Die herzerwärmende Seite des Declutterns

Ich gebe es ganz offen zu: Eine negative Auswirkung hatte meine einjährige Shoppingdiät dann doch.

Jegliche kleiderschrankbezogene Declutter-Aktivitäten sind nämlich komplett zum Erliegen gekommen. Und zwar nicht nicht nur für die Zeit der Shoppingdiät, sondern auch ein weiteres halbes Jahr danach. Außer der auseinandergefallenen CoH-Jeans habe ich tatsächlich nix weggeworfen und schon gar nix verkauft. Ich konnte mich angesichts der Tatsache, dass ich nichts Neues kaufen durfte, einfach von nichts trennen.

Darüber könnte ich jetzt tiefenpsychologisch sinnieren oder es auch sein lassen. Ich lasse es sein.

Denn das Decluttern ist wieder im Fluss!

Auslöser war die ultimative Lederjacke (die ich auch im Moment gerade wieder mit Freude trage). Denn so viele Bikerjacken, wie sich in meinem Schrank tummelten, braucht kein Mensch. Und meine Erbsenzählerliste weist seit Herbst 2010 gnadenlos objektiv aus, was ich wirklich gerne trage und was nicht.

Lange Rede, kurzer Sinn: Zwei Bikerjacken – eine in Schwarz und eine in Braun – mussten im Austausch für die Neue gehen. Da beide sehr gut in Schuss und recht teuer in der Anschaffung waren, fielen Verschenken und Tauschen aus. Also habe ich sie bei ebay eingestellt und auch zu erfreulichen Preisen vekauft.

Der Verkaufserlös und die Tatsache, dass sie nicht mehr im Schrank hängen, sind schon zwei tolle Konsequenzen des Declutterns.

Aber was mich wirklich glücklich gemacht hat, waren die Reaktionen der Käuferinnen bei ebay. Die waren richtig happy mit ihren Jacken und das finde ich zutiefst befriedigend. Ach, was. Ich freue mich riesig darüber! Dieser dritte, nicht-materielle Effekt des Declutterns hat mindestens genauso viel Glückspotenzial wie die greifbaren Nutzen.

Kritisch gesinnte Geister könnten jetzt natürlich fragen, ob ich irgendwie bekloppt bin, dass ich Sachen nicht mehr haben will, die andere so toll finden. Mag sein. Aber darüber denke ich nicht nach. Ich bin mit den Jacken nie so komplett glücklich gewesen – und falls ich mir in die Tasche lügen wollte, würden mich die Zahlen in meiner Liste korrigieren – und die Erinnerung daran, dass ich zumindest eine der Jacken eigentlich nur getragen habe, weil ich sie eben hatte und weil sie teuer war.

Ich habe es aufgegeben, bis ins Detail zu ergründen, warum mir das eine Teil gut reinläuft und ein anderes nicht. Ich versuche lieber, die Intuition zu stärken, um schon beim Kauf richtig zu entscheiden. Na gut, analytisch wie ich nun mal bin, habe ich auch ein paar harte Kriterien, die mir bei der Kaufentscheidung helfen. Teuer erkauft, aber wirksam 😉

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Downscaling, Mode, Shoppingdiät + Konsumverzicht abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Antworten zu Die herzerwärmende Seite des Declutterns

  1. Ich mag es nicht Dinge wegzuwerfen. Wenn ich weiß, dass es jemand bekommt, der sich darüber freut, dann kann ich aber ganz leicht loslassen. Für mich war das der Schlüssel zum Entrümpeln! Seitdem funktioniert es echt prima.

    Danke für Deinen Bericht und hab viel Freude an Deiner neuen Jacke!

    lg
    Maria

    • konsumrebellin schreibt:

      Ja, ich fühle mich auch immer irgendwie für die Dinge verantwortlich, die ich gekauft habe. Abgesehen vom wirtschaftlichen Unsinn, tut es mir immer leid, sie zu entsorgen. Was meinst du, was es für ein Act war, igendwann einen Haufen alter Plüschtiere zu entsorgen. Einige davon tummeln sich immer noch irgendwo, weil ich es nicht fertig gebracht habe, sie in die Tonne zu stecken 😉

      Das mag zwar sentimental sein, aber so ist es halt.

      Darum gebe ich problemlos Dinge an Leute her, die sich drüber freuen. Aber diese Leute zu finden (es geht ja nicht nur ums Mögen, sondern auch ums Passen etc.) ist auch nicht immer so einfach. Deshalb lieber gleich weniger kaufen, dann hat man nachher auch keinen Stress mit dem Weggeben 😉

      LG
      Jana

      • Wenn ich diese Weisheit vor 20 Jahren schon gehabt hätte, dann wäre ganz viel anders. *seufz*

        Bis vor 20 Jahren bin ich fast jedes Jahr übersiedelt und da hat sich automatisch nichts angesammelt.

        Seitdem bin ich sesshaft samt Kindern und das hat ganz schön viel Zeug mit sich gebracht…

        lg
        Maria

  2. Andrea schreibt:

    Das kann ich komplett nachvollziehen. Ich hab zwar noch nix bei Ebay verkauft, aber gebe die Sachen auch viel leichter her, weil ich einen zuverlässigen Absatzkanal habe, wo ich auch weiß, dass die jedes Mal eine riesige Freude haben, wenn wieder ein Sack voll Sachen kommt (vor allem auch von meiner Tochter)

    Und ich mag die eigene Erleichterung, wenn man sich endlich von so einem Teil getrennt hat, dass einen jedes Mal blöd anmault, wenn man die Schranktüre öffnet

    Viele liebe Grüße
    Andrea

    PS: ach, was wär‘ ich froh, wenn ich auch schon auf feine Lederjacken umsteigen könnt’… Wir haben hier in der Südsteiermark seit Wochen ein richtiges Sauwetter…

    • konsumrebellin schreibt:

      Ach welche herrliche Wortschöpfung „ein Teil, das einen blöd anmault …“ – aber es trifft den Nagel auf den Kopf.

      Ich habe leider nicht so einen zuverlässigen Absatzkanal wie du, dann würde ich vermutlich noch mehr verschenken.

      Was dein PS angeht, kann ich dich beruhigen: Bei uns ist es zwar schon relativ frühlingshaft, aber die Lederjacke geht momentan auch nur indoor 😉

      Liebe Grüße
      Jana

  3. diesmileykiste schreibt:

    Ja dieses Gefühl kenne ich auch. Die Geschmäcker sind halt verschieden, und das ist auch gut so. =) Und ich finde es auf jeden Fall besser, wenn die Sachen bei jemandem sind, der sie mag und auch anzieht, als wenn sie bei mir im Schrank hängen und ja doch nicht angezogen werden. Nurnoch Lieblingssachen kaufen ist meine Devise, keine Kompromisse beim Einkauf! =) =)

    Liebe Grüße

    die Smileykiste

    • konsumrebellin schreibt:

      Da hast du mal komplett recht. Denn selbst wenn man jemanden findet, der sich über die ausrangierten Sachen freut – es ist doch immer ein Zeit- und Arbeitsaufwand, denn man sich getrost sparen kann, wenn man seine Sachen trägt bis zum Auseinanderfallen 😉

      Liebe Grüße
      Jana

  4. anke schreibt:

    Ich finde die Sache mit der Intuition beim Kauf sehr interessant. Irgendwie weiß ich nämlich oft nicht ob das jetzt gerade meine Intuition oder einfach nur ein kurzlebiger Impuls ist, der mich zum Kauf bewegt. Hat sich deine Intution durch die Shoppingdiät irgendwie verstärkt oder entwickelt? Ich bin seit Anfang des Jahres auf Shoppingdiät und hoffe, dass ich nach dem Jahr Abstinenz eine ganz andere Sichtweise auf Konsum allgemein haben werde. Ich versuche übrigens meine Gardrobe trotz Shoppingdiät zu minimieren, bin aber bis jetzt noch nicht über’s zählen und analysieren (wie viel ist genug, was ist überhaupt mein Stil etc) herausgekommen. Vielleicht auch alles nur Prokrastination, weil ich meine Sachen nicht hergeben will 😉

    Liebe Grüße,
    Anke

    • konsumrebellin schreibt:

      Liebe Anke,
      zunächst mal sorry für die späte Antwort – ich war im Urlaub 🙂

      Ich denke, dass sich meine Intuition durch die Shoppingdiät schon weiter entwickelt hat. Man wird einfach klarer im Kopf. Hilfreich ist außerdem meine „Erbsenzählerliste“, die seit Oktober 2010 führe. Wenn man die gelegentlich reflektiert, macht man viele Fehler auch nicht mehr.

      Was mir die Shoppingdiät auf jeden Fall gebracht hat, ist mehr Gelassenheit bei der Kaufentscheidung oder eben Nichtkaufentscheidung. Wenn man ein ganzes Jahr keine Kleidung gekauft hat, weiß man, dass man nicht stirbt, wenn man ein bestimmtes Teil jetzt mal nicht kauft. Und die Shoppingdiät hat meine Qualitätsorientierung nochmal gestärkt. Was nicht 100% perfekt ist, kommt mir nicht mehr in den Schrank.

      Mit der Garderobenminimierung würde ich mich nicht stressen. Lass dir einfach Zeit dafür. Wenn du dir nicht sicher bist, erfasse alle Teile in einer Liste und notiere, wie oft du die Sachen trägst (siehe mein Post https://konsumrebellion.wordpress.com/2012/08/28/shoppingdiat-update-5-erbsenzahlerei/ und die folgenden aus 8/2012) … was du monatelang nicht oder selten & ungern trägst, kann locker weg. Wenn dir das zu viel Gehassel ist, kannst du auch alle „Weggeb-Kandidaten“ für eine Weile in eine Kiste packen. Wenn du sie nach ein paar Monaten nicht vermisst hast, wirst du sie auch später nicht vermissen und musst beim Ausmisten kein schlechtes Gefühl haben.

      Liebe Grüße
      Jana

      • anke schreibt:

        Kein Problem, ich hoffe du hattest einen schönen Urlaub 🙂 Ich merke auch, dass ich viel entspannter bin und momentan überhaupt kein Interesse mehr am shoppen, und vor allem am online-shopping, habe. Letzteres hat nämlich vor meiner Shoppingdiät überhand genommen. Wenn die Postbotin 2 km vor der eigenen Wohnung auf offener Straße bremst und einem ein Packet mit den Worten übergibt: „Das Gesicht kenn ich doch“, sollte man sein Shoppingverhalten echt überdenken 😉

        Die Erbsenzählerliste find ich super, ich hab mir ehrlich gesagt nie Gedanken um meine Ausgaben gemacht, den CPW-Faktor werd ich ab jetzt auch berücksichtigen, sehr interessante Sichtweise. Wenn ich mir überlege, was ich alles kaum oder sogar noch nie getragen habe… an einigen Sachen hängt noch das Preisschild. Nach 2 1/2 Monaten shoppingfrei verstehe ich manche Kaufentscheidungen selber nicht mehr. Dabei habe ich immer gedacht, ich würde mich nicht so sehr über Kleidung definieren. Mit etwas Abstand betrachtet, seh ich mein Konsumverhalten jetzt wesentlich kritischer.

        Danke für die Tipps und den Erfahrungsbericht, ich finde es immer sehr motivierend von den positiven Effekten des Konsumverzichts zu lesen. In unsere Gesellschaft wird ja sonst nur das Gegenteil gepredigt.

        LG
        Anke

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s