Shoppingdiät-Update #20: Shopping-Stress

Shopping-Stress. Hä?

Ist sie abtrünnig geworden? Eingesogen vom vorweihnachtlichen Konsumwahnsinn? Besiegt von den Herausforderungen der Silvesterparty?

Nein, bin ich nicht. Aber irgendwie doch. Auch wenn ich dabei nicht gegen meine Shoppingdiät-Regeln verstoßen habe.

Also, die Silvesterparty ist schuld.

Ich habe dresscodemäßig noch einmal nachgebohrt und die Lage hat sich von „festlich“ auf na ja, „schon eher festlich, chic und bitte keine Jeans“ entspannt. Fein. Damit hatte auch mein Kleiderschrank wieder mehr zu bieten und nach ein bisschen Probieren und Kombinieren habe ich mehr als eine schöne Alternative zur Auswahl.

Aber da war noch das Taschenproblem.

Meine laptoptauglichen Alltags-Bollertaschen gehen auch bei entspanntem Dresscode nicht. Gut: rein theoretisch könnte man eine Abendtasche ja selbst nähen und mit tollen Steinen und Perlen besticken. Ganz kurz flackerte vor meinem geistigen Auge auch so ein Kunstwerk auf. Aber ich habe null Erfahrung in der Herstellung von Abendtaschen mit abgezockten Schmuckelementen. Und ich weiß ich auch beim besten Willen nicht, wann ich das in der Vorweihnachtszeit machen soll. Mir ist erst gestern schockartig klar geworden, dass wir dieses Jahr eine sehr kurze Adventszeit haben und schon in vier!!!! Wochen Weihnachten ist. Und ich habe noch nix dekoriert, kein Plätzchen gebacken, kein Geschenk im Schrank.

Also abgehakt, das DIY-Täschken. Ich wollte eine runde, nachhaltige 100%-Lösung, die das Potenzial hat, mich lange zu begleiten – und die nächsten Jahre kein Ausgehtaschen-Problem mehr aufkommen zu lassen. Ein guter Einsatz für mein Geburtstagsgeld, das ich glücklicherweise nicht für Lederröhren verballert habe.

Ich geb’s zu: Ich habe mich natürlich auch darauf gefreut, nach fast fünf Monaten Abstinenz mal wieder ein Teil ganz „legal” shoppen zu können. Aber die Freude ist mir schnell vergangen. Der altbekannte Shopping-Spaß ist nämlich meistens mit Impulskäufen verbunden. Man geht los und schaut, was einen so anspringt. Nur, wenn man wirklich etwas Bestimmtes sucht und dabei auch noch Ansprüche hat, kann Shoppen in echten Stress ausarten.

Dummerweise hatte ich nur vage Ansprüche, aber keine klare Vorstellung davon, was ich eigentlich suche. Die einzigen Eckdaten waren: Die Tasche muss zu Schwarz passen. Sie soll einen schmalen Umhängegurt haben, der nicht alle naselang von der Schulter rutscht. Ich hasse nichts mehr, als einen ganzen Abend lang eine Tasche zu hüten und ständig daran herum zu tüddeln. Im Zweifelsfall habe ich auf einer Party lieber ein Glas in der Hand als eine Tasche – egal, wie schön sie ist. Und natürlich: Die Tasche sollte lange halten und mir ebenso lange gefallen.

Zuerst einmal lernte ich, dass selbst im Shopping-Bermuda-Dreieck von Köln die Auswahl an Abendtaschen generell begrenzt ist. Und dass die Auswahl an Taschen, die mir wirklich gut gefallen, gegen Null ging. Und dass auch das Web irgendwie nix hergab, das einer 100%-Lösung nahe kam.

Außerdem wurde mir klar: Die Tasche muss nicht nur zu Schwarz passen. Sie muss vor allem zu mir passen und zu meinem Bekleidungsstil. Klassische Clutches im glänzender Kroko-Optik, glitzende Täschchen mit Straß und Kettchen … ging alles nicht. Und billig geht sowieso nicht. Irgendwie elegant musste die Tasche schon sein. Aber nicht klassisch, nicht tantig, nicht tussig … eben irgendwie cool und trotzdem edel.

Nur, wie das aussehen sollte, war mir immer noch nicht klar. Ich fühlte mich schon langsam echt gestresst von dem Thema. Der einzig positive Aspekt war die Anteilnahme meines Liebsten, der sich mit mir geduldig gefühlte Millionen von bescheuerten Taschen anschaute und trotzdem nie gleichgültig oder ungeduldig wurde. Gut, er ist Architekt und daher an gutem Design interessiert – natürlich auch an seiner Frau.

Dann sah ich in einem Laden eine wundervolle Clutch von Campomaggi: Handarbeit, schönes, elegantes Format, herrliches Vintage-Leder, tolle Nieten in oxidiertem Messing und Silber – und auch noch reduziert, was bei Campomaggi-Preisen ja sehr erfreulich ist. Das war’s. Genau mein Ding und eigentlich Liebe auf den ersten Blick. Eigentlich. Denn die Tasche war cognacfarben und passte mal so gar nicht zu all meinen Outfit-Alternativen. Diese oder eine ähnliche Tasche in schwarz – was anderes würde mir nicht in den Schrank kommen.

Also habe ich nochmal das Web gequält und nach langem Suchen tatsächlich zwei schwarze Clutches von Campomaggi gefunden. Beide sollten – so DHL will – heute oder spätestens morgen eintreffen. Dann muss ich mich nur noch entscheiden. Und danach werde ich mich ausschließlich  nur noch mit besinnlichen Weihnachtsdingen befassen.

Shoppingspaß wird jedenfalls absolut überschätzt. Und ich bin froh, dass ich meine Shoppingdiät verlängert habe. Denn ich habe festgestellt: Wenn man die Shoppingtür erst einmal ein kleines bisschen öffnet, stürmen gleich wieder jede Menge Dinge herein, die man im ersten Impuls gern kaufen würde. Da tut noch mehr Training in der Abwehr solcher Impulse ganz gut.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Downscaling, Mode, Shoppingdiät + Konsumverzicht abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Shoppingdiät-Update #20: Shopping-Stress

  1. fraudehnertsallerlei schreibt:

    Ooooh, wie gut ich dich verstehen kann! Diese Art von Shopping-Stress hasse ich wie die Pest, wenn man eigentlich ziemlich genau weiß, was man braucht (bzw. was man nicht braucht) und dann hauptsächlich das findet, was man mal so gaaaar nicht gebrauchen kann! Da vergeht mir auch jeder Spaß am Shoppen.
    Ich freu mich aber für dich, dass du eine passende Tasche gefunden hast. 🙂 Je nachdem, ob auf der Silvester-Party, die wir besuchen, ein Dress Code besteht, steht mir der „Was zieh ich an, hab ich sowas und wenn nicht, wo bekomm ich´s her?“-Wahnsinn auch noch bevor…

    • konsumrebellin schreibt:

      Dann wünsche ich dir, dass es bei dir stressfreier abgeht. Allerdings machst du ja auch keine Shoppingdiät mehr, was die ganze Sache noch gefährlicher macht. Bei mir war zumindest klar: es geht nur um eine Tasche, was anderes kommt nicht in die Tüte. Sonst hätte ich mir womöglich noch ein neues Outfit um die cognacfarbene Tasche herum gekauft 😉

      Ach, ja: Die ehemals weiße, jetzt rote Jeans ist noch nicht so ganz durchgestartet. Zumindest habe ich sie aber häufiger getragen als in der weißen Version. Und ich denke, nächstes Frühjahr kommt noch groß raus 😉

  2. kommentar schreibt:

    Ja, mit dem Gefallen, das ist so eine Sache. Mir gefaellt auch fast nichts, was es so in den Laeden gibt. Ich lebe aber auch nicht in New York, da wuerde ich sicher einiges finden … aber hier, nun ja. Ich habe auch Architektur studiert, also deinen Mann mitnehmen kann sicher nicht schaden. Aber toll was du fuer einen Vorlauf hast, jetzt schon fuer SIlvester planen!

    • konsumrebellin schreibt:

      Bloß gut, dass ich nicht in New York wohne. Köln reicht normalerweise völlig, um mein Einkommen zu absorbieren 😉 Und das mit dem großen Vorlauf ist eher gezwungenermaßen – sonst sind die Karten für die besten Parties weg. Normalerweise bin ich gar nicht der große-Vorlauf-Typ.
      Aber mal eine Frage am Rande: Bist Du der- oder diejenige, die meinen Blog regelmäßig aus den USA besucht? Die Idee kam mir nur so, wegen NY. Als Europäer muss man für Shoppingparadiese ja nicht gleich übern großen Teich – auch wenn dort vieles billiger ist (sagt man)

      • kommentar schreibt:

        ;-). Du liegst ganz richtig. Deine Beitraege werden also auch jenseits des Ozeans mit grosser Freude erwartet und sehr gern gelesen. (Danke!)

  3. Mausflaus schreibt:

    wenn du die tasche nur ein einziges mal trägst (hört sich so an, als ob du nicht so oft auf veranstaltungen mit dresscode „festlich“ gehst), dann kannst du dir doch bestimmt bei ner freundin oder bekannten eine leihen?

    • konsumrebellin schreibt:

      Das war ja das Problem: eine superfestliche Tasche sollte es nicht sein, sondern eine, die auch mal so geht. Das habe ich aber jetzt gelöst 🙂

      Ausleihen mache ich nicht so gerne, besonders bei so persönlichen Sachen wie Taschen oder Kleidung. Da hätte ich den ganzen Abend Angst, dass etwas beschädigt wird oder so ein Täschchen wegkommt. Passiert zwar sehr selten, aber ist besonders blöd, wenn es nicht die eigene ist. Und um ehrlich zu sein: die gerade erworbene Tasche würde ich auch auf gar keinen Fall verleihen, da hängt zu viel Herzblut dran.

      Außerdem: Die Freundin, die theoretisch am ehesten ein Ausleih-Kandidat wäre, kommt mit zur Party und wird sich sicher bis 10 Minuten vor Abfahrt nicht entschieden haben, was sie anzieht und welche Tasche sie selbst nimmt 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s