenger durchhaelst, hat die Umwelt mehr davon. Es werden keine Fluesse schmutzig wegen dir usw.
    Ausserdem koenntest du dich noch laenger an die neue Freiheit gewoehnen und die neuen (guten) Gewohnheiten weiter ausbauen und vertiefen. Dein Blog verdient mehr Kommentare und mehr Leser. Ich finde das Thema so spannend und wenn du noch laenger weitermachst werden hoffentlich noch mehr Leser angesteckt. Alles Gute

    • konsumrebellin schreibt:

      Zunächst mal sorry für die späte Antwort, aber ich war auf einem verlängerten Wochenende in Berlin/Potsdam (natürlich shoppingfrei, was übrigens ganz einfach war ;-)) …

      … und ganz lieben Dank für Deinen motivierenden Kommentar.
      Die einzig richtige Antwort darauf gibt es in meinem nächsten Post 😉

      Liebe Grüße

  4. kommentar schreibt:

    Achso, ich faende es uebrigens sehr interessant ein paar Teile aus deinem Schrank zu sehen, oder den ganzen Schrank, oh weh, ich bin zu neugierig …

    • konsumrebellin schreibt:

      Ha ha, Du bist sicher nicht die Einzige, die sich für den Kleiderschrank anderer Leute interessiert 😉

      Grundsätzlich spricht nichts dagegen, mal ein paar Teile-Fotos einzubauen, wenn es zum Thema passt – auch wenn KonsumRebellion natürlich kein Modeblog ist. Ich muss halt nur zum Fotografieren kommen. Das kann ich leider nicht – wie das Schreiben – im Zug erledigen 😉

  5. Pingback: Shoppingdiät Update #13: Das verflixte erste Quartal | KonsumRebellion

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