Brotlose Kunst, Schummelei, Völlerei und die minimale Dosis Sport.

Ich bin euch noch ein paar Antworten zu meinem Vier-Stunden-Körper-Zusammenfassungspost schuldig. Et voilà, hier sind sie:

Ist diese brotlose Diät nicht ganz schön radikal?

Nein, eigentlich nicht. Es gibt viele moderne Ernährungsansätze, die darauf bauen, den Blutzuckerspiegel möglichst konstant und niedrig zu halten. Nicht nur, weil das gut für die Figur ist. Außer der DGE, die noch immer Massen von Kohlenhydraten als gesunde Kost preist, hat es inzwischen fast jeder begriffen: Das Ausmaß, in dem wir Kohlenhydrate zu uns nehmen, führt gerade bei unserem bewegungsarmen Lebensstil fast automatisch irgendwann zum Entgleisen des Stoffwechsels. Mit Diabetes, Metabolischem Syndrom und anderen unappetitlichen Erkrankungen als Folge.

Wer das gern maximal seriös und wissenschaftlich fundiert hätte, der lese das Kapitel zu den Kohlenhydraten in Dr. Paolo Colombanis Buch „Fette Irrtümer“. Das dürfte der Liebe zu Stärke und Zucker einen schönen Dämpfer verleihen. Dazu sei noch angemerkt, dass Dr. Colombani im Gegensatz zu Tim Ferriss als übervorsichtiger Wissenschaftler jegliche Übertreibung meidet. Umso erstaunlicher die deutlichen Worte, die er zur weit verbreiteten Kohlenhydratmast findet.

Eine schöne Ergänzung – und eine gute Alternative für alle, denen Tim Ferriss zu drastisch ist – sind die LOGI-Bücher von Dr. Nicolai Worm. Sehr nett aufgemacht, gut erklärt und außerdem mit schönen LOGI Rezepten ausgestattet.

So viel anders ist die Slow-Carb-Diät von Tim Ferriss auch nicht. Einziger Unterschied: Tim hat im Sinne eines schnelleren Fettabbaus die Milchprodukte und das Obst weggestrichen, die bei LOGI durchaus erlaubt sind.

Kurz gesagt: Eigentlich spricht sowieso vieles für eine Low Carb Ernährung, wenn man keinen Wert auf stete Gewichtszunahme und Diabetes legt.

Klar, sind die meisten von uns – ich auch – von unserer Sozialisierung her Brotjunkies. Aber nach einer kurzen Umgewöhnungsphase, vermisst man das kaum noch. Weitere Vorteile der Diät sind: Man isst automatisch mehr Gemüse.  Wird immer satt. Und der Heißhunger auf Süßes verschwindet ganz von alleine.

Besser 80 Prozent als gar nicht

Im übrigen funktioniert die Slow Carb Diät auch noch, wenn man hier und da mal schummelt.

Grundsätzlich gedenke ich nicht, mich fürs nächste halbe Jahr aus dem sozialen Leben zurück zu ziehen. Wenn also Geburtstagsrunden im Büro, Treffen mit Freunden unter der Woche oder ähnliches stattfindet, werde ich nicht griesgrämig an einem Proteindrink lutschen. Aber das sind ja eher Ausnahmen. Die meisten Parties und Einladungen sind praktischerweise am Samstag, an dem eh alles geht.

Es gibt aber auch ein paar regelmäßige Abweichungen von der reinen Lehre, die ich mir erlaube:

Ich esse zum Beispiel auch gelegentlich abends mal ein, zwei Scheiben Roggen- oder Dinkelvollkornbrot. Wenn die Zeit knapp ist. Und um meinen Liebsten gar nicht erst auf die Idee zu bringen, dass er (ungefragt) an einer Diät teilnimmt.

Ungesüßtes Proteinpulver nur mit Wasser, wie von Tim vorgeschlagen, geht bei mir gar nicht. Sowas Widerliches bekomme ich nicht runtergewürgt. Also mache ich mir den morgendlichen Proteindrink mit Buttermlich, Vanille, etwas Stevia und einer kleinen Handvoll TK-Beeren. Buttermilch hat wenig Laktose und Beeren wenig Fruktose. Dafür wird das Proteinzeugs plötzlich genießbar.

Und wenn nachmittags zum Kaffee doch mal Appetit auf Süßes aufkommt, helfen ein, zwei Stück dunkle Schokolade. Idealerweise mit einem Kakaogehalt von 85% aufwärts.

Tims Segen für kleine Schummeleien hat man jedenfalls. Er vertritt die vernünftige Ansicht, dass es besser ist, eine Diät mit Abstrichen durchzuhalten, als eine 100%-Diät nach einer Woche entnervt aufzugeben. Außerdem habe ich ja vor zwei Jahren gesehen, dass es auch mit ein bisschen Schummeln funktioniert.

Und das Beste ist: Einmal die Woche darf man’s ja so richtig krachen lassen.

Aber warum der „Fresstag“?

Ganz einfach: Durch das Schlemmen wird der über die Woche gesunkene Leptinspiegel wieder in die Höhe gepusht. So schaltet der Körper nicht in den „Notmodus“, der den Grundumsatz senkt und für Abnehmplateaus und den gefürchteten Jo-Jo-Effekt verantwortlich ist. Darum ist dieser Fresstag auch obligatorisch. Ohne nehmt ihr auf Sicht nicht etwa schneller ab, sondern langsamer oder gar nicht mehr.

Außerdem nimmt er ganz wunderbar den mentalen Druck raus: Der Gedanke, NIE mehr Kuchen, Pasta, Pizza, Baguette etc. zu essen, ist grauenhaft. Das hält kein Mensch durch. Aber man kommt ganz gut damit klar, das alles nur einmal die Woche zu essen. Und das ganz ohne schlechtes Gewissen.

Übrigens: ein klassisches Frühstück mit frischen Brötchen und Konfitüre etc. lasse ich mir auch am Sonntag nicht nehmen. Dafür schaue ich, dass das Abendbrot dann wieder passt.

Und was ist mit Sport?

Da sollte man aus meiner Sicht eine feine Unterscheidung zwischen Pflicht und Kür treffen.

Pflicht – oder zumindest dringend empfohlen – ist die minimale effektiven Dosis an Training, die Tim als Ergänzung zur Slow Carb Diät vorschlägt, um den Fettabbau zusätzlich anzuschubsen und an den richtigen Stellen Muskeln aufzubauen bzw. auszubauen. Denn ein flacher Bauch ist schön, aber ein platter Hintern nicht.

Und dieses Dosis ist wirklich sehr übersichtlich: Pro Woche morgens dreimal das „Workout für den perfekten Hintern“ absolvieren, das aus  20 x halbe Brücke, 15 x Arm-Bein-Heben (Flying Dog) und 50 Kettlebell-Swings besteht. Ich mache zusätzlich für den Bauch noch Planks und die Übung mit dem schönen Namen „Die kotzende Katze“. Für die Swings nehme ich zur Zeit eine 12 kg Kettlebell (Kugelhantel). Falls ihr eher untrainiert seid, solltet ihr allerdings mit einer leichteren Kettlebell anfangen, bevor euch das Teil durch die Scheibe fliegt. Die Anleitungen für diese und weitere Übungen gibt es im Buch bzw. auf der Website www.fourhourbody.com.

Soweit die Pflicht. Diese erfüllt zu haben, heißt aber nicht, dass man den Rest der Zeit auf dem Sofa herumkugeln soll. Gerade wenn man täglich im Büro acht Stunden auf seinem Allerwertesten sitzt, reichen 3 x 10 Minuten Workout pro Woche sicher nicht aus, um fit und gesund zu bleiben. Das ist, wie gesagt, nur die gezielte Dosis für die Körperformung. Wie eure Kür aussieht, liegt ganz bei euch: Laufen, Walken, Yoga, dem-Hund-hinterherjagen – alles prima. Hauptsache man kriegt den Hintern hoch.

Ich persönlich werde natürlich wieder das Mountainbike aus der Garage holen, sobald Schnee und Eis entschwunden sind. Bis dahin muss schnelles Wandern reichen 😉

So, das war der Rest der technischen Details und meiner Anmerkungen zum Vier-Stunden-Körper. Mehr geballte Ernährungs- und Fitnessinfos habt ihr nicht zu befürchten. Dafür lest bei Interesse mal lieber selbst das Buch von Tim Ferriss.

Ich ziehe jetzt brav mein Slow-Carb-Projekt durch und werde mich dazu nur gelegentlich mit einem Update melden.

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9 Antworten zu Brotlose Kunst, Schummelei, Völlerei und die minimale Dosis Sport.

  1. dobena schreibt:

    Viel Erfolg beim Slow-Carb-Projekt! Ich zieh das jetzt auch schon eine Weile durch und finde es (wenn man sich einmal dran gewöhnt hat) recht einfach umzusetzen – und die Erfolge motivieren einen natürlich!
    Dein Shopping-Diät-Projekt finde ich auch total klasse, habe mir Shopping-Fasten für dieses Jahr fest vorgenommen, mal sehen wie es läuft 🙂

    • konsumrebellin schreibt:

      Lieben Dank und dir auch viel Erfolg sowohl bei deinem Ten-Weeks-Body-Change Programm als auch bei der Shoppingdiät. Die macht ja sowieso Sinn, wenn du gerade abnimmst. Wäre doch blöd, jetzt Sachen zu kaufen, die dir später viel zu groß sind 😉

  2. essen & l(i)eben schreibt:

    sehr schöne Zusammenfassung vom 4-Stunden-Körper. viel Erfolg für Dich!

  3. Pingback: (S)low Carb Update #2: Amore Mio, äh Bio. | KonsumRebellion

  4. Stöbere gerade durch Deinen Blog 🙂 Super Artikel!
    Ich musste gerade echt schmunzeln, denn ohne irgendeinen Tipp aus einem Buch, habe ich nach meiner 14-tägigen „Vegan For Fit-Challenge“ meine Ernährungsweise quasi auch ähnlich geändert wie Du hier beschreibst. Möglichst Low-Carb viel Gemüse und Proteine und dann immer wieder den von Dir so schön genannten Naschtag. Wobei bei mir sind das meistens 2 Tage, Freitag und Samstag oder Samstag und Sonntag. Und Du hast absolut Recht, ganz auf Pasta, Reis, Quiche und Tartes, Pizza oder Kuchen will kein Mensch verzichten. So ein Leben möchte ich mir zumindest nicht aufdiktieren. Daher ist das wunderbar, wenn man sich einmal die Woche solch ein Gericht wirklich ohne schlechtes Gewissen und mit Genuss gönnt. Das reicht vollkommen aus und man lebt nicht in völliger Askese bis man die nächste Heißhunger-Attacke hat und alle guten Vorsätze doppelt und dreifach in den Himmel schießt.
    Interessant und kaum zu glauben ist in der Tat die Tatsache, dass die Lust auf Kohlenhydrate und Süßes wirklich mit dem Verzicht darauf schwindet. Das merke ich alleine schon an meinem Naschtag. Wenn ich mit Brötchen frühstücke möchte ich unbedingt Mittags Kuchen. Wenn ich Abends Nudeln esse muss noch ein süßes Dessert hinterher. An den anderen Low-Carb Tagen habe ich solche Gelüste so gut wie nie 🙂
    Viele Grüße Claudi!

    • konsumrebellin schreibt:

      Danke für die Blumen 🙂 … das ganze (S)low-Carb-Projekt ist für mich eigentlich auch schon kein „Projekt“ mehr, sondern eine Ernährung, die bleiben wird – natürlich mit einigen Modifikationen an Tim’s Radikalkur. Und ja, bei mir ist es eher auch ein „freies“ Wochenende als ein einzelner Naschtag. Aber lustigerweise stelle ich fest, dass sich hier zumindest beim Abendessen immer mehr ganz freiwillige Low-Carb-Essen einschleichen 😉

  5. Also wir scheinen echt Seelenverwandte bezüglich unserer Ernährungsweise zu sein. Obwohl ich nach der Challenge mir vorgenommen habe, am Wochenende zu „schlemmen“ schleichen sich bei mir auch immer mehr Low-Carb-Gerichte auch am Wochenende ein 😉 So plane ich meist Sonntagabends schon wieder ein proteinreiches Abendessen ein (meist Fisch oder Fleisch mit einer Gemüse/Sal, vor allem weil ich ich Sonntags ganz häufig mehrere Stunden Sport mache, so dass ich Abends mich mit Proteinen vollhauen will. Und somit ist Samstagabend dann meisten Pasta oder Reis angesagt, um meine Kohlenhydrate Reserven für den sportreichen Sonntag zu füllen. Achja und Freitags ist meist mein Flammkuchen/Tarte/Quiche Abend.
    Und Sonntags freue ich mich dann meist wieder auf meine Mittags- und Abend-Low-Carb-Gerichte der kommenden Woche 😉
    Wie sieht bei Dir denn dann das Frühstück aus? Hier doch sicherlich nicht auch Low-Carb oder? Denn Morgens heisst es bei mir immer ganz klar Carbs meist in Form von Flocken im Müsli, Porridge oder wie auch immer. LG 🙂

    • konsumrebellin schreibt:

      Bei mir gehört der Samstagabend auch eindeutig den Carbs: Pasta, Risotto, Baguette mit Käse etc. Sonntags fahre ich, soweit das Wetter passt, meist Mountainbike, was allerdings zu allgemein großem Appetit führt 😉

      Mein Wochenend-Frühstück ist klassisch: frische Brötchen, Eier, Käse, Konfitüre, Honig, Milchkaffee … in der Woche ist es Low Carb und muss fix gehen: entweder ein Smoothie mit TK-Beeren, Butter- und/oder Kokosmilch + Proteinpulver oder ein Rührei mit Tomate/Kräutern.

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