Lass gut sein, Gutschein!

Leute, ist jetzt nicht eine tolle Jahreszeit? Die Händler spielen schon vor Weihnachten Weihnachtsmann und winken mit Geschenken.

Kein Tag, an dem ich nicht einen neuen Gutschein aus dem Briefkasten fische, der mir Prozente oder gleich mal 50 oder 100 EUR verspricht.

Wie zum Beispiel dieser hier auf meinem Schreibtisch. Er kommt von meiner ehemaligen Lieblingsboutique, wo man mich seit meiner einjährigen Shoppingdiät allerdings deutlich kühler begrüßt. Weswegen ich im Umkehrschluss noch seltener hingehe. Aber immerhin bin ich noch nicht aus der Mailingdatei geflogen, wie der Gutschein beweist.

Schauen wir mal: Da kann ich also 50 EUR bzw. 100 EUR – äh, ja was kann ich eigentlich? Geschenkt bekommen? Nö, ich muss vorher etwas kaufen. Entweder Schmuck für mindestens 150 EUR oder nicht reduzierte Klamotten für mindestens 300 EUR.

Aber sparen kann ich doch insgesamt 150 EUR, oder? Naja, angesichts der Tatasache, dass ich abzüglich der Gutschein-Gutschriften immer noch mindestens 300 EUR ausgeben muss, um dabei 150 EUR gespart zu haben, kann von Sparen nicht wirklich die Rede sein. Zumal ich weder Schmuck noch Klamotten brauche. Und auch gerade nicht begehre. Dann wäre es vielleicht eine Überlegung wert. Aber so?

Da frage ich mich nur: Warum zum Teufel liegt eigentlich dieser Gutschein hier auf dem Schreibtisch und nicht zuhause im Papierkorb???? Letztes Jahr während der Shoppingdiät ist so was nicht passiert. Da flog jeder Gutschein direkt weg.

Genau deswegen schreibe ich gerade dieses Post. Um den Kopf zu klären.Schließlich sind die Zeiten vorbei, in denen ich natürlich sofort losgegangen wäre und 450 EUR für Zeug ausgegeben hätte (das ich nicht brauche), weil ich dabei ja schließlich 150 EUR sparen konnte. Wobei es mir eigentlich nie ums Sparen ging. Es war nur ein weiterer Grund (und eine Entschuldigung), um zu shoppen.

Da fällt mir gerade eine alte Sketch-Serie auf SWR3 ein, bei der ein Schnäppchenjäger und ein Einkaufsmuffel miteinander diskutierten. Das letzte Argument des Schnäppchenjägers war immer: Wenn du nie was kaufst, kann du ja nie was sparen.

Irre Logik, nicht? Aber im wahren Konsumleben funktioniert sie bestens.

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Dieser Beitrag wurde unter Downscaling, Konsum-Rebellisches, Shoppingdiät + Konsumverzicht veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Lass gut sein, Gutschein!

  1. fraudehnertsallerlei schreibt:

    Hallöchen!
    Danke für diesen Post! Mir ist diese irre Logik an besagten Gutscheinen immer schon aufgefallen, konnte sie aber nie derart auf den Punkt bringen!
    Ich für meinen Teil habe dieses Jahr beschlossen, der Konsum- und Materialschlacht an Weihnachten zu trotzen und viel mehr Liebe und Mühe in schöne, selbstgemachte Geschenke zu stecken. Die erste Likör-Idee hängt schon fast in der Küche… 😉

    Was ich sagen will: Auch nach deiner Shopping-Diät unterstützt dein Blog nach wie vor das Umdenken in (meinem) mancherlei Kopf.
    Liebe Grüße!

    • konsumrebellin schreibt:

      Hallo,
      es ist schön, wieder von dir zu hören 🙂
      Der Holunderblüten-Likör, den ich u.a. zu Weihnachten verschenken werde, ist zum Glück schon seit Monaten fertig 😉

      Liebe Grüße

  2. Annette schreibt:

    Ich hasse das auch! Die denken, wir sind komplett blöde und merken nicht, dass sie den Betrag, den sie uns (vermeintlich) schenken, schon mehrfach draufgeschlagen haben. Grrr. Zum Glück bleibe ich weitgehend von solcher Post verschont.

    • konsumrebellin schreibt:

      Sie machen’s, weil es bei so vielen Leuten funktioniert.
      Ich hoffe ja, dass ich mit der Zeit auch aus der einen oder anderen Mailingliste rausfliege. Adblocker, die im Web so prima funktionieren, gibt es fürs wahre Leben ja leider nicht 😉

      • Johannes schreibt:

        Ich hab vor einiger Zeit einfach mal bei ein paar Unternehmen angerufen, von denen ich keine Post mehr kriegen wollte. Hat problemlos funktioniert.

        • konsumrebellin schreibt:

          Gute Idee. In den Papierkorb werfen ist zwar bequemer, aber wenn mehr Leute die Post abbestellen, die sie nicht wollen, werden weniger Ressourcen sinnlos verschleudert. Das ärgert mich neben der täglichen Papierflut nämlich am meisten.

  3. Andrea schreibt:

    Sehr lustig, ich hatte vor ein paar Tagen genau die gleichen Erlebnisse. Einerseits arbeite ich ja in der Höhle derjenigen Löwen, die sowas an ihre Kunden schicken (eben, weil es oft wirkt), andererseits habe ich in den letzten Wochen einen Haufen Geld in den Mistkübel geworfen 😉 😉 ;-). So nach dem Motto „morgen lauf ich einem Taxi nach, da spar ich mehr als hinter’m Bus“…
    Liebe Grüße
    Andrea

    • konsumrebellin schreibt:

      Na ja, der „Löwe“ ist ja auch nur Getriebener. Er muss Umsatz machen, sonst wird’s böse. Aber das heißt noch lange nicht, dass ICH das bezahlen muss. Ich habe den Handel lange genug mit sinnlosen Einkäufen gesponsert und denen war es auch egal, wie mein Konto danach aussah.

      Ich hoffe, dein Geld im Mistkübel war auch nur Gut-Scheingeld 😉

      Liebe Grüße
      Jana

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