Mach. Es. Selbst.

Sei kreativ. Nutze, was Du hast.

Und ich hatte eigentlich eine Menge: einen großen Garten voller Kiefern, Eiben, Koniferen, Wacholder. Orangefarbene Hagebutten an den Kletterrosenbüschen. Hinterm Haus einen Wald voller Stechpalmen und Efeublüten. Und zudem war der Liebste gerade mit seiner Stihl beim Nachbarn, um eine außer Rand und Band geratene Blaufichte abzusägen.

Trotzdem musste ich mir letzten Samstag obiges Mantra immer mal wieder aufsagen. Nachdem wir den großen Olivenbaum Richtung Winterquartier bugsiert hatten, harrte nämlich jetzt eine ziemlich leere Terrasse der adventlichen Dekoration. Und mein erster Impuls war, ins Auto zu steigen, zum nächstgelegenen OBI zu fahren und dort ein paar große und kleine Zuckerhutfichten einzuladen – am besten nebst passenden geflochtenen Weidenkörben.

Aber halt mal.

Lass das. Sagte ich mir. Du hast einen Garten und einen Wald voller Grünzeug. Vom Nachbarn kannst Du Blaufichte haben. Hinterm Haus steht eine ganze Batterie schöner Terrakotta-Töpfe. Und den kegelförmigen Buchs vom Balkon kann man prima als Weihnachtsbäumchen missbrauchen. Jetzt schau mal, wie weit Du mit Bordmitteln kommst.

Nun ist es nicht so, dass ich nicht schon früher auf die Idee gekommen wäre, das reichlich vorhandene Naturmaterial und meine ebenso reichlich vorhandenen Pflanzgefäße zu nutzen. Das habe ich natürlich auch schon gemacht. Der Grund für meinen Drang zum OBI war ein anderer: Ich hatte irgendwo so eine schöne weihnachtliche Knuffelfichten-im-Weidenkorb-Deko gesehen. Und genau so eine wollte ich jetzt auch haben.

Und was wäre daran so falsch?

Erstens würde mich das vermutlich wieder an die hundert Euro kosten. Zweitens erleben diese in der Vorweihnachtszeit gekauften Zuckerhutfichten meist den nächsten Sommer nicht. Und falls doch, stellt sich die Frage: Wohin damit? Die geflochtenen Körbe würden vermutlich über den Winter vergammeln. Drittens – und das war eigentlich am wichtigsten – wäre das einfach eine dekadente Ressourcenverschwendung. Wenn man doch alles für eine schöne selbstgemachte Deko hat. Und das nur, um ein Bild umzusetzen, das einem im Kopf herumgeistert. Ich nehme an, das kommt Euch auch aus anderen Bereichen – zum Beispiel Mode – sehr bekannt vor.

Ich war jedenfalls nicht beim OBI, um Knuffelfichten und Körbe zu kaufen.

Darin hat mich übrigens auch ein Buch bestärkt, das ich gerade lese: „Hab ich selbst gemacht“ von Susanne Klingner. Sie beschreibt darin, teilweise sehr witzig, ihren Selbstversuch, ein ganzes Jahr so viel wie möglich selbst zu machen. Beziehungsweise: nichts zu kaufen, was sie auch selbst machen kann. Das Buch kann ich Euch nur empfehlen. Neben ihren Erfahrungsberichten gibt es auch ein paar nette Rezepte. Das für den Quarkstollen muss ich zum Beispiel demnächst unbedingt probieren. Obwohl ich eigene Stollenbäckerei bis vor kurzem noch für eine absolut absurde Idee gehalten hätte. Sollte ich mal ein Buch schreiben, wünsche ich mir, dass es bei seinen Lesern auch so viel bewirkt.

Wie zum Beispiel bei mir und der Terrassendekoration. Ich sammelte in Garten, beim Nachbarn und im Wald jede Menge Material und als es dunkel wurde, hatte ich die Terrasse dekoriert. Es war natürlich nicht DIE Knuffelfichten-Weidenkorb-Nummer, aber eben eine andere schöne Deko. Ich zündete die beiden Laternen an und war hochzufrieden mit meinem Werk. Und noch zufriedener mit der Tatsache, dass ich meinen Kaufimpulsen nicht nachgegeben, sondern Vorhandenes kreativ genutzt habe.

Wir fuhren dann noch zum mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in Siegburg – unser beider Lieblingsweihnachtsmarkt. Und nach Marktschluss begannen doch tatsächlich die ersten Schneeflocken gen Erde zu taumeln. Wie romantisch! Und da Schnee im Rheinland ziemlich selten ist, nutzen wir die Gelegenheit und machten bei uns zuhause noch einen Spaziergang durch die wirbelnden Flocken und freuten uns am unberührten Schnee. Wir waren übrigens die einzigen draußen. Der Rest des Ortes verpasste vermutlich vor der Glotze sitzend das Schauspiel.

Nun ja. Für mich war es jedenfalls ein gelungener Abschluss eines befriedigenden Tages. Und falls am Wochenende mal wieder die Sonne scheint, liefere ich auch noch ein paar Dekobilder nach 😉

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Bücher, Do it Yourself, Downscaling, Shoppingdiät + Konsumverzicht abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Mach. Es. Selbst.

  1. nukimama schreibt:

    Das klingt nach einem wunderschönen Wochenende 🙂
    Ich war auch am Sonntag ganz allein in dichtem Schneegestöber spazieren. Musste mich erst überwinden, aber dann war es wunderschön.

    Und das mit der Deko lässt sich so wunderbar umlegen auf so viele Dinge, bis hin zur Adventstimmung insgesamt: es kommt immer drauf an, was man selber draus macht 🙂

    • konsumrebellin schreibt:

      Ja, das war ein wunderschönes Wochenende. Am Sonntag habe ich noch neue Plätzchensorten ausprobiert, die toll geworden sind. Ich muss sie schon vorm Liebsten verstecken, damit sie wenigstens noch die zugehörige Glasur erleben 😉

      Und mit dem Umlegen auf andere Dinge hast Du völlig recht. Man muss nur dem dämlichen Impuls widerstehen, immer alles sofort und fertig und perfekt kaufen zu wollen. Und: Echte Adventsstimmung kann man sowieso nicht kaufen und Freude am Schneegestöber auch nicht. Zum Glück 😉

  2. Mini_Cologne schreibt:

    Das Buch hab ich auch schon gelesen und finde es total super.

    Und witzigerweise steht bei mir am Sonntag auch der Siegburger Markt im Kalender.

    Freue mich immer wieder deine Beiträge zu lesen.

  3. Pingback: Kein Weihnachtspullover. | KonsumRebellion

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s