Gefährliche Frühlingssonne.

Endlich. Der Schnee ist weg. Die Sonne scheint. Es ist mild. Die Straßencafés sind wieder gefüllt. Frühling liegt in der Luft!

Aber die Frühlingssonne kann ganz schön gefährlich werden.

Nein, es geht hier nicht um LSF 50 und Anti-Sonnen-Hysterie. Nichts liegt mir ferner als euch die Freude an den ersten warmen Strahlen zu vermiesen. Ich bin sogar sehr überzeugt davon, dass maßvolles Sonnenbaden nicht nur angenehm ist, sondern auch gesund. Aber das ist ein anderes, sehr spannendes Thema.

Nein, hier geht es um die Wirkung der ersten Frühlingssonne als Shopping-Aktivator.

Ich hatte das irgendwie ganz vergessen. Bei meinen Sorgen um das verflixte erste Quartal habe ich vor allem an graue, kalte Wintertage gedacht. Aber als gestern das erste Mal so richtig die Sonne schien, war sie wieder da: eine große Lust zu shoppen, um dieses herrliche Wetter zu feiern und sich selbst was Gutes zu tun. Vielleicht kennt ihr ja dieses euphorische Gefühl, mit dem man plötzlich sehr ausgabebereit wird.

Ich weiß, diese Reaktion ist ziemlich seltsam. Und hätte ich frei, wäre ich zuhause und könnte einfach so raus in die Sonne, in den Garten oder mit dem Mountainbike fahren, würden mir derartige Reflexe auch fern liegen. Keinen Gedanken würde ich ans Shoppen vergeuden, sondern lieber den Frühling pur genießen.

Aber ich habe leider gerade nicht frei.

Kann höchstens in der Mittagspause in ein Häppchen Sonne tanken. Da fehlen mir irgendwie die Möglichkeiten, meinen Frühlings-Überschwang auszuleben. Und wahrscheinlich bin ich auch ein bisschen frustriert, weil ich bei dem lang ersehnten, herrlichen Wetter im Büro sitzen muss.

Also war die Shoppinglust wiedermal eine typische Ersatzhandlungsreaktion. Das Positive ist aber: Es hat mich nicht in ein Bekleidungsgeschäft gezogen. Früher wäre so ein Tag der Klassiker gewesen, um mal so richtig bei Frühlingsklamotten zuzuschlagen. Gestern war der Schaden eher begrenzt. Meine Lust an der persönlichen Verschönerung machte sich nur in einem organic Haarstyling-Produkt Luft (Sea Mist von John Masters) Luft. Und einem Haufen Naturkosmetik-Pröbchen, die ja aber (vorerst) nix kosten.

Alles in allem also ganz in Ordnung.

Trotzdem hat mich die geballte Kauflust nachdenklich gemacht. Nicht so sehr die Kauflust selbst, sondern ihre offensichtliche Ursache: die Tatsache, dass ich eben nicht so lebe, wie ich es gerne hätte. Der verstörende Gedanke, wie viele wundervolle Sonnentage meines endlichen Lebens ich noch unfreiwillig im Büro verbringen muss. Gegen das Arbeiten an sich habe ich ja nichts, aber gegen das Eingesperrt-Sein.

Ja ich weiß, eigentlich geht es mir gut.

Ich habe ein eigenes Büro mit Fenster zu einem Hof, auf dem sogar zwei Bäume stehen. Und ich kann den blauen Himmel sehen. Und mein Job ist abwechslungsreich, kreativ und bietet viele Freiheiten. Andere sind an solchen Tagen bei öden, fremdbestimmten und meist auch noch mies bezahlten Tätigkeiten lebendig begraben in den Eingeweiden riesiger Lagerhallen oder Supermärkte. Ohne Blick auf den Himmel. Oder sie stehen in lärmenden Fabrikhallen. Oder sitzen in fiesen Großraumbüros, womöglich noch in diesen grauen Hasenboxen, wie sie in Amerika üblich sind.

Da bin ich schon ganz weit vorne. Aber trotzdem treibt mich besonders an solchen Tagen wie gestern und heute die Frage um, ob es nicht auch anders geht.

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3 Antworten zu Gefährliche Frühlingssonne.

  1. fraudehnertsallerlei schreibt:

    Home Office wäre eine Idee! 😉 Liebe Grüße!

    • konsumrebellin schreibt:

      Ja, die Idee hatte ich auch schon. Könnte ich jobtechnisch auch gut machen. Letztes Jahr ist es leider trotzdem nichts geworden. Aber ich werde weiter dran arbeiten 🙂
      Liebe Grüße!

  2. Tom schreibt:

    Ich denke der Konsum und die „immer mehr und mehr“ Philosophie macht nicht glücklich. Glücklich macht eine gewisse Selbstbeschränkung.

    Ersatzhandlungsreaktion – ist Shoppping meistens. Was braucht man schon? Wenn ich so nachdenke eigentlich nicht viel. Es geht meist nicht um das Brauchen sondern um das Haben wollen.

    Seit einiger Zeit betrachte ich Wertgegenstände anders. Ich frage mich meist folgendes:
    – Was kostet mich das an Lebenszeit
    – Wie lange muss ich dafür arbeiten, also was kostet es mich Zeit in der ich eigentlich bei meiner Familien sein könnte.
    – Brauche ich das oder möchte ich das nur haben
    – Was kostet es mich an Nerven
    – Ist es wertvoll und nachhaltig, oder landet es nach 1 Jahr auf dem Müll

    Ich bin selbstständig und kann im großen und ganzen frei über meine Zeit verfügen. Was für mich Freiheit bedeutet. Aber dennoch tickt tief in mir drinnen die 8 – 17.00 Uhr. Ich schaffe es selten mir spontan mal frei zu nehmen, ohne ein schlechtes Gewissen 🙂

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