Shoppingdiät Update #21: Die Begierde schläft.

„Wenn die Begierde geweckt ist, gerät der Geist in einen unruhigen, undisziplinierten Zustand und misst Dingen Eigenschaften zu, die sie nicht haben.“

Dieser Ausspruch eines Meditationslehrers ist ein Zitat aus dem Buch, das ich gerade lese. Und der Mann hat ja sowas von recht. Ich wünschte, ich hätte das schon früher gelesen. Als ich noch mit permanent geweckter Begierde durch die Läden gezogen und überhaupt durchs Leben getrieben bin.

Nur, dass mir das gar nicht richtig klar war. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass die Begierden ausschließlich von außen geweckt wurden und nicht etwa tieferen Bedürfnissen entsprangen.

Der beste Beweis dafür ist meine Shoppingdiät. Da hat sich schnell eine unerwartete, aber geniale Nebenwirkung eingestellt: eine sehr wohltuende Beruhigung meines Geistes. Nachdem ich mich ganz bewusst auf Distanz zu den Objekten meiner Begierde begeben hatte, verschwand eben diese Begierde nämlich sehr schnell. Und mit ihr alle inneren Kämpfe um das Kaufen oder Nichtkaufen irgendwelcher Sachen. Das häufig schlechte Gewissen, wenn man gekauft hat. Oder die Verlustangst, wenn man nicht gekauft hat.

Natürlich ist damit nicht alles in meinem Leben automatisch klar und gut geworden. Aber zumindest habe ich eine ganz erhebliche Störquelle ausgeschaltet.

Und als die Begierde zum Beispiel im November urplötzlich mal wieder auftauchte, war das eindeutig extern induziert. Aber da war ich ja zum Glück schon so weit, das Objekt der Begierde schnell wieder auf sein reales Maß zu reduzieren: einfach nur eine unverschämt teure Lederröhre. Ein reines Fashion-Item. Die 23. Winterhose in meinem Schrank. Die ich nicht brauchte. Und seither keine Sekunde vermisst habe.

Das Grundbedürfnis, gut auszusehen und gut angezogen zu sein, habe ich natürlich noch immer. Aber wie sich seit einem halben Jahr zeigt, kann ich das sehr gut mit dem decken, was ich im Schrank habe. So ganz von selbst ist bisher jedenfalls noch kein Wunsch nach irgendwas entstanden.

Faszinierend ist, dass diese Klarheit offenbar nach ausreichend langer Shoppingdiät anhält. Wie das Beispiel von Katrin zeigt. Wenn man wirklich nur das sieht, was sich tatsächlich in den Läden tummelt – ohne das, was die Werbung oder wir selbst hineinprojizieren – scheint Kaufen deutlich schwieriger zu werden 😉

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2 Antworten zu Shoppingdiät Update #21: Die Begierde schläft.

  1. nukimama schreibt:

    Genau so ist es. Es wäscht einem das Gehirn wieder frei. Man verplempert keine Energie und Ressourcen mehr an völlig sinnlose Sachen und muss sich keine Gedanken mehr machen, ob das jetzt nicht ein Riesenblödsinn war.

    Lustigerweise ist es mir noch bei keinem DIY-Objekt so gegangen, dass ich mir gedacht hätte „Naja, das war jetzt ein Schmarrn“. Denn mit der Zeit, die ich dafür investiere, messe ich dem Stück einen gewissen Wert zu – es ist es wert, dass ich mich damit viele Stunden beschäftige.

    Damit steigt auch der Anspruch an ein neues Kleidungsstück. Ich will kein billiges Material mehr, ich setze eine gute Passform voraus. Ich kann Katrin verstehen und wette jetzt einfach einmal, dass es uns allen auch so gehen wird 🙂

    • konsumrebellin schreibt:

      So langsam glaube ich auch, dass nach der Shoppingdiät der Jojo-Effekt ausbleibt. Aber ich bin ja in einer komfortablen Situation und kann schauen, was bei den anderen passiert, die vor mir „fertig“ sind. Schließlich habe ich neben Katrin und Nunu ja bald auch dich als Versuchskaninchen 😉

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