China vor der Haustür.

Heilige Scheiße. Jetzt hat es mich voll erwischt.

Die dunklen Seiten der Textilindustrie sind ja hinlänglich bekannt. Und da ich gerade keine Klamotten kaufe und auch früher nie Kunde bei den bekannten Billigheimern war, fühle ich mich da zumindest einigermaßen auf der sicheren Seite.

Dem iPhone-Pad-Pod-etc.-Wahn habe ich mich auch verweigert. Sicher ist mein Handy auch nicht auf einem Ponyhof hergestellt, aber wenigstens nicht bei Foxconn.

Den Kauf irgendwelcher sogenannter Markenlebensmittel der bekannten Lebensmittelkonzerne habe ich schon lange auf ein Minimum reduziert. Ich kaufe wenn’s geht Bio und/oder regional.

Und jetzt das.

Ich dachte immer, Bücher wären relativ harmlose Produkte. Nicht unbedingt inhaltlich. Aber was die bekannten ethischen Probleme bei der Herstellung betrifft. Verlegt von deutschen Verlagen, gedruckt (meistens noch) in Deutschland oder zumindest Europa, verkauft und ggf. versandt von hiesigen Unternehmen – da sollten doch einigermaßen anständige Bedingungen herrschen. Glaubte ich. Und lag falsch. Denn wo kaufe ich die meisten Bücher? Bei amazon. Ist so arschbequem. Man kann die Rezensionen lesen. Und weil es so bequem ist, habe ich auch schon vieles andere bei amazon bestellt.

Eigentlich geht das jetzt nicht mehr.

Ich schaue ja so gut wie nie fern. Sollte ich aber vielleicht doch hin und wieder tun. Als ich heute über einen Newsletter vom Shitstorm auf amazon erfuhr, habe ich mir den ARD Beitrag „Ausgeliefert. Leiharbeiter bei amazon.“ mal reingezogen.

Wer ihn nicht kennt: Den gibt’s  hier in der ARD Mediathek.

Erstens kann ich mich dem Shitstorm nur anschließen. Was ich hiermit tue. Zweitens bin ich für diesen Monat mal ausnahmsweise nicht sickig über meinen GEZ-Zwangsbeitrag. Drittens erwäge ich ernsthaft einen amazon-Boykott. Ich will nicht zum Profit von Leuten beitragen, die modernen Sklavenhandel betreiben, die Menschenwürde mit Füßen treten und Neonazi-Typen als Aufpasser engagieren.

Ich habe heute schon mal angefangen und ein Buch, das ich eigentlich gerade bei amazon ordern wollte, über einen der wenigen verbliebenen Buchhändler vor Ort bestellt.

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3 Antworten zu China vor der Haustür.

  1. nukimama schreibt:

    Ich hab den ARD- Beitrag noch nicht angesehen, aber ich kann mir schon vorstellen, was darin vorkommt. Das Problem ist aber sicher nicht nur bei Amazon, sondern bei fast allen Firmen, die Leihpersonal beschäftigen. In unserer Firma hat Leihpersonal immer den gleichen Stellenwert und die gleichen Rechte und auch Annehmlichkeiten wie das Stammpersonal, bis hin zu gratis Impfaktionen und Weihnachtsfeier. Da ist unser Betriebsrat ganz vehement dahinter. Viele werden auch immer wieder fix übernommen und arbeiten heute noch bei uns, viele kommen immer wieder, wenn es bedarf gibt (bei unserem Logistikdienstleister ist das schon ganz anders, dort herrscht ein ganz schlechtes Klima). Trotzdem: als Leiharbeiter ist man in der arbeitswelttechnischen Nahrungskette ganz unten. Leiharbeit ist die neuzeitliche Form der Sklaverei. Ich weiß nicht, wie das in Deutschland ist, aber bei uns müsste hier mal dringend an den Bedingungen gearbeitet werden, denn die sind in viel zu vielen Fällen unzumutbar.

    • konsumrebellin schreibt:

      Da scheinst du ja in einer sehr anständigen Firma zu arbeiten. Es ist schön, sowas zu lesen. Aber wahrscheinlich eher die Ausnahme. Ich habe auch schon von Firmen gehört, bei denen Leiharbeiter extra Monturen tragen müssen, damit man sie auf den ersten Blick von der Stammbelegschaft unterscheiden kann. Unfassbar, so eine Diskriminierung. Das hat schon was vom Judenstern.

      Ich sehe ja ein, dass man temporäre Spitzen im Personalbedarf mit Leihpersonal abdeckt, aber warum muss man die Leute derartig schlecht behandeln?
      Allerdings war ich nach dem ARD-Beitrag nicht nur wütend auf amazon, sondern ich habe mich auch echt fremdgeschämt für all die „Erfüllungsgehilfen“ im Freizeitpark etc., denen jegliche Menschlichkeit abhanden gekommen zu sein scheint.

  2. Pingback: Die Butter schmilzt. | KonsumRebellion

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