Haben versus Sein.

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Ich habe hier lange nichts von mir hören lassen.

Ich könnte jetzt sagen, ich hatte keine Zeit. Aber das stimmt nicht. Ich hatte eine Schreibblockade. Weil ich mit mir uneins war.

Darüber, wie weit man (oder besser: ich) Konsumverzicht sinnvollerweise treiben sollte. Darüber, wie weit ich mich eigentlich von unserer Gesellschaft, die nun mal eine Konsumgesellschaft ist, entfernen wil. Und natürlich auch darüber, wie es mit diesem Blog weitergeht. Denn seien wir mal ehrlich: mein Kleiderschrank, Berichte über Dinge, die ich gekauft oder nicht gekauft habe und gelegentliches Konsumwahn-Bashing sind nun auch nicht so superspannend.

So ganz klar bin ich mir über das alles immer noch nicht.

Aber heute morgen im Bahnhofs-Presseshop sprang mich dieser Zeitschriftentitel an, an dem ich natürlich nicht vorbeigehen konnte:

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Praktischerweise gibt es hier den Leitartikel zum Thema „Haben versus Sein“ als PDF. Und dieser intelligente, komplett ideologiefreie Aufsatz passt wie die Faust aufs Auge zu den Gedanken, die mich seit einiger Zeit umtreiben und für eine handfeste konsumrebellische Schreibblockade gesorgt haben. Vermutlich hatte er befreiende Wirkung, denn ich kann wieder schreiben 😉

Ich habe nämlich schon immer so meine Bauchschmerzen mit exzessivem Minimalismus und totaler Ablehnung von Habseligkeiten. Nicht nur, weil ich sicher eher ein Genussmensch bin. Ich frage mich einfach, ob das sinnvoll ist. Wenn man wie ich die ersten zwanzig Jahre seines Lebens in einem Mangelwirtschafts-Land verbracht hat, weiß man, dass fehlendes Konsumangebot nicht primär befreiend ist. Es hindert die Menschen auch an der Selbstentfaltung.

Wenn ich keinen Rechner habe, kann ich nicht bloggen. Wenn ich keine gescheite Fotoausrüstung habe, kann ich nicht gut fotografieren. Ohne Farben und Untergründe  kann ich nicht malen. Und ohne schöne Wolle macht das Stricken keinen Spaß (na ja, nicht, dass ich stricken würde).

Haben sich die Aufmerksamen unter euch gewundert, dass ich so ein altmodisches Wort wie „Habseligkeiten“ verwende? Das hat seinen Grund. Der Artikel löst nämlich zum Schluß den scheinbaren Widerspruch zwischen Haben und Sein sehr schön auf und definiert dabei, was man haben sollte und was nicht:

Habseligkeiten sind jene Dinge, die zu haben sich lohnt, weil sie das Sein verändern. Auf alles andere kann man verzichten.

Fazit: Es geht nicht darum, jegliches Haben (und Habenwollen) abzulehnen. Es geht darum, Haben und Sein zu einer gelungenen Synthese zu verbinden. Das ist natürlich immer noch keine praktisches Rezept für den Alltag. Man muss schon selber nachdenken, welche Habseligkeiten das eigene Sein (positiv) verändern.

Trotzdem eine klare Leseempfehlung – zumal man den Artikel ja nicht mal kaufen muss, um ihn zu haben 😉

Ein schönes Wochenende euch allen

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Frohe Ostern!

Möhren-Gugl/Möhren-Muffins

Ich weiß, ich habe mich hier in letzter Zeit rar gemacht.

Das bedeutet aber nicht, dass ich von der Bildfläche verschwunden wäre oder mich die Konsumrebellion nicht mehr interessiert. Ich habe neue interessante Bücher zum Thema entdeckt und mir schwirren eine Menge konsumrebellischer Gedanken im Kopf herum, die ich nur mal sortieren und zu Papier bringen – äh, in die Tastatur hacken – müsste.

Das werde ich vor Ostern aber nicht schaffen und zu Ostern schon gar nicht.

Also bleibt mir vorerst nur, euch wunderbare Ostern zu wünschen und zum DIY in Form des Backens dieser leckeren Mini-Möhren-Gugl aufzurufen 🙂

 

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Die Vielfalt ist weiter im Rennen.

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Wer sagt denn, dass es nichts bringt, sich zur Wehr zu setzen?

Heute morgen fand ich eine sehr erfreuliche Mail von Victoria Zedlacher (Global 2000/Arche Noah) in meinem Postfach: Die umstrittene EU-Saatgut-Verordnung, über die ich im letzten Jahr hier und da stinkwütend war, ist abgeschmettert worden.

Ohne die 800.000 Stimmen, die sich in Petitionen europaweit dagegen ausgesprochen haben, wäre das nicht passiert – und die fiesen hochgezüchteten, teilweise genmanipulierten Sorten von Monsanto & Co. wären bald die einzig legalen.

Wenn ich beim Schreiben nur daran denke, fühle ich meinen Blutdruck schon wieder im Ansteigen begriffen.

Aber jetzt freue mich lieber, dass die Vielfalt im Rennen bleiben darf …

und werde in diesem Jahr in meinem Garten durch den Anbau alter, samenfester Gemüsesorten meinen klitzekleinen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt leisten. Mit völlig egoistischen Hintergedanken übrigens – denn die alten Sorten schmecken einfach besser und geben viel interessante Fotoobjekte ab als der Industrie-Einheitskram.

Ob und wie mir das so gelingt,  könnt Ihr von Zeit zu Zeit auch auf meinem Blog seasonette lesen.

Für alle, die es interessiert, hier der Original-Wortlaut der Erfolgsmeldung von Victoria Zedlacher.

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Zurück aus dem Land der rosa Hirsche

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Sollte mich jemand vermisst haben: Ich habe nicht das Bloggen aufgegeben, sondern war nur ein bisschen Skifahren. Mit dem üblichen Arbeitsberg vor und nach dem Urlaub 😉

Jetzt bin ich nach ein paar wunderschönen, sonnenverwöhnten Skitagen wieder da aus dem Tal der rosa Hirsche aka Saalbach-Hinterglemm.

Und damit wir nicht ganz off-topic sind: Wer eine Shoppingdiät machen will, dem kann ich Saalbach wirklich aus ganzem Herzen empfehlen. Wenn ihr den ganzen Tag auf der Piste seid und danach noch unter die Dusche wollt, habt ihr dort sozusagen null Chancen auf Shopping. Die haben dort noch Ladenöffnungszeiten, die es in Deutschland zumindest in der Großstadt seit gefühlten hundert Jahren nicht mehr gibt. Das ist förderlich für den Konsumverzicht, macht aber auch den Erwerb einer Packung Mineralwasser zum echten Stressakt 😉

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Die herzerwärmende Seite des Declutterns

Ich gebe es ganz offen zu: Eine negative Auswirkung hatte meine einjährige Shoppingdiät dann doch.

Jegliche kleiderschrankbezogene Declutter-Aktivitäten sind nämlich komplett zum Erliegen gekommen. Und zwar nicht nicht nur für die Zeit der Shoppingdiät, sondern auch ein weiteres halbes Jahr danach. Außer der auseinandergefallenen CoH-Jeans habe ich tatsächlich nix weggeworfen und schon gar nix verkauft. Ich konnte mich angesichts der Tatsache, dass ich nichts Neues kaufen durfte, einfach von nichts trennen.

Darüber könnte ich jetzt tiefenpsychologisch sinnieren oder es auch sein lassen. Ich lasse es sein.

Denn das Decluttern ist wieder im Fluss!

Auslöser war die ultimative Lederjacke (die ich auch im Moment gerade wieder mit Freude trage). Denn so viele Bikerjacken, wie sich in meinem Schrank tummelten, braucht kein Mensch. Und meine Erbsenzählerliste weist seit Herbst 2010 gnadenlos objektiv aus, was ich wirklich gerne trage und was nicht.

Lange Rede, kurzer Sinn: Zwei Bikerjacken – eine in Schwarz und eine in Braun – mussten im Austausch für die Neue gehen. Da beide sehr gut in Schuss und recht teuer in der Anschaffung waren, fielen Verschenken und Tauschen aus. Also habe ich sie bei ebay eingestellt und auch zu erfreulichen Preisen vekauft.

Der Verkaufserlös und die Tatsache, dass sie nicht mehr im Schrank hängen, sind schon zwei tolle Konsequenzen des Declutterns.

Aber was mich wirklich glücklich gemacht hat, waren die Reaktionen der Käuferinnen bei ebay. Die waren richtig happy mit ihren Jacken und das finde ich zutiefst befriedigend. Ach, was. Ich freue mich riesig darüber! Dieser dritte, nicht-materielle Effekt des Declutterns hat mindestens genauso viel Glückspotenzial wie die greifbaren Nutzen.

Kritisch gesinnte Geister könnten jetzt natürlich fragen, ob ich irgendwie bekloppt bin, dass ich Sachen nicht mehr haben will, die andere so toll finden. Mag sein. Aber darüber denke ich nicht nach. Ich bin mit den Jacken nie so komplett glücklich gewesen – und falls ich mir in die Tasche lügen wollte, würden mich die Zahlen in meiner Liste korrigieren – und die Erinnerung daran, dass ich zumindest eine der Jacken eigentlich nur getragen habe, weil ich sie eben hatte und weil sie teuer war.

Ich habe es aufgegeben, bis ins Detail zu ergründen, warum mir das eine Teil gut reinläuft und ein anderes nicht. Ich versuche lieber, die Intuition zu stärken, um schon beim Kauf richtig zu entscheiden. Na gut, analytisch wie ich nun mal bin, habe ich auch ein paar harte Kriterien, die mir bei der Kaufentscheidung helfen. Teuer erkauft, aber wirksam 😉

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Die Wegwerfmentalität ist abstoßend. (Li Edelkoort)

Ich weiß gar nicht, weshalb uns noch immer die „style in progress“ – eine Fachzeitschrift für den Modehandel – in die Agentur flattert. Vermutlich ist das ein Relikt jener glamourösen Zeiten als wir noch für die Kölner Modemessen arbeiteten.

Die Herrenmode-Woche/Interjeans bzw Vibes4U sind inzwischen mausetot. Aber wir stehen noch auf der Versandliste der Fachmagazine. Und manchmal ist das ja richtig interessant.

Vom Titel der aktuellen Ausgabe lachte mich nämlich kürzlich die weltbekannte Trendforscherin Li Edelkoort an. Na gut, was mich noch mehr anlachte, war ihr Zitat:

„DIE WEGWERFMENTALITÄT IST ABSTOSSEND.“

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Li Edelkoort findet ziemlich deutliche Worte zur Modebranche im Allgemeinen und Fast Fashion im Besonderen. So fordert sie zum Beipiel, den Verkauf von Bekleidung zu derart unrealistisch niedrigen Preisen per Gesetz zu verbieten. Weil das einfach pervers ist. Weil dafür Menschen sterben. Und weil Mode damit zum Wegwerfprodukt verkommt, was eigentlich auch nicht im Sinne der Modebranche sein kann.

Ich kann das voll und ganz unterschreiben – auch wenn es diese gesetzliche Regelung wohl nie geben wird. Da kann nur Druck von Konsumentenseite, NGOs etc. oder eben einfach breiter Fast-Fashion-Kaufboykott helfen.

Aber lest mal hier lieber das komplette Interview auf issuu.com. Natürlich müsst ihr euch erst (was auch sonst) durch ein bisschen Werbung etc. blättern, aber ab Seite 54 geht es dann los.

Bemerkenswert daran ist, dass dieses Interview nicht in einem intellektuellen Wochenblatt, einem Ökomagazin o.ä. steht, sondern in einem Fachmagazin der Modebranche.

Zumindest macht man sich da wohl auch Gedanken …

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Das ist mal Recycling! Und Minimalismus!

Nein, nicht ich.

Ich bin in bestimmten Bereichen, genauer gesagt beim Fotografieren, gerade in keiner sonderlich minimalistischen Phase. Aber wenn ich nicht so heiß auf Props (= Requisiten für die Food-Fotografie) wäre, könnte ich euch heute auch nicht dieses Recycling-Wunderwerk präsentieren.

Da ich meine Bilder lieber mit ein paar echten Vintage-Accessoires statt mit austauschbarem Chinaschrott ausstaffieren will und der nächste Flohmarkt noch weit ist, habe ich ein paar nette, alte Sachen bei Dawanda geordert. Unter anderem einen hübschen kleinen eisernen Untersetzer, eine Art Mini-Kuchengitter. Wer gelegentlich in meinem Food-Blog seasonette schmökert, weiß ja, dass ich auf kleine Kuchen stehe, die im Weckglas gebacken werden. Und diese kleinen Kuchen passen wunderbar auf das kleine Kuchengitter.

Das ist zwar auch Recycling, aber längst nicht so ein Knaller wie die Verpackung in der das klitzekleine Kuchenrost heute hier ankam. Zuerst war unsere Sekretärin, die die Sendung aus dem Briefkasten gefischt hat, hellauf begeistert. Und dann ich.

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Die Versandverpackung ist nicht einfach nur aus alter Zeitung. Sie ist auch genäht – mit Innen- und Außentütchen. Ein wirklich einmaliges Wunderwerk des minimalistisch-kreativen Recyclings.

Wer auch so eine tolle Verpackung bekommen möchte, kann ja mal bei Dawanda im „Vintageundemaille“-Shop der übrigens sehr netten Kathrin nach was Kleinem stöbern. Diese Werbung mache ich hier ganz freiwillig und unentgeltlich – einfach nur aus Begeisterung über die coole Verpackung 🙂

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