Winter, Wolle, Bier und Porsche

Unser verlängertes Wochenende mit Freunden in Tübingen steckte voller Überraschungen. Geplant war eine Weinfahrt mitten im goldenen Herbst. Wanderungen durch Weinberge. Vielleicht sogar ein Schoppen in der Nachmittagssonne. Und abends dann ausgiebig die regionalen Weine und Spezialitäten testen.

Draus geworden ist eine Bierfahrt mit einem verschneiten Vorgeschmack auf den Winter. Neben dem Wetter erwiesen sich nämlich auch die regionalen Weine als nicht tauglich. Dafür war das Bier gut. Und wir hatten trotzdem eine Menge Spaß.

Tübingen hat eine hübsche, komplett erhaltene mittelalterliche Altstadt. Die sieht nicht nur schön aus, sondern beherbergt eine erstaunlich interessante Handelslandschaft. Weil hier einfach wenig Platz ist und es keine Einkaufsmagistrale gibt, dominiert nicht der widerliche Einheitsbrei der üblichen Verdächtigen das Angebot. Es gibt jede Menge individueller kleiner Läden. Ein oder zwei hätte ich ohne Shoppingdiät sicher näher unter die Lupe genommen. Aber es war auch nicht schwer, dran vorbei zu gehen.

Dafür erlebte ich ein seltsames Phänomen: Ich habe mich zum ersten Mal in meinem Leben für die Auslagen eines Woll-Ladens interessiert. Vielleicht lag es an dem kalten Wetter, das den Wunsch nach mehr warmen Wollpullovern aufkommen ließ. Vielleicht bin ich auch vom allgemeinen Strickfieber infiziert. Ich bin gespannt, wie das weitergeht.

Das Dumme ist nur: Während ich vom Nähen ziemlich konkrete Vorstellungen habe, fand mein einziges und vorerst letztes Strickprojekt irgendwann Mitte der 80er statt. Damals war Selberstricken schon mal unglaublich hip und sogar einige der männlichen Möchtegern-Existenzialisten aus der Abiturstufe zelebrierten öffentliches Stricken. Ich war immer eher der Nähtyp. Stricken dauert mir zu lange und das Ergebnis ist schlechter abzuschätzen. Einen neuen Strickpullover hätte ich aber schon gerne. Am liebsten einen grauen.

Aber zurück von wolligen Abschweifungen zum eigentlichen Thema.

Der Versuchung von BOSS und diverser anderer Outlets in Metzingen bin ich übrigens durch geschickte Beeinflussung der gemeinsamen Aktivitäten komplett entgangen. Zugegeben – auch durch Verschweigen der Tatsache, dass verkaufsoffener Sonntag in Metzingen war. Sorry, liebe Freunde. Aber Outlet-Center sind an sich schon eine Zumutung. An verkaufsoffenen Sonntagen mit schlechtem Wetter mutieren sie jedoch zum Vorhof der Hölle, dem ich mich auch ohne Shoppingdiät niemals aussetzen würde.

Da erschien mir das Porsche Museum eindeutig als akzeptablere Alternative. Auch wenn mich Autos eigentlich nicht interessieren. Und ich die quasi-religiöse Überhöhung und Anbetung des Automobils in aufwändigen Museen oder Gläsernen Manufakturen irgendwie krank finde. Die Tempel unserer Zeit. Nur, dass wir darin seltsamerweise Blechkisten anbeten. Nun ja, bei den heutigen Goldpreisen ist das halt eine moderne Variante des Goldenen Kalbs.

Aber das Porsche Museum war warm (in diesen Tagen ein unschlagbarer Vorteil). Es rettete mich vor Metzingen. Und selbst ich muss zugeben, dass Porsche durchaus eine gewisse Faszination ausstrahlt. Außerdem übersteigt ein 911er Porsche mein Budget so weit, dass ich auch absolut sicher vor jeglichem Kaufimpuls bin.

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2 Antworten zu Winter, Wolle, Bier und Porsche

  1. fraudehnertsallerlei schreibt:

    Ich kann stricken! 😀 Bisher hab ich zwar nicht mehr vorzuweisen als ein paar Schals, aber die kann ich dafür in fast allen erdenklichen Mustern stricken! 😉

  2. konsumrebellin schreibt:

    Gratuliere 🙂 🙂 🙂
    Dann kannst Du ja jetzt ins nächste Level aufsteigen und Dich an einem Pullover probieren 😉

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