Schlangestehen in Hamburg

af_hamburg

Manchmal überfällt mich großes Erstaunen.

Und ich weiß nicht, ob ich mich über das schafsherdenartige Verhalten einiger Mitmenschen aufregen oder amüsieren soll. Wobei ich mit diesem Vergleich keinem der netten wolligen Vierbeiner zu nahe treten möchte, die friedlich mampfend auf ihrer Wiese stehen.

Also zurück vom Lande in die Hamburger Innenstadt.

Diese ist ja bekanntlich nicht arm an schicken Geschäften. Die aber auch am Samstagmittag keine spektakulären Besucherströme anziehen. Nur vor einem einzigen Geschäft steht eine Menschenschlange. Am Eingang dirigiert und in Schach gehalten von jungen, gut gebauten Männern, die trotz der eher lausigen Temperaturen ihre nackten fitnessstudiogestählten Oberkörper präsentieren.

Ihr ahnt es schon: Es war der hanseatische Arschloch & Friends (aka Abercombie & Fitch) Shop. Ich war echt überrascht. Wer kauft das denn noch? Vor allem: Wer stellt sich dafür auf der Straße an? Wenn man das Zeug schon unbedingt haben muss, kann man es sogar bei amazon bestellen.

Aber mir kam schon die Ahnung, dass meine bescheidene persönliche Meinung zu dieser Marke wohl nicht repräsentativ ist. Zum Beispiel, weil ich mich in den falschen Kreisen der Blogosphäre herumtreibe. Also habe ich mal flugs eine Marktforschung unter den Teilnehmern unseres Hamburg-Trips durchgeführt:

Teilnehmer #1 (modisch eher desinteressiert) stellte die nicht unsympathische Frage: „Abercombie & Fitch – was ist das?“. Teilnehmerin #2 gefallen die Klamotten nicht, aber sie findet die Jungs am Eingang durchaus schnuckelig. Den Liebsten habe ich gar nicht erst gefragt, weil er schon bei einer dezenten Markenapplikation an einem Shirt Reißaus nimmt. Und die Jungs am Eingang interessieren ihn auch nicht wirklich.

Teilnehmer 5 + 6 konnte ich nicht befragen, weil die erst später zu uns stoßen wollten. Und die Frage wäre auch überflüssig gewesen. Denn sie hatten bereits bei der Planung betont: Sie wollten nicht groß shoppen, aber unbedingt in den A&F Laden.

OK. 4:2 gegen A&F ist ja kein schlechter Spielstand.

Also was rege ich mich überhaupt auf?

Ich würde A&F ja auch nicht kaufen, wenn der Chef kein Arschloch, sondern ein unheimlich netter Kerl mit tonnenweise sozialer Verantwortung wäre. Mir gefällt das Zeug einfach nicht. Außerdem ist Stefan Raab damit schon vor zehn Jahren rumgelaufen, was ein weiterer Nichtkauf-Grund ist.

Aber das ist persönlicher Geschmack und noch kein Grund, gegen eine Marke zu sein. Es entbehrt ja auch nicht einer gewissen Komik, dass A&F-Chef Mike Jeffries seine eigenen Klamotten eigentlich nicht tragen dürfte, wenn die doch nur für attraktive Menschen bestimmt sind.

Die ehtischen und ganz menschlichen Gründe gegen A&F haben sich leider offenbar noch nicht rumgesprochen. Und das regt mich dann doch auf. Aber vielleicht werfen so witzige Kampagnen wie „Fitch the Homeless“, von der Nunu letzte Woche berichtete, ja auch bei den Ahnungslosen ein paar Fragen auf. Und die Ignoranten wollen einfach nicht in Pennerklamotten rumlaufen.

Ich hoffe, es hilft und die Schlange in Hamburg wird irgendwann kürzer oder ganz verschwinden.

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5 Antworten zu Schlangestehen in Hamburg

  1. nunette schreibt:

    Unglaublich, wie sehr sich Leute freiwillig und gerne verarschen lassen.

  2. nukimama schreibt:

    Mir auch unbegreiflich…
    Ein Arbeitskollege hat sich den Hollister aus beruflichem Interesse angesehen und wurde von so einem Beachgirlie angeflötet, ob sie etwas für ihn tun könne. Er meinte nur trocken: „Ja, könnten’S das Licht einschalten?“
    Ich glaub wir sind zu alt für den Scheiß… :-):-)

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