Hoch lebe die Uniform! Oder auch nicht.

Keine Angst. Ich oute mich jetzt nicht als Militär-Fetischist.

Der Begriff der „Uniform“ entstammt einem Kapitel aus Kendall Farrs lesenswertem Buch „The Pocket Stylist“. Dieses Kapitel trägt den Titel „I love a girl in a uniform“ und es ist ebenfalls kein Bekenntnis der lesbischen Liebe der Autorin zu einer Polizistin.

Mit „Uniform“ ist einfach ein Stil bzw. die Kombination bestimmter Kleidungsstücke gemeint, die man am liebsten und immer wieder trägt. Und so eine Uniform ist saupraktisch. Habe ich vorletzte Woche beim Taschenpacken für den Skiurlaub festgestellt.

Normalerweise ist das bei mir ein Horrortrip, der jede Menge Zeit und Nerven frisst.

Erstens kann ich mich nie entscheiden, was ich mitnehmen soll. Deshalb nehme ich ganz viel mit. Damit ich im Urlaub nicht etwa einen traumatischen Mangel erleide. Und bei diesem ganz vielen Zeug muss man natürlich höllisch darauf achten, dass man komplette Outfits zusammen bekommt. Schließlich kann ich nicht alle 20 Paar Stiefel mit in den Urlaub nehmen, die zuhause bei mir in Reih und Glied bereit stehen.

Dieses Jahr war alles anders.

Ich habe einfach – leicht abgespeckt – das mitgenommen, was ich sowieso schon den ganzen Winter am liebsten trage: Röhrenjeans ins Schwarz, Grau und Braun, warme Strickpullover in Schwarz, Hellgrau/Dunkelgrau und Hellgrau/Weiß/Taupe, drei dünnere Shirts in Schwarz und Grau und eine Biker-Lederjacke zum Drüberziehen, meine UGG-Boots, ein Paar weitere schwarze Boots, Daunenparka, Mütze, Schal – und das war’s.

Die Entscheidungsfindung hat nicht mal 5 Minuten gedauert. Das Packen war relaxt wie nie zuvor. Ich habe nichts vermisst und konnte alle Teile beliebig miteinander kombinieren. Einfach genial. Genial einfach. Und vielleicht auch ein Ergebnis meiner Shoppingdiät und aller damit verbundenen Gedanken über Mode, Konsum und was man eigentlich wirklich braucht.

So könnte mein Kleiderschrank der Zukunft funktionieren. Zumindest fürs Alltägliche.

Oder lassen wir es doch lieber krachen?

Gute Frage, die sich spätestens beim Betrachten des sehr coolen Blogs „Advanced Style“ von Ari Seth Cohen stellt, der stilistisch herausragende ältere Leute in NYC fotografiert. Die Herrschaften sind teilweise wesentlich betagter als meine eigenen Eltern, aber lassen es outfit-technisch richtig krachen (was die Vermutung nahelegt, dass sie auch sonst viel Spaß im Leben haben). Vielleicht nicht für jeden als 1:1 Modeinspiration geeignet, aber in jedem Fall als Inspiration zur puren Lust an der Selbst-Darstellung (was hier überhaupt nicht negativ gemeint ist).

Und ich wette: Was die Damen und Herren da tragen, ist genau ihre persönliche „Uniform“. Auch wenn es weder uniform noch konform aussieht. Schade, dass die Leute hier (fast) alle so unauffällig sind.

Die besten Fotos aus dem Blog plus Interviews mit den „Models“ gibt es übrigens auch als Buch. Ach, ja. Es liegt schon wieder in meinen Einkaufskorb 😉

Es besteht also noch Hoffnung, dass ich mich von Röhrenjeans und Strickpullovern und lässigen Shirts wieder emanzipiere. Auch wenn dann das Packen wieder schwieriger wird. Aber im Moment passt es so für mich einfach am besten.

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4 Antworten zu Hoch lebe die Uniform! Oder auch nicht.

  1. nukimama schreibt:

    Sensationell!!!! Genau so möchte ich sein, wenn ich alt bin: schräg und verrückt 🙂 – und bei Kind und potentiellen Enkel ein leichtes Kopfschütteln verursachen 🙂 🙂
    Die Dame mit dem schwarzen Hut ist ja genial. So schön kann Alter sein!

    • konsumrebellin schreibt:

      Finde ich auch – lieber schräg als unsichtbar 🙂
      Und ich überlege echt, das Buch zu kaufen. Bin zwar längst noch nicht so alt wie die dort abgebildeten Ladies, aber es hilft bestimmt, wenn man sich mal wieder unangemessen über irgendeine neue Falte ärgert 😉

      • nukimama schreibt:

        Ich überlege auch ernsthaft.
        Genau das ist ja das Faszinierende: diese Frauen sind so schräg und auf ihre wunderbare Art so schön, dass man gar nicht auf die Idee kommt, ihre Falten oder Altersflecken zu zählen. Das macht für mich auch den Zauber von solch großartigen Schauspielerinnen wie Judi Dench, Helen Mirren und wie sie alle heißen, aus. (Ich weiß schon, dass die trotzdem auch alle einen guten Dermatologen haben, aber sie sind weit weg von diesen ganzen Püppchen und Plastikqueens 🙂

        • konsumrebellin schreibt:

          Judi Dench sah im letzten Bond doch klasse aus (mal abgesehen vom Showdown in Schottland, aber da war sie ja laut Drehbuch auch schon halb tot). Helen Mirren finde ich auch toll. Und was eine gemäßigte Behandlung beim Dermatologen angeht, habe ich kürzlich so einen schönen Spruch gelesen: Man kann ruhig alt werden, muss dabei aber nicht unnötig alt aussehen 😉
          Wer viel mehr machen lässt als die beiden, mutiert sowieso leicht vom Püppchen zum Monster.
          … und jetzt werde ich mir als Ostergeschenk noch eben das Buch bestellen!
          Liebe Grüße und schöne Ostern!

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