Befremdliches im Gartenparadies

Vor einigen Monaten habe ich einen Artikel über Daunenjacken im Hochsommer geschrieben. Interessanterweise einer meiner Top-Artikel, was ich als eindeutiges Indiz dafür werte, wie sehr die zeitliche Abkopplung des Modehandels von der tatsächlichen Jahreszeit nervt. Keiner will bei 30 Grad im Schatten wollige Wintermäntel oder dicke Daunenjacken kaufen.

Und wer will Hochsommerblumen kaufen, wenn draußen gerade mal knapp der Winter vorbei ist?

Es sieht aus, als wäre das absurde Angebotstiming inzwischen eine allgemein im Handel grassierende Krankheit. Letztes Wochenende ist er ja endlich mal so richtig angekommen, der Frühling. Ich habe mich erstmals wieder ausgiebig im Garten getummelt, die Terrasse parat gemacht und meine Kräuterbeete inspiziert.

Der Winter war zwar lang, aber bei uns nicht so dramatisch kalt. Deshalb gab es diesmal auch bei den mediterranen Kräutern keine Verluste. Nur der Schnittlauch weigert sich, auszutreiben.Und so ein paar kleine blumige Farbtupfer für die Terrasse hätte ich gern noch gehabt. Was hübsches, frühlingshaftes.

Also bin ich am Samstagabend noch schnell zum OBI gedüst, was ich mir glatt hätte sparen können. Der Schnittlauch war offenbar in zu warmen Gewächshäusern geschossen und dann umgekippt. Und von Frühlingsblumen weit und breit keine Spur. Die waren dann wohl schon im Winter dran. Als man sie wegen Schnee und Kälte hätte sowieso nicht nach draußen pflanzen können.

Dafür gab es Bougainvillen, Geranien, Margeriten und jede Menge anderer Hochsommerblumen in voller Blüte. Ich kam mir vor wie im falschen Film. Draußen zeigt sich ganz schüchtern das erste Grün, die Narzissen blühen und die ersten Blüten der Magnolie schälen sich aus ihren Pelzmäntelchen. Da passt diese Hochsommerblumenpracht ja wie … na eben wie Daunenjacken im Hochsommer oder Sommerkleidchen kurz nach Weihnachten.

Mal ganz abgesehen davon, dass keine dieser Pflanzen auch nur einen leichten Nachtfrost übersteht, die es ja locker noch bis Mitte Mai geben kann. Und hört dann der Spaß für mich komplett auf. Hier haben wir es nicht mit toter Materie zu tun, sondern mit Lebewesen. Die im Sommer gekaufte Daunenjacke ist zwar ärgerlich, aber sie stirbt nicht, wenn sie ein paar Monate im Schrank vor sich hindämmert.

Da werden Unmengen an Energie verbratzt, um ein für die Jahreszeit komplett blödsinniges Pflanzenangebot an den Start zu bringen. Pflanzen, die jetzt wirklich passen, könnte man mit wesentlich geringerem Energieeinsatz maximal ein bisschen vortreiben. Und vor allem hier lokal ziehen.

Keine Ahnung, ob das Angebot im Gartenparadies schon immer so seltsam war oder ob ich nur sensibler gegenüber derartigen Entgleisungen geworden bin. Da hilft in Zukunft wohl nur selber aussäen oder Zwiebeln besorgen. Oder eine hiesige Gärtnerei bzw. Baumschule aufsuchen, von denen es bei uns zum Glück noch einige gibt. Die sind noch näher an der Natur dran als die Damen und Herren Einkäufer bei OBI.

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Eine Antwort zu Befremdliches im Gartenparadies

  1. Nessy schreibt:

    Die kleinen, lokalen Gärtnereien sind wirklich super. Dort werden die Pflanzen draußen großgezogen oder in unbeheizten Glashäusern. Wenigstens in dem, was ich besucht habe. Aber das sieht man ja von außen. Und man boykottiert diese Fillialketten. Netter Nebeneffekt 😉

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