Shopping-Alarm?

Ich habe mich verliebt.

Wie es aussieht, so richtig und bis über beide Ohren. Da mache ich keine halben Sachen und tue alles dafür, dass die Liebe gedeihen kann.

Keine Sorge, der Liebste, der hier gelegentlich auftaucht, ist nicht gefeuert. Er ist nach wie vor mein Liebster und im Übrigen nicht ganz unschuldig an meiner neuen Leidenschaft. Aber auch er beginnt erst langsam zu ahnen, was er damit losgetreten hat.

Um eventuellem Rätselraten auf eurer Seite ein Ende zu bereiten: Es geht ums Fotografieren. Das habe ich schon immer gern gemacht, aber jetzt hat es mich richtig gepackt. Wenn ich an meine lieben Mitbloggerinnen Nunu und Nukimama denke, scheint es eh eine Art Naturgesetz zu sein, dass man sich während seiner Shoppingdiät irgendein Virus zuzieht. Bei den beiden war es das Stricken bzw. Nähen eigener Kleidung, was ja während einer Shoppingdiät irgendwie naheliegt.

Wenn ich mal die Psychologenbrille aufsetze, bedient aber auch die Fotografie eine meiner Eigenarten, die sehr wohl etwas mit meiner Shoppingdiät zu tun hat. Ich bin halt eine Jägerin und Sammlerin. Natürlich habe ich mich durch meine kritische Auseinandersetzung mit sinn- und maßlosem Konsum und durch meine Shoppingdiät verändert. Ich kaufe viel weniger und überlege vorher ziemlich genau. Aber dieses Sammler-Gen steckt trotzdem in mir drin.

Na gut, jetzt sammle ich halt schöne Motive. Das ist kreativer, verstopft nicht den Kleiderschrank, kommt billiger als Designerklamotten horten und hat auch erst einmal nichts mit Konsum zu tun.

Das stimmt im Großen und Ganzen. Aber eben nicht so ganz. Denn um schöne Fotos zu machen, braucht man sicher nicht gleich eine Profi-DSLR. Aber ein bisschen Equipment muss schon sein. Und das lässt sich nur begrenzt selbst machen, recyceln oder auf dem Flohmarkt erstehen. Zumindest kann ich mir keine eigenen Filter schnitzen oder mal eben ein Lightroom programmieren. Aber der Technik-Kram ist gar nicht das Problem. Da kaufe ich mir einmal das, was nötig ist und dann war’s das. Ich bin kein Gadget-Freak und beim Technikkauf sehr rational.

Die Dinge, wegen denen ich mir gerade ein wenig Sorgen mache, sind andere.

Ich muss mich bremsen, nicht jedes tolle Fotobuch (oder jedes Buch mit tollen Fotos) zu kaufen, das in mein „Beuteschema“ passt. Zumindest lese ich die aber wirklich intensiv und sie haben auch schon was gebracht.

Die zweite, viel größere Versuchung hat etwas mit meinem Interesse für Stills zu tun. Ich sage nur: Props. Jeder und vor allem jede Frau, die einen Deko-/Küchenaccessoire-Fimmel hat und Stills oder Food fotografiert, weiß, wovon ich rede. All die hübschen kleinen Dinge wie Decken, Servietten, Bretter, Geschirr, Gläser, Flaschen … die einem Food-Motiv erst den richtigen Kick geben. Und ihr glaubt gar nicht, wie viele mir davon neuerdings vor die Flinte laufen und den Gedanken auslösen: „Oh, dieser Teller würde sich unter einem fluffigen Muffin aber echt gut machen.“

Und da schrillen bei mir tatsächlich die Shopping-Alarmglocken. Diese Gedankengänge kenne ich nämlich. Aus der Umkleidekabine. Aber das letzte Jahr ist ja nicht spurlos an mir vorbei gegangen. Ich halte meine Kauflust im Zaum und schaue erst einmal, wie weit ich mit dem vorhandenen Equipment komme.

Aber weiß, vielleicht sehe ich das alles auch zu kritisch? Die anderen Mädels präsentieren in ihren Blogs ja auch voller Stolz und Freude ihre Woll-Lieferungen 😉

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Dieser Beitrag wurde unter Downscaling, Fotografie, Shoppingdiät + Konsumverzicht abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Shopping-Alarm?

  1. nukimama schreibt:

    Sehr lustig, ich weiß genau, was Du meinst 🙂 🙂 🙂 Bei mir noch schlimmer, also so rein zeugkauftechnisch, als Nähen und Stricken ist bei mir derzeit wieder akut die Malerei…
    Aber es ist doch schön, wenn es sich um ein Virus handelt, das einen akuten kreativen Fieberschub nebst künstlerischem Auswurf verursacht 🙂 🙂
    Und zumindest bei mir war ja ein wesentliches Motiv für die Auszeit, dass ich für meine Hobbies mehr Ressourcen zur Verfügung habe.

    • konsumrebellin schreibt:

      Schön, dass mich jemand offenbar voll und ganz versteht 🙂 🙂 🙂 Es hat wirklich was von einem Fieber, bei dem einem tausend kreative Ideen im Kopf herumschwirren, die man am liebsten alle auf einmal umsetzen würde.

      Und in Malutensilien-Läden wie boesner bin ich früher auch schon ewig kleben geblieben. Fasziniert von all den Farben, tollen Papieren, … nach ja, wenn ich mich daran so erinnere, ist das mit der Fotografie ja gar nicht sooo schlimm 😉

  2. Carola schreibt:

    Ich fand schon beim letzten Mal, als du erwähnt hast, dass Mit-Diätende exzessiv Kleidung nähen, dass so das Konzept ein wenig verfehlt wird. Von Konsumverzicht zu schreiben, wenn sich in Wahrheit das Verhalten nur verlagert, finde ich schwierig. Daher kann ich dein Zögern voll und ganz nachvollziehen.

    Dabei geht es mir gar nicht darum, dass ich solchen Konsum falsch finde – ich sehe hier einfach nur einen Widerspruch zwischen Reden und Handeln und finde es gut, dass du dir auch da Gedanken machst. Für mich persönlich wäre eine Shoppingdiät sinnlos, wenn ich nun ein Jahr lang keine Kleidung mehr kaufen würde, dafür dann aber zur Kompensation meterweise Stoff oder aber tonnenweise Fotoausrüstung und Dekokram, der mir vorher überhaupt nicht gefehlt hat – zumindest, wenn die Diät mir ja eigentlich dazu dienen sollte, mein Konsumverhalten zu überdenken. Wenn es andere Gründe sind, wie mehr Kreativität oder was auch immer, ist das ja wieder was anderes.

    • konsumrebellin schreibt:

      Über die Kompensations-Phase bin ich längst hinweg 😉 Es geht wirklich um das Umsetzen kreativer Ideen, die aber leider nicht allein nur mittels Hirnschmalz Realität werden. Trotzdem muss man dafür natürlich nicht tonnenweise Zeug kaufen. Es ist sicher besser, sich schrittweise ranzutasten und dann nur das zu kaufen, was man wirklich braucht. Allerdings ist das auch nicht immer einfach. Ich bin nicht nur Jägerin und Sammlerin, sondern auch noch ungeduldig. Eine schlimme Mixtur, aber wie du in meinem nächsten Post lesen kannst, bin ich lernfähig 😉

      Ich denke, bei Nunu und Nukimama ist das mit dem DYI ähnlich. Und sich einen Pullover selbst zu stricken ist immer noch besser, als sich einen oder drei oder mehr zu kaufen 🙂

      • mathildatanzt schreibt:

        Mir ist auch schon aufgefallen, wie sich die Konsumsucht plötzlich unterm Deckmantel der Kreativität wieder Bahn bricht. Ist doch aber super, dass dir das auch bewusst ist, so wirst du sicher nicht unter Bergen von Zeugs ersticken.

        • konsumrebellin schreibt:

          Ja, ich habe da meine Erfahrungen 😉 Da fällt mir zum Beispiel ein ganzer Schrank voller Acrylfarben, Strukturpasten etc. ein, den ich seit über einem Jahr nicht angerührt habe. Und vor ein paar Monaten hätte ich beinahe eine Ladung Strickbücher bestellt. Gottseidank habe ich’s gelassen 😉 Fototechnisch bin ich nun erstmal gut ausgerüstet – jetzt heißt es einfach: MACHEN statt kaufen:-)

    • nukimama schreibt:

      Zum einen steht es ja zum Glück jedem frei, seine Regeln für so eine Diät selbst zu definieren, man kennt ja die eigenen Schwachstellen am besten. Ich hatte beispielsweise einige Dinge mehr auf meiner persönlichen Blacklist als nur Kleidung und bin dafür mit DIY etwas großzügiger gewesen. Auch wenn die Versuchung manchmal groß war – und auch nach meiner Auszeit immer wieder ist – bin ich aber bei der Anschaffung von Material konsequent: erst wird verarbeitet, dann erst denke ich über das nächste Projekt nach, das dann erst vielleicht in Angriff genommen wird. In meinem Fall ist also von einem neuen Shopping-exzess keine Rede. Ich würde aber mittlerweile den Unterschied erkennen und in dem Fall sofort die Reißleine ziehen

      Andererseits war genau das mein Hauptmotiv – ich wollte mir weder ein Vermögen ersparen oder die Welt retten (dieser Aspekt mit dem kritischen Konsum kam erst später dazu) – ich war es leid, dass ich kein Geld für meine Hobbies übrig hatte, weil ich dauernd blöde Fetzen gekauft habe. Darum habe ich mir in dieser Zeit mit guten Gewissen eine gut sortierte Malausrüstung und eine neue Nähmaschine plus diverses Nähzubehör zugelegt und einige interessante Seminare besucht. Mein Konto sieht genauso aus wie vorher (das war allerdings auch nie schlimm), aber ich habe meine Kreativität wieder entdeckt.

      • mathildatanzt schreibt:

        Das kann ich soo gut verstehen! Ich will auch endlich mal wieder was Trinken oder ins Kino gehen ganz ohne Panik im Bauch, weil das Geld dafür schon längst in Klamotten investiert wurde.

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