Sind wir das Problem … oder Teil der Lösung?

„Wenn wir nicht massenhaft konsumieren, gefährden wir Arbeitsplätze hier und in aller Welt. Der Konsum ist notwendig, um die Produktion am Laufen zu halten.“

Aha. Dann sollten alle, die sich dem Konsumrausch verweigern, sich mal so richtig schuldig fühlen. Und wieder shoppen gehen. Aber schnell!

Nö. Ich fühle mich aber ganz und gar nicht schuldig.

Wir shoppindiätenden, selbermachenden oder einfach weniger und bewusster kaufenden „Konsumverweigerer“ sind nicht das Problem, sonder eher ein Schritt zur Lösung.

Das obige Statement aus einem Interview in der ZEIT zeigt die ganze Absurdität der aktuellen wirtschaftlichen Denke. Seit wann ist denn das Laufen der Produktion der höchste Lebenszweck der Menschheit? Nun ja, seit einigen Jahrzehnten schon. Allerdings ist das eine Misere und kein wünschenswerter oder gar glücklich machender Umstand.

Wie menschenverachtend diese Denkweise ist, zeigt sich allerdings erst, wenn man sie mal in einen konkreten Bezug setzt. Zum Beispiel H&M. Das in meinem gestrigen Post gezeigte Adbusting-Motiv ist zwar ein bisschen stümperhaft gemacht. Aber es hat in mir trotzdem nachgewirkt. Bisher habe ich um H&M schon wegen der miesen Qualität immer einen Bogen gemacht. Gestern ist aber die ganze Monströsität dieser Maschinerie bei mir irgendwie ganz innen angekommen.

Da werden Menschenleben und wertvolle Ressourcen schonungslos durch den Produktions-Wolf gedreht. Um die Welt mit Millionen Tonnen von Fast-Fashion-Müll zu überschwemmen. Der dann meist ganz schnell auch tatsächlich in der Tonne landet.

Wenn wir obigem Statement folgen, sollten wir also fleißig bei H&M einkaufen. Damit sich diese unmenschliche, in letzter Instanz zerstörerische Maschine weiter dreht. Und H&M nebenbei ordentlich Kohle scheffelt, was ja der eigentliche Zweck der Übung ist. Wenn H&M seine Arbeiter menschlich behandeln, ihnen wirklich einen LEBENsunterhalt zahlen und wertvolle, langlebige Güter herstellen würde, wäre dagegen ja nicht so viel einzuwenden. Aber so. Nein danke.

Aber zurück zum Interview, das nämlich sehr lesenswert ist. Schließlich ist die ZEIT ja keine komplett blöde Zeitung. Der Wirtschaftshistoriker Robert Skidelsky und sein Sohn, der Philosoph Edward Skidelsky geben nicht nur auf obiges Statement gute Antworten. Hier der Volltext.

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4 Antworten zu Sind wir das Problem … oder Teil der Lösung?

  1. nukimama schreibt:

    Was für ein wunderbarer Post von Dir und was für ein brillanter Zeit-Artikel (ach, jetzt weiß ich wieder, warum ich diese dicke Riesenzeitung so liebe. Vor einigen Monaten hatte ich mit Kolleginnen die gleiche Diskussion, ich wäre ja wirtschaftsschädigend mit meinem Konsumboykott.

    Ich finde auch, dass Konsumverweigerung die einzige Chance ist, diese wahnwitzige Entwicklung zu stoppen. Wir sehen doch alle, wo das hinführt: crashende Staaten, marode Banken, nimmersatte Manager, Arschloch-Mentalität wo immer man hinsieht, bis über beide Ohren verschuldete Privathaushalte, Menschen am Rande oder mitten drin im Burnout, ausgebeutete „Sklaven“ (warum hab ich eigentlich „-Striche gesetzt?), vernachlässigte Kinder, ruinierte Natur, Tierfabriken, verschwendete Ressourcen, Müllberge… die Liste ist endlos…

    Und alles, weil wir alle den Hals nicht vollkriegen.

    Genauso lang wird die Liste der Dinge, die wir verloren haben: Respekt, Zufriedenheit, Empathie, Bildung, eine intakte Umwelt, Werte (ich bin in keiner Kirche, aber ich bin christlich), Lebensqualität, Geld, Freude… Ich habe immer öfter ein schlechtes Gewissen meinem Kind gegenüber. Was für eine Welt hinterlassen wir??????????

    Ich bin so: … kurz davor, weiterhin nichts zu kaufen…

    Dem Schweden geht es übrigens derzeit umsatzmäßig nicht so gut, wie sie immer tun. Aber was wird passieren? Genau, Kostendruck. Wer wird es ausbaden? Genau…

    • konsumrebellin schreibt:

      Deinem ebenfalls wunderbaren Kommentar ist eigentlich nichts hinzu zu fügen 🙂 Konsumverweigerung ist der erste Schritt, auch wenn es, wie beim Schweden, mitunter leider die Falschen ausbaden müssen. Aber sonst ändert sich nie was. Der nächste Schritt ist, auszuprobieren, wie es auch anders gehen könnte – da sehe ich zum Beispiel auch die vielen tollen DIY-Projekte.

      Patentrezepte gibt es ja leider nicht und die sogenannten Eliten wollen vor allem den Status Quo aufrecht erhalten. Weil sie keine anderen Ideen haben oder eben gut dran verdienen. Also ist es wohl der beste Weg, wenn möglichst viele erstmal im eigenen Leben was ändern. Da haben wir zumindest Gestaltungsmöglichkeiten.

      Deshalb freue ich mich auch sehr über Artikel wie den in der ZEIT, der vielleicht wieder bei einigen Leuten ein Umdenken anschiebt. Der darunter stehende Artikel „Jan Müller hat genug.“ ist übrigens auch ziemlich gut.

      Und was deinen Fast-Entschluss, weiterhin nichts zu kaufen, angeht: das kann ich gut nachvollziehen. Auch bei mir hat sich der Blick auf die Dinge sehr geändert.

      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende 🙂

      • nukimama schreibt:

        🙂
        Ja, das hätte ich nie gedacht, dass einen so ein bissl Nicht-Shoppen so verändert…

        Leider war die ZEIT heute bei meinem Supermarkt vergriffen, aber vielleicht krieg ich am Montag noch eine in der Stadt 🙂

        Dir auch ein sehr schönes Wochenende!

  2. Pingback: Nachhaltigkeit und die ZEIT | Meine Auszeit vom Shoppingwahn

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