Shoppingdiät Update #19: Stylecheck und die zweite Versuchung

Eigentlich besteht der Kern einer Shoppingdiät ja darin, nichts zu tun.

Nämlich keine neuen Kleider zu kaufen. Paradoxerweise kann gerade dieses Nicht-Tun dazu beitragen, dass man Ende besser gekleidet ist.

Weil man zum Beispiel in aller Ruhe mal über seinen eigenen Stil nachdenken kann. Und herausfinden, worin der eigentlich besteht – oder bestehen könnte. Stilberater empfehlen dafür gerne, dass man Fotos sammelt, die einen irgendwie ansprechen. Man muss beim Einzelfoto noch nicht einmal reflektieren, warum das so ist. In der Menge ergeben sich dann aber durchaus Muster. So die Theorie. Aber woher die Fotos bekommen?

Mit Modestrecken in Magazinen kann ich in der Regel wenig anfangen. Gewöhnlich findet man da magere Teenager in Posen, die kein gesunder Mensch je freiwillig einnehmen würde. Und behängt sind sie (meistens) mit Klamotten, die bei mir Zweifel am Geisteszustand des Stylisten aufkommen lassen und/oder wirklich völlig unbezahlbar sind.

Aber es gibt auch Ausnahmen.

Da ich neuerdings auch zur Zielgruppe gehöre, habe ich vor kurzem die aktuelle Brigitte Woman 12/2012 durchgeblättert. Ich finde es toll, dass sich die Models dort nicht aus halbverhungerten Minderjährigen rekrutieren, sondern aus umwerfend attraktiven Frauen ab Vierzig aufwärts. Da leider keine von uns jünger wird, kann man gar nicht genug positive ältere Role-Models haben.

Gut, die erste Modestrecke – eine Menge Strickzeugs in Beerentönen – war nicht so meins. Zu brav und madamig. Aber bei der zweiten Modestrecke war ich sofort hellwach: Bikerjacke zu langem Seidenkleid und derben Boots, Lederröhren mit tollen Shirts, Oversized-Jacken oder lässigen Seidenblusen … und das alles präsentiert von einer wirklich coolen Frau, die früher auch mal in der Musikszene gearbeitet hat. Wow.

Ein Auszug aus der Modestrecke in der Brigitte Woman 12/2012

Ein echter Wurf für meine Stilfoto-Sammlung. Und die erste Modestrecke seit langem, bei der ich wirklich fast jedes Teil kaufen würde. Wenn ich könnte. Und dürfte.

Und genau da liegt das Problem.

Ich darf nicht. Aber irgendwie doch. Das habe ich mir unwissentlich selbst eingebrockt. Im Sinne meines Mottos „Konsumrausch war gestern“ wollte ich den Geburtstags-Geschenkewahnsinn zurückschrauben. Das habe ich auch meinen Eltern mitgeteilt und mir nur etwas Kleines, aber sehr hübsches gewünscht. Meine Eltern haben meinen Wunsch erfüllt, aber das erschien ihnen wohl zu wenig (obwohl ich völlig happy damit gewesen wäre). Also haben sie mir zusätzlich noch Geld geschenkt. Mit der Bitte, dafür mal nichts für Haus und Küche zu kaufen. Sondern etwas Schönes zum Anziehen.

Einerseits ist das ja toll. Denn Geschenke sind ja erlaubt. Andererseits kann es auch die Büchse der Pandora öffnen. Und es hat schon. Mit meinem Geschenkbudget im Hinterkopf bin ich nämlich mal durch die Läden getollt, und über eine göttliche Röhre aus superweichem Leder gestolpert. Die ist nur leider teurer als mein Budget. Genauer gesagt, erheblich teurer. Und jetzt sitzt sie ihn meinem Kopf. Weil ich meine eigene „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“-Regel verletzt habe.

Natürlich ist mir klar, dass ich durch die Modestrecke erst angefixt wurde. Und dass ich bis gestern keine Lederröhre in meinem Leben dringend vermisst habe. Aber jetzt muss ich sie haben. Meine ich. Oder eben auch nicht. Ich mache ja Shoppingdiät. Und in meiner CPW-Übersicht, in der die Werte seit Monaten brav nach unten gehen, würde sie sich gar nicht gut machen. Aber trotzdem. Es gibt so selten wirklich perfekt passende Lederröhren.

Es war ja klar, dass irgendwann so etwas passiert. Aber es ärgert mich gerade maßlos. Meine schöne Ruhe, mein Seelenfrieden, meine Zufriedenheit mit dem, was ich habe – zumindest momentan dahin. Nun ja, shit happens.

Aber ich bin guten Mutes, dass ich mich wieder einkriege. Hoffentlich.

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14 Antworten zu Shoppingdiät Update #19: Stylecheck und die zweite Versuchung

  1. fraudehnertsallerlei schreibt:

    Oh nein, ich kann dich nur soooo gut verstehen! Aber du schaffst es stark zu bleiben, ganz sicher! 🙂

  2. konsumrebellin schreibt:

    Danke, danke … es geht mir schon besser 😉

  3. shoppingdiaet schreibt:

    Du brauchst diese Hose nicht! Genauso wenig wie ich die tollen Nieten-Stiefelleten brauche! Ganz ehrlich, am Ende der Shoppingdiät wirst du dich an kein Teil erinnern können, das dir wirklich fehlt, obwohl du es mal kurzzeitig haben wolltest. Also, durchhalten!

    • konsumrebellin schreibt:

      Du hast ja recht … und die Hose hat seit gestern auch schon erheblich an Attraktivität und Beschaffungsdringlichkeit eingebüßt 😉 Auch wenn es keinen Spaß macht: Solche „Zwischenfälle“ müssen in der Shoppingdiät wohl einfach vorkommen. Damit man immer wieder üben kann, bestimmte Wünsche einfach ziehen zu lassen. Und damit man merkt, das das Leben dadurch unterm Strich keinesfalls schlechter wird.

  4. Annemarie schreibt:

    Angestachelt von deinem Artikel, bin ich heute morgen auch in die Trafik (gibts sowas überhaupt in D?) – also in ein Zeitschriftengeschäft, das auch Tabakwaren verkauft bzw. umgekehrt , gewackelt und habe mir die Brigitte zugelegt – und ja, ich verstehe dich sehr gut, dass dich diese Modestrecke verführt hat. Um mein eventuell aufkeimendes Kaufbedürfnis zu befriedigen, habe ich mich dazu entschieden, den Pullover von Seite 11 zu stricken – nur in einer anderen Farbe und erst im Dezember 😉 Aber gut gemacht, dass du widerstanden hast. Schulterklopfen!

    • konsumrebellin schreibt:

      Danke 🙂 und toll, dass Du meine zwischenzeitliche Verwirrung nachvollziehen kannst. Das irre ist: Inzwischen ist die Hose gar kein Thema mehr und ich bin sehr froh, dass ich widerstanden habe.
      Den Pullover von Seite 11 kann ich mir grad nicht anschauen, da ich die Zeitschrift vorsichtshalber im Büro deponiert habe… aber ich gewinne immer mehr die Überzeugung: Ich muss jetzt endlich stricken lernen!!! 😉
      Ich wünsche Dir ein erholsames Wochenende und hoffentlich gutes Wetter für Spaziergänge mit Deiner süßen Emma 🙂

  5. nukimama schreibt:

    Ich verstehe Dich seeeeeehr gut. Ich sitz grad in meinem Hotelzimmer in Berlin und in meinem Kopf schwirren tolle Klamotten herum, die ich heute gesehen hab. Das meiste davon war zwar sowieso viel zu teuer oder viel zu zweifelhaft in der Herkunft. Stattdessen hab ich ein paar Kunstkataloge und in einem sehr netten Second-Hand-Laden zwei kleine Täschchen als Geschenk für zwei liebe Menschen gekauft. Aber im Kopf schwirrt alles mögliche herum, wieder mal quer durch alle Stilrichtungen 🙂 🙂

    • konsumrebellin schreibt:

      Das ist das Gemeine: Kaum fühlt man sich sicher und glaubt, man ist über den Berg, taucht irgendwo eine neue Versuchung auf. Ich bin jedenfalls froh, dass ich meine Shoppingdiät mache, sonst hätte ich wahrscheinlich ein paar hundert Euro für eine Hose ausgegeben, die mir heute schon schnurzpiepegal ist. Und ich bin froh, dass ich die Shoppingdiät verlängert habe. Ein halbes Jahr reicht offenbar nicht ganz zur Entwöhnung (falls es die überhaupt gibt ;-))
      Ich wünsche Dir noch viel Spaß in Berlin … und am Sonntag sind die Geschäfte ja glücklicherweise eh geschlossen 🙂 🙂

      • nukimama schreibt:

        Bin gefahrlos wieder zurück 🙂
        Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ein Jahr reicht. Ich glaube, Versuchungen wird es immer geben und wir werden auch das eine oder andere Mal zu oft nachgeben. aber ich hoffe, dass ich den Verzicht so gut gelernt habe, dass ich in Zukunft sicherlich weiterhin sehr restriktiv shoppen werde – sprich: vielleicht mache ich nächstes Jahr sowas wie „fünf Teile pro Saison“ plus DIY oder sowas Ähnliches…

  6. Pingback: Shoppingdiät-Update #20: Shopping-Stress | KonsumRebellion

  7. Pingback: Post 10.1.2013: Shoppingdiät Update #21: Die Begierde schläft. | KonsumRebellion

  8. Chicchi schreibt:

    Liebe Konsumrebellin,
    ich bin gestern rein zufällig auf deinen Blog gestossen und konnte nicht anders, als es vom ersten bis zum letzten Post zu lesen. Ich habe zwar schon recht viele Blogs zum Thema „Shoppingdiät“ gelesen, konnte dabei selten alles nachvollziehen, was es darin zu lesen gab – weil ich Mode liebe und immer lieben werde und mir dieses Element bei den jeweiligen Modediäten immer wieder fehlte. Der Verzicht auf Shoppen hatte immer so etwas Negatives an sich, so im Stil von „wer nicht shoppen will, muss leiden und dabei möglichst auch noch hässlich aussehen“. Was ich nicht verstand, war, dass man mit dem Shoppingverzicht automatisch auch auf jeden Genuss und vor allem auch auf Mode und Stil verzichten musste. Das wäre für mich dann in etwa so, wie abnehmen zu wollen, indem man nur Sachen isst, die man überhaupt nicht mag. Der Griff in die Chipstüte ist da schon von Anfang an vorprogrammiert.
    Als ich deinen Blog gelesen habe, konnte ich eingentlich alles nachvollziehen, was du so intelligent und witzig bescrhieben hast. Viele Gedanken, die du hier so gut beschreibst, hatte ich in letzter Zeit selbst oft.
    Dein Blog hat mich so sehr motiviert, dass ich jetzt selbst einen kleinen Versuch starten möchte – zunächst einen Monat lang Shoppingdiät (su mutig wie du bin ich nämlich nicht 🙂 ) – und dann vielleicht noch einen Monat anhängen. Für die kommende Herbst/Winter-Saison habe ich eigentlich ziemlich alles, was ich brauche – und hier im sonnigen Tessin werde ich bestimmt nicht erfrieren. 🙂

    Also: herzlichen Dank für die Motivation, ich werde deinen Blog gespannt weiterverfolgen!

    Chicchi

    • konsumrebellin schreibt:

      Liebe Chicci,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar, der mich wirklich riesig freut (… nicht nur, weil es inzwischen allein schon eine reife Leistung alle meine Posts auf einmal zu lesen ;-)).

      Mir ging es lange Zeit auch wie dir. Ich wollte unbedingt etwas an meinem Shoppingverhalten ändern und habe deshalb auch viele Blogs und Bücher gelesen. Die haben mir sicher geholfen, aber so richtig habe ich mich nie wiedergefunden, weil vieles – so wie du beschrieben hast – einfach glatt das anderes Extrem war. Ich liebe Mode und schöne Dinge und es wird mir nie egal sein, wie ich aussehe oder welche Dinge mich umgeben.

      Deshalb wird aus mir wohl nie eine echte Minimalistin, auch wenn das in mancher Hinsicht schon seinen Reiz hätte. Aber ich würde mich nicht wirklich wohlfühlen. So gut kenne ich mich inzwischen 😉

      Ich freue mich jedenfalls sehr , dass dich mein Blog anspricht und wünsche dir alles Gute für deine Mini-Shoppingdiät. Ich habe auch 2011 schon mal für zwei Monate mit Shopping ausgesetzt und dann noch einen Monat drangehängt, weil es so gut lief. Die Erfahrung, dass es auch mal ohne Shopping geht, ist jedenfalls Gold wert – ganz egal, wie lange die Shoppingdiät dauert.

      Liebe Grüße ins schöne Tessin 🙂

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