Ausweitung der Kampfzone?

Och nee, Leo. Jetzt übertreibst Du aber.

Das war meine spontane Reaktion als vor kurzem Leo’s zenhabits Post mit dem Titel „Challenge: Buy Nothing Until 2013“ in mein Postfach rauschte. Ich schätze Leo Babauta, dessen Blog ich seit Jahren verfolge und der auch an meinem eigenen Blog ganz und gar nicht unschuldig ist, wirklich sehr. Aber nach Minimalismus ist mir in der Weihnachtszeit gar nicht zumute.  Weihnachten soll voller Sinnesfreuden sein. Voller Düfte, Aromen, Leckereien, Lichterglanz, Musik und ruhig auch ein bisschen Glitzer. Und das beißt sich für mich mächtig mit Minimalismus. Dachte ich.

Dehalb habe ich das Post gar nicht erst gelesen.

Jedenfalls nicht, bis ich zwei Tage später leicht frustriert aus einem Dekogeschäft kam. Ich hatte gar nicht vor, weitere Weihnachtsdeko zu kaufen. Auch da habe ich nämlich mehr als genug. Aber mein Lieblingskollege wollte mir einen Gefallen tun und hat mich mit zum führenden Kölner Floristik-Bedarf genommen, für den er eine der begehrten Einkaufskarten besitzt. Dort bekommt man (fast) alles, was das Dekoherz begehrt – zum Einkaufspreis der Floristen.Und ich konnte natürlich nicht widerstehen, mir das mal reinzuziehen.

Eigentlich habe ich mich wacker geschlagen und nur ein  paar Sterne und Herzen als Geschenkanhänger, ein textiles Adventskalender-Engelchen mit allerhand Täschken und Säckchen zum selbst befüllen für den Liebsten und einen Kerzenständer in Antik-Rost gekauft. Vor meiner Shoppingdiät wäre das ganz anders gelaufen.

Aber der Kerzenständer ist zum Beispiel nur deshalb mitgegangen, weil ich vor ein paar Jahren fast das gleiche Modell in einem Blumenladen gesehen habe. Nur war es mir damals zu teuer. Jetzt habe ich es wirklich nur gekauft, weil es halt so schön günstig war. Gerade mal ein Drittel des damaligen Verkaufspreises. Ist doch toll, oder? Na ja, vielleicht doch nicht, wenn man so einen Kerzenständer-, Windlicht- und Laternenfimmel hat wie ich. Ich mag abends halt am liebsten Kerzenlicht und bin entsprechend ausgestattet.

Und, ähem: einen textilen Weihnachtskalender für den Liebsten habe ich eigentlich auch noch aus dem Vorjahr. Der hatte zwar kleine funktionale Nachteile, aber nicht so schlimm, dass ich ihn nicht nochmal hätte nutzen können. Und (wenn ich nur mehr Zeit hätte) könnte ich so ein Ding nun wirklich auch locker selber nähen.

So sind für das bisschen Kram dann doch über 50 Euro zusammen gekommen – und in mir ist aus diversen Gründen ein schales Gefühl zurück geblieben. Erstens hatte ich noch 5 Minuten vor dem Angebot meines Kollegen überhaupt nicht vor, irgendwelchen Dekokram zu kaufen. Und zweitens baut sich bei mir immer mehr ein Unbehagen auf, wenn ich die Tonnen an Chinakram in den Dekoläden sehe. Tonnen von Zeug, von denen ein Großteil wahrscheinlich das nächste Weihnachten nicht erleben wird. Zeug, das vermutlich unter ebenso bedenklichen Umständen und aus ebenso bedenklichen Materialien hergestellt werden wie die vieldiskutierte Kleidung. Zeug, das handwerklich eben meistens nicht gut gemacht ist – und trotzdem mit seinen niedrigen Preisen gutes Handwerk hier in Europa und anderswo kaputt macht.

Dann habe ich gestern gelesen, dass Annemarie Leos Post (im Gegensatz zu mir) offenen Herzen aufgenommen hat. Und seither formt sich in mir der Gedanke, zwar nicht Leos Challenge 1:1 zu folgen, aber meine Shoppingdiät etwas auszuweiten: auf Dekosachen und auf dekorative Kosmetik – ausgenommen dringender Ersatzbedarf. Dekorativ-Kosmetisch bin ich seit der berühmten 30%-Aktion eh mehr als gut ausgestattet und ich würde gerne auch diese Ersatzbefriedigungstür noch schließen.

… und was Weihnachten betrifft:

Mal abgesehen von dem Verzicht auf Geschenke, der gar nicht geht, wenn ich nicht mein komplettes soziales Umfeld vor den Kopf stoßen will, würde mein Weihnachten mit der Challenge gar nicht schlechter werden. Ohne diese blöde Herumrennerei nach Geschenken für Leute, die schon alles haben, wäre es sicher noch besser. Aber wie gesagt, das ist nicht drin. Noch nicht.

Eigentlich mag ich doch nicht den ganzen Konsumterror, sondern die schöne Weihnachtsstimmung, das Kerzenlicht, die Gerüche, das Plätzchenbacken, die Weihnachtsmärkte, das Zusammensein mit Freunden und Familie –  und vor allem die Idee, die eigentlich hinter Weihnachten steht: Hoffnung und Neuanfang. Und seit Jahren sehne ich mich nach einer wirklich besinnlichen Adventszeit.

Da hatte ich gestern Abend ein schönes Erlebnis:

Wir waren in einem Nachbarort zum Lichterfest. Die kleine Hauptstraße des Ortes ist dann mit Kerzen beleuchtet, alle kleinen Läden sind länger geöffnet und es gibt überall Glühwein. Aber es waren nicht nur die Läden offen, sondern auch die wunderschöne 900 Jahre alte Dorfkirche. Auch ihr Innenraum war nur mit Kerzen beleuchtet und im Hintergrund liefen leise gregorianische Gesänge. Das war wunderbar stimmungsvoll und richtig meditativ. Ein Stück Weihnachten, wie ich es mir öfters wünschen würde.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein schönes erstes Adventswochenende.

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6 Antworten zu Ausweitung der Kampfzone?

  1. Annemarie schreibt:

    Ih finde das immer so schön festzustellen, dass man mit seinen Gedanken nicht alleine ist und sich in anderen Artikeln wiederfindet! Danke!

  2. nukimama schreibt:

    Willkommen im Club 🙂
    Ich habe mir heute drei Feen gegönnt, aber einige Sachen wieder aus dem Korb geräumt und den Betrag sofort aufs Sparbuch gebucht. Außerdem endlich wieder Servietten, Geschenksbänder und für das letzte noch offene Weihnachtsgeschenk Wolle. Die Feen durften mit, weil ich voriges Jahr gar nichts gekauft habe.

    Ich hab die Schenkerei auch nicht abgeschafft, weil es mir wichtig ist, meinen liebsten Menschen eine Freude zu machen. Aber es hält sich finanziell in Grenzen. Meine Tochter ist unglaublich bescheiden, mein Mann im Alltag in jeglichem Sinn immer unglaublich großzügig, ich freu mich diebisch, dass ich für beide was erraten habe. Niemals geht es aber um einen möglichst hohen Betrag, sondern um den Wunsch, egal ob der jetzt 10,- kostet oder 100,-. Und der Rest der Familie kriegt Selbstgemachtes. Wir haben auch alle miteinander festgestellt, dass es uns viel mehr bedeutet, dass wir alle friedlich, gesund, glücklich und sicher schöne Tage miteinander verbringen dürfen. Zu Weihnachten wird einem auch immer wieder bewusst, dass das nicht selbstverständlich ist. Von da her brauche ICH gar keine Geschenke. Ich wünsche mir auch nichts Materielles, sondern einfach „nur“ eine schöne Zeit. DAS ist für mich Weihnachten.

    • konsumrebellin schreibt:

      Geht mir auch so. Eigentlich muss ich keine Geschenke haben, eine schöne Weihnachtszeit reicht mir. Andererseits macht es mir schon großen Spaß, Geschenke zu machen. Aber mir wäre auch lieber, es ist einfach etwas Nettes, Kleines, mit Liebe ausgesuchtes oder Selbstgemachtes. Vielleicht ist das ein Projekt fürs nächste Jahr.
      Allerdings ist der Liebste auch immer unglaublich großzügig, da meine ich immer mithalten zu müssen 😉

  3. Nessy schreibt:

    Also dieses Dekozeugs ging mir beim Adventshoppen auch irgendwie aufm Keks, das riecht schon immer von weitem total chemisch und … brrr… Und bei den echten Tannenzweigen.. gut da werd ich wohl doch noch zuschlagen, so ein kahler Strohadventskranz ( den ich letztes Jahr von den trockenen Zweigen befreit hab..) naja der sieht einfach nur erbärmlich aus.

    Bei Weihnachtsgeschenken gibts schon lange diese Verbrauchsgeschenke oder gewünschtes. So Staubfänger mag ich überhaupt nicht. Die will ich auch niemandem zumuten.

    • konsumrebellin schreibt:

      Ich habe mir letztes Jahr in einem guten Blumengeschäft einen recyclebaren Kranz aus so bizarren blattlosen Zweigen gekauft. Das ist eine feine Sache, weil man ihn immer anders schmücken kann und er nicht ab dem 3. Advent schon nadelt. Meinen Restbedarf an grünen Nadelzweigen kann ich zum Glück in unserem Garten decken, wo es reichlich Kiefern, Eiben, Wacholder etc. gibt.

      Verbrauchsgeschenke zum Essen, Trinken, Aufsprühen, Eincremen etc. finde ich auch ideal … das freut meistens, steht nicht im Weg rum und bringt niemanden in Verlegenheit (zur Not kann man die Sachen ja weiter verschenken). Alles, was mit persönlichem Geschmack zu tun hat, ist eh sehr schwierig – da muss man jemanden schon sehr gut kennen.

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