Schönheit + Qualität = Nachhaltigkeit

Das ist eine Gleichung, die ich voll und ganz unterschreiben kann.

Zugegeben, sie spricht mir zwar aus dem Herzen, aber ich habe sie nicht formuliert. Sie ist mir gerade aus einem noch nicht veröffentlichten Magazin einer ebenso besonderen wie nachhaltigen dänischen Ziegelei entgegen gesprungen. Das Magazin muss ich für einen Job durchlesen. Wobei das Müssen in diesem Fall sehr angenehm und inspirierend ist.

Ja und da war dann dieser Artikel über eine Villa.

Wobei Villa in diesem Fall ein etwas irreführender Begriff ist. Exklusiv ist das Haus schon, aber auch durch und durch minimalistisch – und das auf eine umwerfend schöne Art. Der Architekt bewegte die Bauherren dazu, die ursprünglich geplante Größe des Hauses zu halbieren. Die Räume sind klar strukturiert. Der Grundriss logisch und zweckmäßig. Es gibt keine überflüssigen Flächen. Statt verschwenderisch mit Standardmaterialien umzugehen, wurden sorgfältig ausgesuchte hochwertige Naturmaterialien mit Bedacht eingesetzt.

So weit so gut. Ich will euch hier nicht mit architektonischen Details langweilen, auch wenn mir die Einstellung und das Ergebnis sehr gefallen.

Der Grund, warum ich direkt nach dem Lesen unbedingt dieses Post schreiben musste, ist das Statement des Architekten:

»Statt ein Recycling von Materialien zu diskutieren,
sollten wir uns lieber darauf konzentrieren, Häuser zu bauen,
die wir gar nicht abreißen wollen.«

Dieses Statement hat in mir sofort ein großes JAAAA! ausgelöst. Denn man kann es sehr gut auf alle möglichen anderen Bereiche des Lebens (und des Konsums) übertragen.

Dass ich ein Problem mit billigem oder teurem Wegwerf-Schrott jeglicher Art habe, ist in diesem Blog schon oft genug durchgeklungen. Ich habe aber auch ein Problem mit Dingen, die zwar ökologisch, ethisch und sozial verantwortlich hergestellt, aber leider hässlich, unpraktikabel oder nicht haltbar sind. Die gute Intention weiß ich wohl zu schätzen, aber ich würde sie nie kaufen. Weil ich keine Freude dran hätte und sie irgendwann mit riesig schlechtem Gewissen entsorgen würde. Was wiederum gar nicht nachhaltig ist.

Lieber sorgfältig überlegen, in gutes Design und hochwertige Materialien investieren, mit denen man dann langfristig glücklich ist. Das spricht mir wirklich aus der Seele … und ist aus meiner Sicht die beste Art der Nachhaltigkeit.

Und ich zitiere nochmal den Architekten:

»… die wirkliche Herausforderung besteht darin, schöne Häuser zu bauen, denn die werden mehrere hundert Jahre überdauern «

Auch das lässt sich wieder wunderbar von der Architektur auf andere Gebiete wie Mode, Möbel, Accessoires, Geschirr etc. übertragen. Ich glaube, nachhaltige und ethische Produkte werden erst dann wirklich erfolgreich, wenn die Menschen sie aufgrund ihres Designs und ihrer handwerklichen Qualität BEGEHREN und sie nicht primär aus Gewissensgründen kaufen.

Womit auch gleich das Thema Wegwerfkonsum erledigt wäre. Erstens, weil man die Sachen nicht wegwerfen will. Und zweitens, weil man sich das gar nicht leisten kann.

PS: Architekt und Ziegelei kann ich hier leider noch nicht namentlich nennen, da das Magazin noch nicht veröffentlicht ist. Ich werde das im November nachholen.

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3 Antworten zu Schönheit + Qualität = Nachhaltigkeit

  1. Johannes schreibt:

    Im Großen und Ganzen stimme ich Dir zu, aber die Prognose zum Wergwerfkonsum finde ich etwas zu optimistisch. Die menschliche Psyche gewöhnt sich schnell an schöne Dinge und findet die nach kurzer Zeit gar nicht mehr besonders schön, sondern höchstens noch normal. Daraus entsteht dann der Drang, was anderes zu haben. Deswegen meine ich, dass sich das grundsätzliche Verhältnis zum Konsum ändern muss.

    • konsumrebellin schreibt:

      Da hast du sicher recht. Aber das eine macht das andere leichter.

      Ich beobachte das an mir selbst bzw. an unserem Haushalt. Da, wo man wirklich auf Qualität + schönes Design gesetzt hat, denkt man zum Teil jahrelang noch nicht mal ansatzweise über Ersatz nach.

      Allerdings sind die Sachen auch so ausgesucht, dass sowohl Haltbarkeit als auch Design nicht kurzlebig sind. Ein schneeweißes Citterio-Sofa würde ich ganz sicher nicht kaufen, auch wenn es noch so schön ist 😉

  2. Julia schreibt:

    Ich denke, unsere heutige Gesellschaft kauft viel zu schnell Dinge ohne vorher genau über die anstehende Kaufentscheidung nachzudenken. Kleidung, Lebensmittel, Elektroartikel… landen unüberlegt im Einkaufskorb, weil sie unsere Aufmerksamkeit erregt haben und deshalb einen Kaufwunsch in uns ausgelöst haben. Da die Mehrheit der Bevölkerung nicht mit gröberen Geldproblemen zu kämpfen hat, werden Produkte schnell gekauft und auch schnell wieder weggeworfen. Reparieren/anderweitig Verwerten ist eine sehr selten gewordene Maßnahme, da die Neuanschaffung des Produkts meist weniger Zeit und Arbeit in Anspruch nimmt.

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