Diderot, Domino und perfektionistischer Mindfuck.

Eigentlich wollte ich über die Sache ja gar nicht schreiben. Weil ich längst drüber hinweg bin. Und weil es mir peinlich ist, dass ich  immer noch auf derartige gedankliche Irrwege abgleite.

Aber ich habe den Verdacht, dass ich nicht die Einzige bin, der es gelegentlich so geht. Vielleicht hilft dieser Post ja einigen von euch, schneller Klarheit im Diderot-Domino-Gedankenkarussel zu finden.

Aber nun mal zur Sache.

Als ich kürzlich Nunus sehr empfehlenswertes Post zum Diderot-Effekt las, habe ich mich sofort wieder erkannt. Auch wenn ich selten scharlachrote Schlafröcke kaufe. Aber diesen Effekt, dass es etwas neu Erworbenes (ein „Domino-Teil“) die vorhandenen Dinge plötzlich alt und unpassend wirken lässt und eine Domino-Kaufspirale in Gang setzt – ja, den habe ich schon oft erlebt.

Dabei unterscheide ich zwischen echten und eingebildeten Domino-Teilen.

Echte Domino-Teile sind Kleidungsstücke, die an sich ganz hübsch aussehen, aber zu rein gar nix aus dem vorhandenen Kleiderfundus passen. Oder zu denen zumindest die richtigen Schuhe oder Gürtel oder Oberteile oder sonstwas fehlen. Heißt: wenn man dieses Kleidungsstück jemals wirklich anständig tragen will, MUSS man weitere Teile kaufen. Typischer Domino-Effekt halt.

Für mich sind das Teile, um die ich inzwischen einen Riesenbogen mache. Oder mir zumindest sehr sehr sehr genau überlege, welche Folgekäufe sie nach sich ziehen – und ob ich das wirklich will. Meist mit negativem Ausgang.

Eingebildete Domino-Teile sind anders. Objektiv betrachtet passen sie schon zur Garderobe. Subjektiv betrachtet können sie einen bösen Diderot-Effekt freisetzen, obwohl sie selbst ganz unschuldig sind.

So ging es mir kürzlich.

Mit meinen Wintereinkäufen habe ich eigentlich alles richtig gemacht. Alles Lieblingsteile in den Farben schwarz, grau und weiß. Alles super untereinander und mit Vorhandenem kombinierbar. So weit so gut.

Nach der langen Shoppingpause habe ich mir u.a. ein Paar Fiorentini & Baker Eternity 713 Stiefeletten gekauft, um die ich schon seit Jahren herumschleiche. Sinnvollerweise in Schwarz. So – und jetzt kommt’s. Es war ein sehr guter Kauf. Die Schuhe sind superbequem und ich mag den Look zu Skinnies sehr gerne.

So sehr, dass mir meine Kollektion an kniehohen Stiefeln nicht mehr gefiel und plötzlich, aber penetrant der Gedanke auftauchte, dass die gleiche oder eine ähnliche Stiefelette in Taupe oder Grau nicht nur nice-to-have, sondern geradezu unerlässlich wäre. Um zum Beispiel Grau, Weiß, Taupe mal so fluffig hell und ganz ohne schwarz zu kombinieren. Was wirklich extrem wichtig für die allgemeine Lebensqualität ist.

Zum Glück sind Fiorentini & Baker Boots so teuer, dass zumindest ich sie nicht einfach so kaufe. Schöne preisgünstigere Alternativen habe ich auch nicht gefunden. Und eigentlich wollte ich sowieso keine Wintersachen mehr kaufen. Aber beschäftigt hat mich das Thema schon.

Dabei ist es nicht so, dass ich keine taupefarbenen Stiefel hätte. Eigentlich sogar zwei. Aber gefangen in meinem perfektionistischen Mindfuck à la Diderot wollte ich die einfach nicht gelten lassen.

Aber letztlich bin wieder zur Vernunft gekommen und habe keinen müden Euro ausgegeben. Wie ich das geschafft habe?

1. Prokrastination:
Alle Käufe konsequent aufgeschoben.

2. Angezogen, was ich hatte:
Erstens festgestellt, dass es gar nicht so schlecht ist. Zweitens festgestellt, dass es mit Schwarz mindestens genauso gut, wenn nicht sogar besser aussieht. Drittens wiedermal festgestellt, was mir ständig gesagt wird: Schwarz steht mir sowieso am besten.

3. Gedanken zu Minimalismus und Decluttern:
Ich habe eh schon zu viel Zeug und zu wenig Zeit, warum also hier neue Fronten aufmachen? Mein relativ leerer Schrank gefiel mir doch so gut. Außerdem kam dieses Post von kaerlighed gerade zur rechten Zeit, um die geistige Klärung voran zu treiben.

Anfangs war ich beim Lesen des Diderot-Artikels ja sowohl amüsiert (weil ich mich erkannt habe), als auch frustiert (weil dieses Spiel schon mindestens 300 Jahre geht und selbst einer der größten Aufklärer drauf reingefallen ist).

Aber wie man sieht: es geht auch ohne Diderot-Effekt. Wenn man gewisse perfektionistische, dominokaufauslösende Gedankenspiele einfach als das abtut, was sie sind: Mindfuck, von dem man sich schnellstens befreien sollte.

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2 Antworten zu Diderot, Domino und perfektionistischer Mindfuck.

  1. mathildatanzt schreibt:

    😀 Das gab früh am Morgen einen Lacher: Ich kenne die Marke nicht, daher las ich, dass du 713 Stiefeletten gekauft hast! Den Effekt kenne ich nur zu gut. Ich habe eine ganze Garderobe für einen (!) neuen Rock gekauft, Blusen, Hemden, Strumpfhosen, Schuhe…. Und heute mag ich den Rock gar nicht mehr besonders.

    • konsumrebellin schreibt:

      Ha ha, so schlimm ist es mit mir auch nicht. Ich glaube, die 713 Stiefeletten schaff‘ ich nicht mal als Lebenswerk 😉

      … und den Rock solltest du dir als warnendes Beispiel einrahmen – inklusive einer Liste aller dazu gekauften Teile. Na ja, vielleicht tut’s Fotografieren auch 😉

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