Shoppingdiät Update #18: Prokrastination

Prokrastinantion. Was für ein herrlich sperriges, altmodisches Wort.
Und welch wunderbare mehr oder weniger geheime Geheimwaffe gegen übermäßiges Shoppen.

Prokrastination heißt Aufschieben. Normalerweise hat Aufschieberitis ja eher negative Auswirkungen. Ganz anders beim Shoppen. Aufschieben tut längst nicht so weh wie die harte Entscheidung zum Verzicht, führt aber trotzdem zu deutlich weniger Käufen. Vor allem bei klaren Impulskauf-Kandidaten.

Hoch lebe die strategische Prokrastination!

Warum strategisch? Weil man am besten nicht nur zufällig das Kaufen aufschiebt, sondern immer und  ganz bewusst. OK, nicht ganz immer. Ihr sollt natürlich nicht Euer Mittagessen oder den Einkauf auf dem Gemüsemarkt auf Euer nächstes Leben verschieben.

Aber immer, wenn es um Dinge geht, die eigentlich Lustkäufe darstellen, ist Aufschieben eine gute Entscheidung. Das gilt für Kleidung, Schuhe, Accessoires, aber auch für Bücher, Kosmetik, Deko, DIY-Utensilien – also die typischen Ersatzdrogen bei einer Shoppingdiät.

Aufschieben heißt nicht zwingend nicht kaufen. Aber den Kaufwunsch ein, zwei, drei oder noch mehr Tage setzen lassen. Einfach mal drüber schlafen. Überlegen, ob man das wirklich haben muss. Oder ob man sich dieses oder jenes schenken lassen kann. Viele ganz dringende Haben-Wollen-Impulse verschwinden über Nacht oder nach ein paar Tagen ganz von selbst. Und dann ist man ziemlich froh, dass man dem ersten Drang nicht nachgegeben hat.

Alles was als Wunsch auch nach Tagen noch übrig bleibt, hat wahrscheinlich auch seine Berechtigung. Aber wenn man den Kauf schon ein paar Tage aufgeschoben hat, fällt es nicht schwer, ihn noch etwas weiter hinaus zu schieben. Und wieder werden sich Kaufwünsche einfach in Luft auflösen. Ohne jemals Frust durch bewussten Verzicht ausgelöst zu haben. Die Käufe, die dann tatsächlich stattfinden, verteilen sich hübsch über eine längere Zeit. Das schont das Konto und ist viel befriedigender, als wenn man sich immer direkt alles kauft.

Für mich war die Entdeckung der strategischen Prokrastination ein echter Segen. Ich fresse gern mal einen Narren an einer Sache ­– ob das nun Kleidung, Malutensilien, Deko, Geschirr, Pflanzen, DIY-Projekte, Bücher, CDs oder sonstwas ist. Mein erster Impuls ist dann immer, mich sehr umfassend einzudecken. Mit strategischem Aufschieben kann man das prima steuern und eine Menge Geld sparen.

Alles schön und gut. Aber was ist mit der Angst, dass etwas weggekauft werden könnte?

Die „Ersatzdrogen“ haben im Gegensatz zu Mode den Vorteil, dass sie meist länger verfügbar sind und nicht so schnellen Wechseln unterliegen. Hier kann man also sowieso entspannter rangehen.

Mode ist zugegebenermaßen schwieriger. Aber auch da habe ich Prokrastination (natürlich vor meiner Shoppingdiät) schon ganz erfolgreich praktiziert. Ich habe schöne Teile einfach wieder zurückgehängt, um sie mir ein, zwei Tage später nochmal anzuschauen. Häufig bin ich dann gar nicht ein zweites Mal hingegangen. Wenn doch, fand ich oft die Teile gar nicht mehr so genial. Und wenn dann trotzdem etwas gar nicht aus meinem Kopf wollte, war es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch kein Fehlkauf.

Zurückhängen lassen ist natürlich auch eine Option, wenn ein Stück besonders schön ist und man sonst nicht mehr ruhig schlafen kann. Aber erstens sollte man diesen Service nicht überstrapazieren. Und zweitens sollte man sich darüber klar sein, dass der Kaufdruck bei einem zurückgehängten Teil schon höher ist. Die Verkäuferin hat Euch mit etwas Konkretem an der Angel und Ihr fühlt Euch ein wenig verpflichtet. Also würde ich mit dieser Option eher sparsam umgehen.

Im Übrigen ist es eine sehr heilsame Erfahrung, wenn in der Zwischenzeit tatsächlich mal ein von Euch anvisiertes Teil verkauft wird und nicht mehr verfügbar ist. Man lernt nämlich, dass die Welt davon nicht untergeht – und das Stück meist ein paar Tage später vergessen ist.

Natürlich ist auch strategische Prokrastination nicht der Weisheit letzter Schluss.

Man denkt immer noch zu viel über Konsumkram nach. Verschwendet Zeit und Energie in Geschäften oder beim Surfen auf Shopping-Sites. Aber es ist eine super Strategie gegen impulsives Shopping und spart bares Geld. Und es ist ein guter erster Schritt dahin, sich immer häufiger mit anderen, kreativeren und befriedigenderen Dingen als Shopping zu befassen.

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Eine Antwort zu Shoppingdiät Update #18: Prokrastination

  1. fraudehnertsallerlei schreibt:

    Ja, Prokrastination, mein bester Freund! 😀

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