Greenwashing oder zumindest netter Versuch?

Folgende Nachricht ist mir gerade ins E-Mail-Fach geflattert: H&M lanciert im Frühling eine neue Kollektion, die aus besonders umweltverträglichen Materialien bestehen soll (Bio-Baumwolle, Tencel oder recyceltes Polyester).

Dass Vanessa Paradis und nicht irgendein fünfzehnjähriger Hungerhaken für die Kampagne eingesetzt wird, finde ich gut. Das kann man on top als Zeichen in Richtung Nachhaltigkeit deuten. Schließlich ist sie bereits 40 und obwohl sie noch super aussieht, hat sie nach normaler Modelzeitrechnung längst das Verfallsdatum überschritten.

Und in ausgewählten Shops startet H&M eine Secondhand-Aktion: getragene Kleidung gegen Gutschein. Um – wie sie sagen – einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten und dafür zu sorgen, dass tragbare Sachen nicht weggeworfen werden.

Hier der volle Text.

Eigentlich alles sehr schön. Oder doch nur schlaue PR? Aus meiner Sicht würde H&M mehr für die Umwelt tun, wenn die Qualität besser und die Preise etwas höher wären. Dann könnte man erstens die TextilarbeiterInnen anständig bezahlen und zweitens würden die Sachen länger als zwei Monate getragen.

Aber dann kann man natürlich nicht alle zwei Monate eine neue Kollektion verticken. Und davon, dass H&M zugunsten höherer Qualität und Nachhaltigkeit ein bisschen Speed rausnehmen will, stand in dem Artikel leider nichts.

Das Positive: Zumindest sieht sich H&M genötigt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Das Negative: Wenn Nachhaltigkeit nicht nachhaltig ist, ist sie nicht nachhaltig. Und nicht ehrlich.

Aber egal. Bis ich ein H&M-Teil kaufe, müssten sich da eh noch Zeichen und Wunder tun, die ein bisschen nette PR weit übersteigen.

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4 Antworten zu Greenwashing oder zumindest netter Versuch?

  1. Björn schreibt:

    „Der von H&M kürzlich angekündigte Umstieg auf „nachhaltige Baumwolle“ ist eine echte Mogelpackung. Denn was erst einmal sehr fortschrittlich klingt, ist nicht wirklich ehrgeizig: H&M plant nämlich bis 2020 keinen völligen Umstieg auf Bio-Baumwolle, wie es der Konkurrent C&A kürzlich mitgeteilt hatte. Vielmehr fallen nach der Lesart von H&M auch recycelte Baumwolle und „Better Cotton“ unter den Begriff nachhaltige Baumwolle.

    Bei den letztgenannten Fasern geht es aber weder um fairen Handel noch um ökologisch erzeugte Faser. So fallen die Kriterien für „Better-Cotton“ ein gutes Stück hinter den Kriterien anderer Labels wie dem EU-Bio-Siegel und dem Fairtradesiegel zurück.“

    Quelle:
    http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=11614;gartnr=90;bernr=10

  2. nunette schreibt:

    Dieses „enthält Biobaumwolle“, da hakt es bei mir, das können fünf Prozent auch sein. Es ist zwar so, dass der Textilschwede mengenmäßig die größten Anteile der weltweiten Biobaumwollproduktion kauft und so den Biobaumwollanbau pusht, aallerdings ist das immer noch ein verschwindend kleiner Teil in seinen Kollektionen. Achtung aber: Better Cotton ist nicht gleich Biobaumwolle! Better Cotton ist – mit Verlaub – ein ziemlicher Scheiß, weil er noch dazu Gentechnisch verändertem Saatgut Tür und Tor öffnet. Allerdings hat der Textilschwede auch wirklich Biobaumwollteile. Das, wo es bei mir immer wieder hakt, ist: Ok, er geht Ameisenschritte in die richtige Richtung und verkauft sie nach außen als Dreimeter-Schritte. Auf der anderen Seite: Er MACHT Ameisenschritte. Das sofort kaputtzutreten, wäre auch nicht richtig. Ich möchte den Textilschweden nicht in Schutz nehmen, seine voll-auf-bio-Einstellung nach außen ist genauso falsch wie seine voll-auf-sozial-gerecht-Einstellung (wo er anderen großen Konzernen sogar noch viel weiter hinterherhinkt), aber er tut was, er weißt lautstark darauf hin, dass Bio ein Thema ist in der Baumwollindustrie. Das muss man ihm wirklich zu Gute halten.
    Was ich sehr wohl verurteile, ist die Verarsche der Kunden, und was man den Kunden alles als „nachhaltig“ bzw. in einem engeren SInne als „nachhaltige Baumwolle“ verkauft.

    Vertrackte Sache. Ich tu mir immer schwerer, mir ein Bild zu machen.

    • konsumrebellin schreibt:

      Das sehe ich auch so: Besser irgendwas tun als gar nix. Aber das Irgendwas darf halt nicht nur ein Feigenblatt sein, hinter dem man sich dann richtig schlimm aufführt.

      Das Kunden-Verarschen ist nämlich sehr schädlich. Erstens vergrätzt man damit die, die es ehrlich meinen. Zweitens liefert man denen, die das alles nicht interessiert, die beiliebte Entschuldigung: Ach bio, fair, nachhaltig – das ist doch eh alles nur Marketing.

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