Schadensbegrenzung

Wieso ist am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig? Diese Frage stellt sich vielen, die gern und viel shoppen. Aber auch eine Shoppingdiät garantiert leider nicht automatisch ein dickes Plus am Monatsende.

Ein Grund: Die fiese Kauflust kapituliert nicht so einfach. Versperrt man ihr das Lieblingsterrain Kleidung, Schuhe, Accessoires, sucht sie sich halt andere Hintertürchen – Bücher, Kosmetik, teureres Essen, DIY-Utensilien oder sonstwas.

Ob Shoppingdiät oder nicht: Ohne ein minimales „Ausgabenmanagement“ werdet Ihr immer Probleme haben, mit Eurem Geld auszukommen.

Das heißt erstens: IMMER den Überblick über das aktuelle Budget haben …

… indem Ihr wirklich alle Ausgaben erfasst. Am besten funktioniert das aus meiner Erfahrung mit einem Excel-Sheet. Ich habe meins kostenlos von der Sheconomics-Website heruntergeladen (Sheconomica Monthly Income and Spending Worksheet). Es ist schon in Einnahmen, Fixkosten, variable Ausgaben etc. unterteilt und man kann es ganz einfach an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Ich sammle alle Kassenbons und trage sie möglichst zeitnah ein. Falls Euch gerne mal ein Latte, ein Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt oder ähnliche Ausgaben ohne Bon durch die Lappen gehen, könnt Ihr ja zusätzlich ein kleines Notizbuch benutzen.

Und es heißt zweitens: den Geldhahn möglichst weit zudrehen …

… durch paar wenige Regeln, die zumindest dafür sorgen, dass Ihr nicht mehr ausgebt, als Ihr verdient – und vielleicht sogar noch etwas spart.

Diesen Regeln habe ich es zu einem großen Teil zu verdanken, dass ich in vielen Jahren des Konsumrauschs und Overshoppings nie ins Minus gerutscht bin und trotzdem etwas gespart habe. Allein im Vergleich zu den Ausgaben, die ich in den letzten beiden Jahren erfasst habe, ist das zwar lächerlich wenig – aber immerhin.

Hier sind meine Basisregeln gegen das finanzielle Desaster:

  • Reduziert die Bestände auf Eurem Girokonto auf ein Mindestmaß.
    Jetzt sagt Ihr Euch vielleicht „Ha, ha – guter Witz. Das mache ich doch schon mit Shoppen.“ Aber ich meine es ernst: Auf Eurem Konto sollte Euer monatlicher Gehaltseingang plus etwas Puffer sein. Alles andere (auch besondere Eingänge wie Steuerrückzahlungen, Gratifikationen, Erlöse aus Wertpapierverkäufen o.ä.) sofort auf ein separates Sparkonto wegbuchen.
  • Minimiert Euren Dispo-Kredit. Ich habe seit Jahren ganz freiwillig nur 600 EUR Dispo und das reicht völlig. Angesichts knackiger Dispo-Zinsen solltet Ihr Euch ohnehin so selten wie möglich in diesem Bereich bewegen. Ein niedriger Dispo hat auch den Vorteil der Schadensbegrenzung, falls Ihr mal Opfer von Kartenbetrug werdet.
  • Radikal Karten reduzieren: Eine ec-Karte und eine Kreditkarte genügen. Kündigt alle weiteren Karten mit Bezahlfunktion, z.B. Douglas-Card o.ä. Die vernebeln nur den Blick auf Euren finanziellen Status. Man zahlt hier mit dieser Karte, dort mit jener und hat keinen Überblick mehr – bis sich am Monatsende die böse Überraschung zusammenaddiert. Außerdem kosten diese Karten häufig einen Jahresbeitrag.
  • Vorsicht bei Kreditkarten! Wählt eine seriöse Kreditkarte, die am Ende jedes Monats abgerechnet wird. Haltet Euch unbedingt fern von Kreditkartenangeboten, bei denen Ihr erst nach Monaten anfangen müsst, zu zahlen oder die die Zahlung von Teilbeträgen akzeptieren. Das ist wahres Teufelszeug und der sichere Weg in Kreditkartenschulden. Und die sind wirklich ruinös.
  • Bezahlt cash oder mit ec-Karte. Dann spiegelt Euer Kontostand jederzeit die Realität wieder. Benutzt Kreditkarten nur, wenn es gar nicht anders geht. Und erfasst dann die Ausgaben, damit Ihr wisst, was am Monatsende noch von Eurem Konto abgeht.
  • Richtet Euren PayPal Account so ein, dass die Beträge vom Girokonto abgebucht werden, nicht von Kreditkarte.
  • Überweist fixe Kosten (Miete, Versicherungen etc.) – und idealerweise auch einen monatlichen Sparbetrag – automatisch direkt am 1. des Monats.

Ich kann die konsequente Anwendung dieser Regeln wirklich nur empfehlen – egal, ob Ihr eine Shoppingdiät macht oder nicht. Und auch dann – oder ganz besonders dann – wenn Ihr wieder auf einem Plus sitzt. Schließlich wollt Ihr die Kohle ja auch behalten.

Das hört sich alles gar nicht rebellisch, sondern spießig an?

Irrtum, das ist Konsumrebellion pur. Fehlende Übersicht und Schlamperei in Geldsachen nutzen nur der „Maschine“ Konsumgesellschaft und Unternehmen, die Euch das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Solange Ihr im Trüben stochert und keine Ahnung habt, was Ihr Euch eigentlich leisten könnt und wo Euer Geld hingeht, seid Ihr nämlich die idealen (Konsum-)Opfer.

Habt Ihr Euch schon mal gefragt, warum man in der Schule sonstwas lernt – aber nicht, wie man mit Geld umgeht?

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7 Antworten zu Schadensbegrenzung

  1. Annemarie schreibt:

    Du bist ein Schatz! Vielen lieben Dank für deine rasche Reaktion auf mein Jammern! 😉

  2. fraudehnertsallerlei schreibt:

    Naja, streng genommen sollte der Umgang mit Geld auch etwas sein, dass die Eltern einem beibringen. Zugegeben, meine Eltern waren da nicht so die besten Lehrer, aber mit 18 heiraten und in eine eigene Wohnung ziehen hat das definitiv nachgeholt! 😀

    • konsumrebellin schreibt:

      Da hast Du wohl recht, aber viele Eltern können ja selbst nicht mit Geld umgehen. Selbst wenn sie dazu in der Lage sind, kann es immer noch sein, dass die lieben Zöglinge das alles für spießig, provinziell und kleingeistig halten und glauben, wenn sie selbst erst einmal richtig Geld verdienen, hätten sie Sparsamkeit nicht nötig (ein Schuh, den ich mir durchaus anziehen muss ;-).

      Aber mit 18 auf eigenen Füßen zu stehen, ist sicher der ultimative finanzielle Reality Check 😉

  3. Frau Ella schreibt:

    Das frage ich mich in der Tat auch ab und an. Natürlich sollte es Sache des Elternhauses sein, das vernünftig vorzuleben und beizubringen. Aber wieviele Elternhäuser sind denn heute noch dazu in der Lage?
    Ich bin grundsätzlich gegen jeglichen Dispo und auch gegen Kreditkarten. (Und meine Bank hat schon einen Dämpfer bekommen, als sie mir ohne meine Zustimmung einfach einen Dispo eingerichtet hat. – Angeblich zu meinem Besten. Ich hätte dann doch viel weniger Scherereien, wenn es mal drauf ankäme… 1. Ist das mein Problem, wenn mal was schiefgeht. 2. Seit ich mein Konto besitze, kam es erst einmal zu einer Überziehung von unter 2€…)).
    Ansonsten kann ich einer konsequenten Buchführung nur zustimmen. Genauso wie der Reduzierung des Betrags auf dem Girokonto. – Mache ich jeden Monat am 1. und es lohnt sich ungemein 🙂

    • konsumrebellin schreibt:

      Du machst ja offenbar alles richtig. Als zukünftige Lehrerin für Politik-Wirtschaft hast Du doch auch genau den richtigen Zugriff auf die Kids, um mal einen schönen Workshop rund ums Geld abzuhalten. Ich glaube, das wäre auch in Ergänzung eines finanziell kompetenten Elternhauses eine super Sache – und bei den vielen Eltern, die selbst nicht mit Geld umgehen können sowieso.

  4. Pingback: Schuldenfallen | KonsumRebellion

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