Doch ein Weihnachtspullover.

Ich habe mir doch einen Weihnachtspullover gekauft.

Allerdings keinen aus Kaschmir, sondern einen aus Papier. Keine Sorge, ich laufe nicht als raschelndes, in Papier verpacktes Riesengeschenk herum. Zu solch seltsamen Handlungen treibt mich meine Shoppingdiät noch längst nicht. Und so weit wird es wohl auch nicht kommen.

Der Pullover ist kein richtiger Pullover, sondern Glenn Becks Buch „Der Weihnachtspullover“. Darin geht es um den zwölfjährigen Jungen Eddie, dessen Mutter nach dem Tod ihres Mannes schwer zu kämpfen hat. Eddie wünscht sich zu Weihnachten schon seit Monaten nur eine einzige Sache: ein knallrotes Fahrrad. Kurz vorm Weihnachtsabend hat er sich völlig in die Sache hineingesteigert und alle seine Gedanken kreisen nur noch um das heiß ersehnte Fahrrad. Aber am Weihnachtsmorgen bekommt er statt des Fahrrads nur einen selbstgestrickten Pullover von seiner Mutter.

Trotz mehrerer Jobs konnte sie sich das Fahrrad einfach nicht leisten. Eddies Enttäuschung ist riesengroß. Alles außer dem Fahrrad (oder genügend Geld, um eins zu kaufen) erscheint ihm völlig wertlos – auch die Liebe seiner Mutter und seiner Großeltern. Mit seinem Verhalten setzt er eine Negativspirale in Gang, die ins komplette Desaster führt.

Bemerkenswert ist, dass Eddie das Fahrrad gar nicht in erster Linie will, weil er vom Fahrradfahren träumt. Er will es, weil alle seine Freunde eins haben. Und weil er sich erhofft, dass dieses Fahrrad sein Leben verändert. Dass mit diesem Fahrrad alles wieder so wird wie früher, als sein Vater noch lebte.

Kommt Euch das bekannt vor? Ihr wünscht Euch wahrscheinlich kein knallrotes Bonanza-Rad. Aber was wollten wir nicht alles schon haben, nur weil andere es hatten? Auf wie viele Dinge haben wir schon den Wunsch projiziert, sie mögen unser Leben verbessern? Und dabei glatt übersehen, dass sie das nicht können. Und auch nicht sollen.

Eddies Mutter sagt angesichts seiner Enttäuschung: Nur du allein hast es in der Hand, ob du glücklich oder unglücklich bist. Kein Ding auf der Welt, auch kein Fahrrad, wird das für dich tun können. Wahre Worte, die bei Eddie leider auf taube Ohren stoßen.

Das Buch berührt eine Menge Fragen, um die es auch in meinem Blog und denen meiner Mitstreiterinnen geht. Und dabei liest es es auch noch so spannend, dass ich es förmlich verschlungen habe. Also eine klare vorweihnachtliche Leseempfehlung. Und für die Sensiblen unter euch sei noch so viel verraten: Es ist ein Weihnachtsbuch. Also geht es natürlich gut aus – auch wenn es lange gar nicht so aussieht.

„Der Weihnachtspullover“ hat übrigens auch mein harsches Urteil über einige meiner Mitmenschen relativiert. Mehr dazu gibt’s im nächsten Post.

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7 Antworten zu Doch ein Weihnachtspullover.

  1. oh das klingt ja ur schön. hab bei deiner Zusammenfassung schon fast nasse Augen bekommen… ich hab auch an eines meiner absoluten Lieblingsbücher denken müssen: „Superhero“ von Anthony McCarten. (Aber Achtung, ganz schwere Heulgefahr)

    • konsumrebellin schreibt:

      Uups, stelle gerade fest, dass ich deinen Kommentar aus Versehen nicht als „Antwort“ beantwortet, sondern einen eigenen Kommentar drunter gesetzt habe. Also bitte einfach noch mal in die Kommentare unter meinem Post schauen 🙂

  2. konsumrebellin schreibt:

    Ist auch sehr schön. Habe bei amazon gerade mal geschaut, worum es bei „Superhero“ geht und kann die schwere Heulgefahr gut nachvollziehen 😉

    Übrigens: Herzlich willkommen im Shoppingdiät-Club – und meine tiefe Bewunderung für dieses wunderbar schrullige Wort „Klumpert“ 😉 Wo habt Ihr Österreicher nur immer diese coolen Wortschöpfungen her???

  3. fraudehnertsallerlei schreibt:

    Dieses „Alle-anderen-haben-es-und-deshalb-will-ich-es-auch-weil-ich-dann-bestimmt-glücklicher-bin“ kenn ich auch und momentan scheint es sogar mein Studium zu sein. Also eigentlich etwas, was man noch nicht mal kaufen kann! (Naja, sehen wir von dem Semesterbeitrag mal ab!^^) Und dennoch muss ich mir die Frage stellen, ob es wirklich das ist, was mich richtig glücklich macht. Oder ob ich nicht doch eher Praktikerin bin.

    Was ich sagen will: Dieses Phänomen triit nicht nur als Materialgut auf. Und ich will das Buch haben! 😀

    • konsumrebellin schreibt:

      Aber du willst doch sicher nicht nur studieren, weil andere das auch machen? Ein Studium kann schon eine coole Zeit sein (wenn man es nicht zu ernst nimmt) und damit gewissermaßen auch glücklich machen. Aber ob es längerfristig für Glück sorgt, kommt sehr darauf an, ob das, was man will, nur mit einem Studium zu erreichen ist. Schwierige Frage.

      Aber zumindest dem „Will-haben-Effekt“ bezüglich des Buches kannst Du ja ganz entspannt nachgeben. Viel Spaß beim Lesen 😉

  4. nukimama schreibt:

    Das „Habenwollennnurweilesdieanderenhaben…“ ist eigentlich ein Urmotor der Gesellschaft, aber was fruchtbaren Ehrgeiz bringen kann, ist wohl in unserer Zeit in maßlosen Konsum ausgeartet. Und manchmal dehnt es sich aus auf Jobs (wo immer die anderen die cooleren, lukrativeren haben) und manchmal auch auf Beziehungen (wo die anderen immer die schöneren, großzügigeren, reicheren… ). Klar ist ein gewisser Ehrgeiz wichtig, sonst wird man irgendwann zum Phlegmatiker. Aber das Allerwichtigste im Leben ist, machmal einfach zufrieden zu sein. Ich glaub, das kann man sich nicht oft genug ins Gedächtnis rufen.

    Weil wir übrigens beim Thema „Heulbücher“ sind: Das Orangenmädchen.

  5. Pingback: Weihnachtsschulden. | KonsumRebellion

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