Gedanken ums Geld.

Es gibt immer mal wieder Momente, in denen ich meine Beziehung zum Geld ernsthaft hinterfrage. Gestern zum Beispiel.

Das saß ich in einem Geschäftsmeeting. Anwesend war u.a. ein ziemlich wohlhabender Mann. Unser Meeting drehte sich um das Thema Reinigungsmittel. Und um die hohen Erträge, die man damit erwirtschaften kann. Ganz besonders bei Reinigungs- und Pflegemitteln fürs Automobil.

Das ist kein Wunder. Schließlich ist das Auto der (meisten) Deutschen liebstes Kind. Und bevor man zum Beispiel Geld für anständiges Essen ausgibt, ist erst einmal die Karre optimal zu versorgen.

Aber darum geht es hier nicht. Was mich aufhorchen ließ (und nachdenklich gemacht hat), war ein Beispiel, das dieser Mann erzählte:

Er meinte, diese Automobilpflegemittel würden ja zu unglaublich teuren Preisen verkauft. Er hätte da letztens so ein Cockpit-Spray in der Hand gehabt und das hätte 5,90 EUR gekostet. Echter Wahnsinn.

Echter Wahnsinn … hä? Nach seiner Ankündigung hätte ich mit 15 oder 20 Euro gerechnet. Nicht, dass ich jemals Cockpit-Spray gekauft hätte. Aber wenn ich in die Situation gekommen wäre, hätte ich mich über die 5,90 EUR weder gewundert noch aufgeregt.

Natürlich, der Mann kennt die Herstellungskosten solcher Mittelchen. Die wiederum unfassbar niedrig sind. Deshalb wird er ähnliche Produkte demnächst auch anbieten. Zu vermutlich noch viel höheren Preisen als 5,90 EUR. Das ist jetzt nicht als Kapitalismus-Kritik zu interpretieren. Er ist  eben Unternehmer – und er wird es nicht von den Armen nehmen.

Und nein. Der Mann ist kein Scrooge-ähnlicher Geizhals, der jeden Euro dreimal umdreht und sich nichts gönnt. Aber er überlegt schon ziemlich genau, wofür er Geld ausgibt. Und hat eine Antenne dafür, was preislich ok ist und was überteuert. Ich habe das schon bei einigen ziemlich gut betuchten Leuten beobachtet.

Und ich beobachte bei weniger gut betuchten Leuten (und gelegentlich auch bei mir), dass sie mit Geld achtlos umgehen. Dass sie für alles auch die unerschämtesten Preise zahlen, ohne sich zu beklagen, zu verhandeln oder einfach zu verzichten. Vielleicht steht dahinter die Einstellung: Es lohnt ja eh nicht. Reich wird man sowieso nicht.

Aber wahrscheinlich steht dahinter noch mehr: Fehlendes Selbstbewusstsein, Geldbewusstsein und Scham. Letztlich suggerieren Werbung und Medien ja: Das kostet halt so viel und wer nicht mithalten kann, ist ein Loser. Und will sich schon gern als Loser outen?

Nee, das macht man nicht. Man will ja nicht als arm oder geizig dastehen. Interessanterweise haben Leute mit Geld da weniger Hemmungen.

Es gibt da ein schönes buddhistisches Sprichwort, dessen genauer Wortlaut mir leider entfallen ist. Aber sinngemäß geht es so: Der Arme und der wohlhabende Kaufmann unterscheiden sich dadurch, dass der Kaufmann auch die kleinen Münzen schätzt, während der Arme damit achtlos umgeht.

Das soll jetzt kein Geiz-ist-geil-Aufruf werden.

Davon halte ich absolut nichts.Ich würde zum Beispiel niemals mit dem Biobauern, der seine Hähnchen monatelang über die Wiese zotteln lässt und sie mit selbst angebauten Futter aufzieht, über den teureren Preis des Fleisches herumdiskutieren. Das ist es mir wert und es ist tatsächlich preis-wert.

Aber es schadet nichts, die Antennen auszufahren und genauer zu überlegen, wie viel Geld einem etwas wirklich wert ist. Und wo man gerade ganz böse das Fell über die Ohren gezogen bekommt.

Es ist nicht uncool, auf seine hart verdienten Euros zu achten und Preise zu hinterfragen. Zur Not auch mal laut und deutlich. Viele wohlhabende Leute – zumindest die, die ihr Geld selbst verdient haben – machen das so. Vielleicht ist das auch ein Grund, weshalb sie ihr Geld (noch) haben.

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12 Antworten zu Gedanken ums Geld.

  1. nukimama schreibt:

    Ich finde Deine Argumente – wie immer – sehr spannend, vor allem das buddhistische Sprichwort geht mir im Kopf herum und lässt mich nicht los.

    Vorab muss ich sagen, dass ich sehr dankbar bin dafür, in finanziell abgesicherten Verhältnissen zu leben. Mir sind einige dramatische Fälle von Armut bekannt, wo Leute durch Schicksalsschläge in wirklich prekäre Verhältnisse rutschen. Auf der anderen Seite kenne und beobachte ich aber auch Fälle, die man salopp als „abgebrannt“ bezeichnen würde, die aber genau das tun: Geld, das sie nicht haben, völlig unvernünftig raushauen. In Österreich gibt es das Sprichwort „Kuh hin, Kaibl [Kalb] hin!“. Vielleicht ist dieses Verhalten von einem gewissen Fatalismus geprägt: eh nix mehr da, aber eine Schachtel Zigaretten pro Tag, der Urlaub auf Ratenzahlung, das Smartphone auf Pump und jede Menge Junkfood gehen sich noch immer aus, weil „auf das kommt’s jetzt auch nimma an…“.

    Da gibt es Lehrlinge (Auszubildende), die sich mit dem bissl Geld, das sie in der Ausbildung kriegen, einen fetten Wagen leasen, ein I-Phone kaufen und jedes Wochenende unterwegs sind (bitte, wie geht sich das aus??????) – und irgendwann in der Schuldnerberatung landen. Konsumiert wird jetzt, bezahlt wird später, oder auch gar nicht.

    Da gibt es eine Kollegin, die sich über die hohen Preise am Bauernmarkt beklagt, aber täglich überteuerte Süßigkeiten aus dem Kantinenautomaten drückt. Die kürzlich in eine größere Wohnung gezogen ist, weil ihr die vorige zu klein war, die dringend auch ein Auto haben muss, regelmäßig in Plastiknägel investiert, aber um einen Gehaltsvorschuss gebettelt hat, als sie sich letztens einen Zahn ruiniert hat. Die so blank ist, dass sie für die Zahnkrone offensichtlich nicht mal mehr ihr Konto belasten kann. Da geht es NICHT um Leute, die wegen eines Schicksalsschlags WIRKLICH in Armut leben müssen und sich deshalb keine Zahnbehandlung leisten können, da geht es um soclhe, die sich selbst reingeritten haben.

    Ich bin in finanziellen Dingen weiß Gott auch kein Streber, aber ich weiß, wo meine Grenzen sind. Und speziell jetzt, wo ich mit der genialen Spar-App meiner Bank nicht ausgegebenes Geld spontan auf mein Sparkonto buche, weiß ich, dass mit der Einsparung von so unnötigen Ausgaben wie dem 34. Nagellack oder preisbewusstem Einkaufen sehr wohl in ein paar Monaten ein schönes Sümmchen zu sparen ist. Die Spar-App nutzt die Kollegin auch nicht, „wie soll ich mir was ersparen, ich verdien‘ ja nicht genug“, – wer weiß, vielleicht kann man irgendwo mit abgelösten Plastiknägeln oder Zigarettenstummeln bezahlen … 🙂

    • konsumrebellin schreibt:

      Danke für deinen – auch wie immer – tollen Kommentar 🙂
      Du hat da zwei wichtige Aspekte angesprochen: Erstens gibt es natürlich Leute, denen man nicht vorwerfen kann, ihr Geld aus dem Fenster zu werfen, weil sie echt keins haben. Aber um die ging es in meinem Post ja auch nicht, sondern eher um den Typ, den deine Kollegin ja schon bis zum Klischee ausfüllt. Die Prioritäten der Leute sind häufig seltsam: Sie haben Geld jeden unnützen Sch…, heulen aber lauthals über jeden Euro, den sie für gute Ernährung und überhaupt für ihre Gesundheit ausgeben sollen.
      Verstehe ich nicht, aber ich muss auch nicht alles verstehen 😉

      Habe mich übrigens gestern mit Nunu getroffen. War sehr nett und sie will dich unbedingt auch kennen lernen 😉

  2. konsumrebellin schreibt:

    Gerne, ich komme nur sicher nicht so bald nach Graz, aber vielleicht verschlägt es dich irgendwann in Köln? Liebe Grüße 🙂

  3. Gina schreibt:

    Hallo, der Artikel und die dazugehörenden Kommentare sprechen mir aus der Seele. Ich kenne auch so Shoppingqueens – und kings. Meine Oma auch ein nettes Sprichwort: „Wenn ma da nimmt, dann schrei, wenn man da gibt dann nimm“. Ich interpretiere es dahingehende, dass man ebene sehr wohl abwägen muss, ob man einen fairen Preis für Qualität zahlt, oder über den Tisch gezogen wird. Wie sagt der Österreich noch immer: „Wer den Schiliing nicht ehrt, ist den Groschen nicht wert.“.
    LG. aus Wien
    Regina

    • konsumrebellin schreibt:

      Ja, so ein altes Sprichwort gibt es in Deutschland auch, nur mit Pfennigen und Talern. Das Update auf spätere Währungen wie z.B. den Euro ist allerdings entfallen. Entspricht wohl nicht mehr dem Zeitgeist 😉

  4. Gina schreibt:

    Sorry, die Tippfehler…. ich bin noch nicht ganz da.

  5. Nessy schreibt:

    hier ists wahrscheinlich so, dass die gesellschaft überall auf diese 0% Ratenzahlung gedrillt wird, wobei man dann leicht vergisst, wofür man eigentlich gerade wieviel ausgibt.

    zum glück bin ich eher der typ, der sich nur leistet, was sich kontomäßig auch ausgeht. da hat man nen besseren überblick.

    • konsumrebellin schreibt:

      Da hast du völlig recht. Ich würde auch niemals etwas auf Ratenzahlung kaufen. Denn genau das ist der Deal: Abverkaufen, was nur geht und je weniger Ahnung die Leute von ihren Verbindlichkeiten und finanziellen Möglichkeiten haben, desto besser. Aber nur so läuft die Maschine. Noch.

      • Nessy schreibt:

        Naja gut, eine Ausnahme gibts doch. wenns irgendwann mal für nen Haus mit Garten reichen soll, dann geht sowas nur auf Pump. aber das ist dann eh ne was, was sich lohnt.

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