Greta und die Krise

Dass die Welt seit Jahren aus vielfältigsten Gründen auf einen Abgrund zusteuert, dürfte eigentlich nur den blindesten Blindfischen und den sorglosesten Susi-Sorglos-Exemplaren entgangen sein.

Und deshalb schadet es ja nicht, sich gelegentlich mal ein Buch reinzuziehen, das die Krisen und ihre Ursachen durchleuchtet. Ich sage bewusst KRISEN, denn wir sind ja nicht nur mit einer Finanzkrise konfrontiert. Es gibt noch viel substanziellere Probleme als die Tatsache, dass uns irgendwann das ganze wertlose Papier- und Computergeld um die Ohren fliegen wird.

Aber so informativ diese Bücher auch sind: Sie haben meistens den gravierenden Nachteil, den Leser frustriert und hilflos zurück zu lassen. Denn was kann man schon tun?

Die meisten Bücher nutzen 90% der Seiten, um den düsteren Status Quo und die noch düstereren Aussichten auszubreiten. Dann folgen meist 10% sogenannte Lösungsansätze zur Rettung der Welt bzw. des Finanzsystems und des eigenen Vermögens.

Alles, was darauf abzielt, was die Politik tun müsste, kann man sowieso vergessen. Weil die Politik eh nichts anderes tun wird als bisher.

Aber bei dem, was man selbst tun kann, wird’s auch nicht interessanter und tröstlicher. Denn es läuft im Wesentlichen immer auf das Gleiche hinaus: Vorräte anlegen und Vermögen retten.

Sicher ist es sinnvoll, für mehr als einen Tag Lebensmittel und Wasser im Haus zu haben. Aber es glaubt doch wohl keiner ernsthaft, er könnte sich einfach friedlich monatelang durch seine Vorräte futtern, wenn draußen die Nachbarn verhungern (wobei dies sicher ein Extremszenario darstellt).

Und was die Rettung des Vermögens angeht: Ähem, welches Vermögen überhaupt? Mir fehlen schlicht die finanziellen Mittel, die ich in Edelmetalle, Immobilien, Wälder und Felder umschichten soll.

Ich nehme an, das geht den meisten meiner LeserInnen so. Denn selbst wenn ich in den letzten Jahren erheblich weniger konsumfreudig gewesen wäre, hätte ich dieses Geld nicht.

Und hier kommt Greta ins Spiel.

Als ich Nunus Buchtipp zu „Apokalypse jetzt“ von Greta Taubert las, dachte ich im ersten Moment aus den oben genannten Gründen: Och nee, nicht noch ein Weltuntergangsbuch!

Aber Gretas Buch ist anders. Greta macht sich wegen der allgegenwärtigen Krisennachrichten auch Sorgen. Aber sie dreht die Krisen nicht zum hundertsten Mal durch den literarischen Fleischwolf, sondern schreitet lieber zur Tat und stellt sich der einzig wahren Frage: Wie lerne ich, auch in einer heftigen Krise zu überleben?

Dazu führt sie einen einjährigen Selbstversuch durch, in dem sie praktisch jedem auf den Pelz rückt, der ihr in dieser Sache weiterhelfen könnte. Und der Bogen ist weit gespannt vom Prepper über gutgelaunte Urköstler, Waldschrate, Containertaucher, urbane Gärtner, in Bauwagen lebende Berufsraver, Alt-68er-Kommunarden bis hin zum Stadtjäger. Sogar nach Spanien trampt sie, um dort am eigenen Leib zu erleben, wie sie in einem krisengeschüttelten Land ohne Geld durchkommt.

Es ist wahnsinnig interessant und macht Spaß, Greta auf ihrer Reise zu begleiten – auch wenn bei weitem nicht jede vermeintliche Krisenlösung nachahmenswert ist. Aber das behauptet Greta auch nicht. Sie ist schonungs ehrlich – und hat dabei einen sehr angenehm trockenen Humor.

Aber das beste an diesem eigentlich ganz und gar nicht apokalyptischen Buch ist, dass man diesmal nicht frustiert und ängstlich zurückbleibt. Denn es zeigt, dass sie besten Krisenvorbereitungsstrategien uns auch heute schon sehr gut tun können: weniger Konsum, mehr selber machen und vor allem mehr Gemeinschaft.

Fazit: Klarer Lesetipp!

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Bücher, Downscaling, Shoppingdiät + Konsumverzicht abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Antworten zu Greta und die Krise

  1. Klingt lesenswert.
    Danke für die schöne Schilderung 🙂

  2. Franka schreibt:

    Auch ich danke, denn das Buch stand zwar schon auf meiner Interessenliste, aber ich zögerte noch. Deine Rezension ist richtig gut und macht Lust, zu lesen. So langsam aber sicher mag ich nicht mehr nur Hiobsbotschaften lesen und hören. Da ist ein bisschen von dem, was man tun könnte, sicher gut zu lesen.
    LG, Franka

    • konsumrebellin schreibt:

      Vielen Dank, liebe Franka.

      Das mit den Hiobsbotschaften geht mir auch so. Es ist natürlich wichtig, einigermaßen informiert zu sein. Aber dabei kann man sich auch sehr machtlos fühlen und vom Lesen über die Krise allein hat sich noch nichts zum Besseren gewendet.

      Deshalb finde ich es so wichtig, irgendwie aktiv zu werden – auch wenn es erst einmal ganz kleine Schritte wie die Tomate auf dem Balkon sind.

      Und für alle, die noch im Hamsterrad radeln und Angst haben, irgendwann aus der Kurve geschmissen zu werden (dazu zähle ich mich auch) ist es doch gut zu wissen, dass es jetzt schon Leute gibt, die ganz anders leben und gar nicht so unglücklich dabei sind – auch wenn ich nur im Notfall in ein Wohnprojekt mit Gemeinschaftsdusche ziehen würde 😉

      LG

      • Franka schreibt:

        Es kommt ja auch gar nicht darauf an, ohne Geld oder sonstwie sehr alternativ zu leben, sondern jeder muss seinen Weg finden und jeder kleine Beitrag ist wichtig. Mit sehr ausgefallenen Lösungen kann man keinen überzeugen, aber diese kleinen Dinge, die Tomaten z.B., das könnte manche auf die Dauer zum Umdenken bringen.
        Parallel dazu halte ich allerdings gesetzliche Maßnahmen für erforderlich … sonst geht es nicht schnell genug.

  3. Ressource C schreibt:

    super tipp, danke!!!

  4. Elisabeth Zacharia schreibt:

    Während einer Krise (Hungersnot) die Möglichkeit des Containerns ins Auge zu fassen erscheint mir ein wenig paradox. Wer wirft da noch etwas weg? Dennoch scheint es ein lesenswertes Buch zu sein. Am besten gefällt mir der Schlusssatz der Rezensentin. Schade, dass wahrscheinlich nur eine Krise den Konsumwahnsinn und das Auseinandertriften der Menschen stoppen wird können.

    • konsumrebellin schreibt:

      Den Gedanken zum Containern hatte ich beim Lesen auch. Aber macht nix, wenn diese Option als Krisenlösung entfällt – ist eh sehr unappetitlich 😉 Wobei ich es grundsätzlich mal in Ordnung fand, dieses Thema zu erwähnen. Denn die gezielte Lebensmittelvernichtung via Mülltonne – nur um die Preise hoch zu halten – ist pervers. Allerd ings wären natürlich im Krisenfall die Mülltonnen noch schneller leer als die Supermärkte.

      Auch deine Überlegung, dass zumindest bei der breiten Masse wohl nur eine Krise die Menschen zur Vernunft bringen wird, teile ich. Ich hoffe nur, dass sich dann viele für Kooperation und nicht für das totale Jeder-gegen-Jeden entscheiden. Aber das Beispiel Spanien lässt ja hoffen 🙂

  5. Himmel wo war ich in den letzten Monaten??? Warum müssen wir uns jetzt auf eine Hungersnot vorbereiten???? Habe zwar diese Bücher im Laden gesehen, wusste aber gar nicht, dass die ernst gemeint sind. Woher kommt die Krisenpanik? LG, Mathilda

  6. kommentar schreibt:

    Magst du wiedermal was schreiben? Ich hoffe, dass es dir gut geht. Lieben Gruss!

    • konsumrebellin schreibt:

      Oh, das freut mich aber, dass mich hier jemand vermisst – vor allem jemand, der meinen Blog schon so lange liest 😉 Ganz lieben Dank für deine Nachfrage.

      Ja , es geht mir gut. Ich hatte in den letzten Monaten nur wenig Zeit bzw. andere Priortäten.

      Aber jetzt stehe ich mental schon fast in den Startlöchern für „Konsumrebellion Reloaded“. Wenn ich schreibe, will ich allerdings auch etwas einigermaßen Gehaltvolles schreiben, das meinen Lesern (hoffentlich) etwas gibt. Dafür braucht man halt Zeit und einen klaren Kopf.

      Ich muss jetzt noch ein Projekt auf die Piste bringen, dass mir persönlich sehr wichtig ist (wenn ich erfolgreich war, werde ich sicher auch hier darüber berichten) und dann soll es hier auch wieder losgehen.

      Ich nehme deine Nachfrage mal als ein Zeichen, dass es richtig ist, hier wieder mehr zu schreiben 🙂

      Ganz liebe Grüße

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s